Löchriger Käuferschutz 16.09.2019, 16:14 Uhr

Warum Sie bei Bezahldiensten genau hinschauen sollten

Wer einen Bezahldienst beim Einkaufen im Netz nutzt, erhält häufig automatisch einen Zusatzschutz. Doch kann man sich voll und ganz auf diese Käuferschutzprogramme verlassen oder gibt es Haken?
(Quelle: Pixabay )
Onlineshopping boomt: Soll der Umsatz in den klassischen Geschäften 2019 nur um 1,2 Prozent steigen, zeigt das erwartete Wachstum beim Onlinehandel mit 9,1 Prozent deutlich stärker nach oben, prognostiziert des Einzelhandelsverbandes HDE.
Doch die Krux mit Onlinekäufen ist: Mal kommen sie nicht an, mal sind sie anders als beschrieben. Dann erstatten Zahlungsdienstleister wie Amazon Pay, Barzahlen, Klarna, Paypal oder Paydirekt unter Umständen das Geld zurück, wenn über sie bezahlt worden ist. «Solche Käuferschutzprogramme helfen Verbrauchern durchaus, doch der Schutz hat Lücken», sagt Michael Sittig von der Stiftung Warentest. «Letztendlich sind diese Programme ein Marketinginstrument der Anbieter.»

Paypal ist der meist genutzte Dienst

Beispiel Paypal, nach Zahlen des EHI Retail Institute der in Deutschland mit Abstand am häufigsten genutzte Zahlungsdienst: «Wenn es mit dem Käuferschutz von Paypal Probleme gibt, liegt das oft daran, dass den Kunden nicht klar ist, was genau unter den Schutz fällt und wann er wirklich greift», berichtet Kirsti Dautzenberg vom Marktwächter Digitale Welt beim Bundesverband der Verbraucherzentralen.
Ein Blick in die Bedingungen zeigt: Paypal erstattet das Geld für Ware und Versandkosten, sofern ein Verkäufer den gekauften Artikel nicht liefert, nach einer Retoure die Zahlung nicht erstattet oder der Artikel «erheblich» von der Produktbeschreibung des Händlers abweicht. Was «erheblich» ist, entscheidet im Zweifel Paypal.

Schwammig formulierte Klausel

Und auch bei Problemen, die nicht ganz offensichtlich sind, kommt es letztlich auf die Einschätzung des Zahlungsdienstleisters an. «Die Bedingung trifft keine abschliessende Aussage, daher bleibt es letztlich immer eine Einzelfallentscheidung durch Paypal. Das Unternehmen hat hier grossen Spielraum», sagt Dautzenberg.
Amazon nutzt in den Bedingungen der sogenannten A-bis-Z-Garantie eine ähnlich schwammige Klausel wie Paypal. Wer auf dem Amazon-Marktplatz einkauft oder bei einem anderen Händler mit Amazon Pay bezahlt, kann sich auf die Garantie berufen. Amazon erstattet das Geld, wenn der der Artikel «wesentlich» von der Beschreibung abweicht, wenn die Ware kaputt oder beschädigt ist, nicht geliefert wurde oder falls ein Händler das Geld nach einer Retoure nicht erstattet.



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