Die fabelhafte Welt der Amazon Storefronts

Mangelnde Sichtbarkeit macht Storefronts für Händler in der Praxis nutzlos

Aktuell gibt es nämlich genau einen Weg, wie man auf die Storefronts kommt: Man muss die Pressemeldung gelesen oder den dazu passenden TV-Spot gesehen haben (der im Übrigen in den USA, in Grossbritannien und in Deutschland beinahe gleich aussieht) und die dort kolportierte Webadresse amazon.de/storefronts in die Browserzeile oder ins Google-Suchfenster eintippen. Nur dann gelangt man zu den Händlerportraits.
Auf der Amazon-Startseite konnten wir keinen Hinweis auf den neuen Sub-Shop entdecken. Auch unter den Kategorie-Reitern sind die Storefronts nicht zu finden, nicht mal unter "Alle Kategorien". Und noch unverständlicher: Sogar wenn man über die Suchleiste (oder über Google) gezielt nach einem Händler sucht, der eine Storefront hat, findet man nur dessen Produkte - aber keinen Verweis auf sein Händlerportrait. Lediglich über den Produktdetailseiten des aktuellen Werbegesichts, der Manufaktur Liebevoll aus dem brandenburgischen Erkner, findet sich ein kleiner Hinweis zu ihrer Storefront.
Sollte Amazon an der Sichtbarkeit seiner Storefronts also nicht noch nachbessern, liegt der Schluss nahe, den das britische Online-Portal proactiveinvestors.co.uk gezogen hat: Das neue Feature, so die Kollegen, nütze vornehmlich Amazon selbst. Denn die schön in Szene gesetzten Storefronts würden jene Händler dazu bewegen, ebenfalls auf Amazon zu verkaufen, die bisher vor der Anonymität des Marktplatzes zurückschreckten. Und nebenbei bessern die hübschen Bilder aus familiengeführten Manufakturen das Image des Marktplatzes etwas auf - da vergibt sogar der sonst eher kritische Mark Steier von Wortfilter das Prädikat "nett". Was die mitmachenden Händlern davon haben, ist fraglich - wenn der Kunde die Storefronts aufgrund der schlechten Sichtbarkeit einfach nicht entdeckt (weil er auf der Suche nach einem bestimmten Produkt kaum gezielt nach dem Interview des verkaufenden Händlers suchen dürfte), werden sie als reines Nice-To-Have kaum zum Geschäftserfolg beitragen.
Schade um die eigentlich "nette" (um das Adjektiv endgültig totzureiten) Idee - schliesslich hat Amazon unter anderem mit dem KMU-Förderprogramm "Unternehmer/innen der Zukunft" bereits bewiesen, dass sich PR-Erfolg für Amazon und wirtschaftlicher Erfolg für die als Zugpferd vorgespannten Händler nicht ausschliessen müssen. Mit den Siegern aus dem Förderprogramm platzierte Amazon auch viele positive Berichte in den einschlägigen Medien und Händlergruppen - und produzierte gleichzeitig noch eine ganze Schar an überzeugten Amazon-Jüngern, die von ihrem Geschäftserfolg auf Amazon schwärmen. Angesichts dieses Erfolgs muss man sagen: Die Storefronts hätten vielleicht auch ein bisschen mehr Mühe verdient gehabt.



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