Wie Google den allwissenden und allgegenwärtigen Computer bauen will

Wird der Komfort die Ängste verdrängen?

Datenschützer werden dieses Zukunftsszenario eher fürchten, denn der ungewollte Austausch sensibler Informationen ist nur einen Klick entfernt. Der Trend scheint aber unaufhaltsam: Am Ende verschmelzen die vielen kleinen Funktionen und Datenschnipsel zu einem allwissenden Computer. Er weiss, wo man sich gerade aufhält - nicht unbedingt nur dank der GPS-Ortung, sondern vielleicht auch weil er die Umgebung am Kamerabild erkennt. Er weiss wahrscheinlich, was man als nächstes vorhat (Terminkalender). Das System könnte empfehlen, dass man vorher etwas essen sollte.
Es ist als hätte man einen unsichtbaren Butler, der einem immer über die Schulter schaut. Man kann darin aber auch einen Aufpasser sehen. Wird der Komfort die Ängste um die eigene Privatsphäre verdrängen? Denn schliesslich kann ein Assistent einem nur wirklich dienlich sein, wenn man für ihn ein offenes Buch ist.
Die Entscheidung, die notwendigen Daten freiwillig herzugeben, wird nicht gerade dadurch erleichtert, dass diese Vision von einer Firma stammt, die nach wie vor den Grossteil ihres Geldes mit Internet-Werbung verdient. Die Finanzierung für die ganzen aufsehenerregenden Technologie-Vorstösse wie selbstfahrende Autos, Ballons zur Internet-Versorgung oder die Forschung an Kontaktlinsen, die den Blutzucker messen, kommt vor allem aus den Cent-Beträgen, die zu Milliarden anwachsen, wenn Nutzer auf die kleinen Anzeigen in ihren Suchergebnissen klicken.

Allgegenwärtige künstliche Intelligenz

Der Fokus auf allgegenwärtige künstliche Intelligenz geht auf der aktuellen Google-Entwicklerkonferenz mit einer neuen Bodenständigkeit bei den hochtrabenden Technologie-Wetten einher. Den Internet-Ballon Loon oder das selbstfahrende Auto vom vergangenen Jahr sucht man auf dem sonnendurchfluteten Konferenzgelände diesmal vergeblich. Stattdessen gibt es ganz viele Zelte für Software-Entwickler, wo ihnen die konkreten Neuerungen schmackhaft gemacht werden sollen.
Bezeichnend ist auch, dass die Informationen zur neuen Version des weltweit meistgenutzten Smartphone-Systems Android fast schon beiläufig am Ende der Eröffnungskeynote zusammengepresst wurden. Früher wäre das der Mittelpunkt einer Google I/O gewesen. Von Google-Managern heisst es, das liege daran, dass schon viele Details bekannt gewesen seien. Aber man kann es auch als Zeichen dafür sehen, dass das Smartphone genauso wie andere Geräte nur noch das Portal zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz sein soll.



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