Hightech im Zürcher Untergrund

Unter Tag und offshore

Wo es für Menschen eng wird, soll Anymal autonom weiter vordringen
(Quelle: Daniel Winkler/ETHZ)
Bereits seit 2009 wird an der ETH an vierbeinigen Robotern geforscht. Der Protoyp des Anymal entstand 2015, ein Jahr später wurde der Spin-off Anybotics gegründet, der sich zum Ziel gesetzt hat, Roboter in allen Geländen einsatzfähig zu machen – eine Voraussetzung für viele mögliche Anwendungsgebiete in der Praxis. «Let Robots Go Anywhere», lautet der Slogan der Firma. Zwei- bis dreimal pro Monat ist man für Tests unterwegs. So reisten Fankhauser und ein Teil seines Teams kürzlich auf eine Offshore-Plattform, die mitten in der Nordsee liegt. Dort könnte der Roboter einst Inspektionsaufgaben übernehmen – bei der Pilotinstallation absolvierte Anymal bereits mehrere Inspektionsrouten erfolgreich autonom.
Nach fast zehn Jahren Forschungsarbeit kann Anymal so einiges: Er bewegt sich nicht nur autonom fort, sondern ist auch mit mehreren Sinnen ausgestattet: Er kann sehen, hören oder spüren. Dadurch kann der Roboter beispielsweise die Luftdruckanzeige einer Maschine ablesen, Geräusche einordnen oder auch Objekte erkennen – etwa, um zu überprüfen, ob der Feuerlöscher am richtigen Platz ist. Auch ist er in der Lage, bestimmte Handgriffe selbst zu erledigen: Mit Hilfe eines zusätzlichen Greifarms kann er eine Tür öffnen, Abfall entsorgen oder einen Liftknopf drücken. Zudem liefert er Daten, die in vielen Belangen präziser sind als jene, die unsere Augen, Ohren oder Nasen liefern: etwa für Temperatur, Gase in der Luft oder seit Neustem auch für die Beschaffenheit des Bodens. «Er hat also einige übermenschliche Fähigkeiten», sagt Fankhauser.
Der Roboter scheint unten in der Kanalisation trotz wenig Licht gut zurechtzukommen. Gemächlich stapft er durch das Rinnsal. Bei einem rund 20 Zentimeter hohen Absatz in einen ebenfalls einigermassen trockenen Nebenkanal stoppt Fankhauser die Hightechmaschine mit seinem Joystick. Zunächst zögert er, ob er dem Roboter die Anweisung geben soll, darüber hinwegzusteigen – wiederum ein Manöver, das im Labor kein Problem wäre, hier aber mit Risiken verbunden ist. «Da steckt auch viel Geld drin», sagt Fankhauser. Trotzdem wagt er den Versuch. Im ersten Anlauf schafft Anymal die Aufgabe nicht, er stoppt noch vor dem Absatz, bockig wie ein Pferd. «Default, start again», funkt Fankhauser. Nun setzt der Roboter elegant einen Fuss nach dem anderen über die Kante.

Autor(in) Andres Eberhard, ETH-News



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