34. Chaos Communication Congress (34C3) 28.12.2017, 09:58 Uhr

Hacker arbeiten an der IT-Utopie

Leipzig hat von Hamburg die Rolle als Hacker-Hauptstadt übernommen: Vier Tage lang werfen 15.000 Teilnehmer beim Chaos Communication Congress kritische Blicke auf Technik, Politik und Gesellschaft.
(Quelle: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild)
Wie kann man Technologien nutzen, um eine bessere Welt zu schaffen? Was wissen die sozialen Netzwerke über mich? Am Ende eines Jahres kommen Tausende Hacker und andere Technikliebhaber auf Einladung des Chaos Computer Clubs (CCC) zusammen, um über solche Fragen zu debattieren.

"Wir wollen nicht untätig daneben stehen, während die Digitalisierung im rasanten Tempo voranschreitet", erklärt CCC-Sprecher Linus Neumann. Passend dazu lautet das diesjährige Motto "Tuwat", mit dem die Organisatoren an den Gründungsaufruf des Clubs von 1981 erinnern.

Nachdem das Spektakel in den vergangenen fünf Jahren im Hamburger Congress Center stattfand, haben die Hacker nun in Leipzig eine neue Heimat gefunden. Das Gebäude in der Hansestadt wird saniert, zudem war der Kongress an die Kapazitätsgrenze gestossen. Denn auch in diesem Jahr ist die viertägige Veranstaltung (27. bis 30. Dezember) wieder gewachsen, um die 15.000 Teilnehmer strömen auf das Leipziger Messegelände. Viele tragen Kapuzenpulli. Das Getränk der Wahl ist Mate-Limo - noch so ein erfülltes Klischee. Trotz aller Bekenntnisse für mehr Vielfalt sind noch immer deutlich mehr Männer als Frauen zu sehen. Die Geschlechterverteilung wird aus Datenschutzgründen nicht erfasst.

Wer die düster-kuschelige Atmosphäre der Kongressräume in Hamburg lieb gewonnen hat, fühlt sich in den weitläufigen und lichtdurchfluteten Messehallen in Leipzig erst etwas verloren. Einige der Teilnehmer haben Skateboards oder Roller dabei, um schnell zum nächsten Vortrag durch die Hallen zu flitzen.

Aber Stillstand passt nicht zu der Szene, die stets nach Herausforderungen sucht. "Wir finden, es ist der ideale Ort in der heutigen Zeit", sagt der Hacker und Medienkünstler Tim Pritlove zum Auftakt. Mit Blick auf die Montagsdemonstrationen vor dem Mauerfall 1989 erklärt er: Leipzig sei schon einmal Ort einer Revolution gegen ein System gewesen, das aus der Zeit gefallen war - und "in gewisser Hinsicht herrscht heute ja auch wieder gehobener Revolutionsbedarf".

Mit Blick auf den Rechtsruck sagt Pritlove, es sei wichtig, gerade in Sachsen präsent zu sein: "Die Täler müssen mit Ahnung geflutet werden." Als "Tal der Ahnungslosen" wurde einst das Elbtal bei Dresden genannt, da es sich ausserhalb der Reichweite westlicher Fernsehsender befand.

Sich um die Verbreitung von Wissen zu kümmern, ist seit jeher das Anliegen des 1981 gegründeten CCC, der vor kritischen Auswirkungen der Digitalisierung ebenso warnt wie vor einer mangelhaften Umsetzung von Technik. Das ist etwa bei der Abrechnung von Stromtankstellen für Elektroautos der Fall, wie Mathias Dalheimer vom Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in Kaiserslautern eindrucksvoll analysiert. Er hat sich angeschaut, was auf den Chips der Ladekarten gespeichert ist. Es ist lediglich eine unverschlüsselte Nummer. "Sehr schlecht", rügt er.




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