Wiederverkauf von Waren 21.10.2019, 09:31 Uhr

Reselling: Wenn aus Retouren ein florierendes Geschäft wird

Deutsche Online-Händler werden von zurückgegebener Ware überschwemmt. Was tun mit den teuren Retouren? Ein Zauberwort heisst Reselling, und eine norddeutsche Firma macht es vor.
(Quelle: shutterstock.com/William Potter )
Für den Online-Handel sind Retouren ein Problem, Ralf Hastedt macht daraus ein florierendes Geschäft. Täglich bringen 15 bis 20 Lastwagen Waren zu seiner Handelsfirma Avides in das Dorf Hemsbünde zwischen Hamburg und Bremen. Vieles davon haben Verbraucher an grosse Versandhändler wie Amazon zurückgehen lassen, manchem Stück hätte die Entsorgung im Müll gedroht.
"Wir sehen uns als Lebenszyklenverlängerer", sagt Hastedt. Avides prüft die Waren, verpackt sie neu und bringt sie doch noch an die Frau oder den Mann. 10.000 bis 15.000 Notebooks, etwa 20.000 Fernseher, 300.000 Kleidungsstücke wandern jährlich über den Hof.
Beim Aufschwung des Online-Bestellens ging es in den ersten Jahren um ein garantiertes Rückgaberecht und sicheres Bezahlen für die Kunden. Nun geht es um die Flut der Retouren. Dabei ist die Ware meist völlig in Ordnung. Doch die Kunden bestellen drei Hosen verschiedener Grössen und lassen die zwei zurückgehen, die nicht passen. Oder die Wunschkamera findet sich billiger auf einem anderen Portal.

Jedes sechste Paket geht zurück

Jedes sechste Paket, jeder achte bestellte Artikel wurde 2018 laut der Studie Retourentacho der Universität Bamberg zurückgeschickt. Das waren 487 Millionen Artikel, die umsonst durch die Republik gekarrt wurden. Die Bearbeitung jedes Artikels kostete die Händler im Schnitt 11,24 Euro. "Das ist für die Umwelt übelst", sagt Hastedt über die Retouren, selbst wenn sie sein Geschäft sind. Die ökonomischen und ökologischen Kosten beschäftigen mittlerweile auch die Politik.
In den meisten Fällen verkaufen die Versandhändler die zurückgegebene Ware selber. Wenn aber Lagerung, Transport und Arbeit zu teuer werden, kommen sogenannte Reseller wie Avides ins Spiel. "Diese Dienstleister können durch bessere Auslastung die Fixkosten besser verteilen. Sie finden mit ihrem Fachwissen effizient andere Verwerter", sagt Björn Asdecker vom Forschungsschwerpunkt Retourenmanagement in Bamberg. "Ich betrachte das Geschäftsmodell eher positiv, weil man damit eine weitere Stufe der Verwertung hat."
Hastedt und sein Partner Christoph Burmester fingen 1997 an, im Netz CDs und DVDs zu verkaufen. "Wir waren Pioniere im Internet-Handel." 2000 gründeten sie eine AG, weil sie sich "von den Garagenfirmen abheben" wollten. 2002 stiegen sie ins Reselling (Wiederverkauf) ein. Seitdem ist Avides gewachsen, Filialen entstanden in Grossbritannien und Polen. 2017 machte die Avides Media AG mit 173 Mitarbeitern einen Umsatz von 54,2 Millionen Euro, so der Jahresabschluss.


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