Der Bitcoin wird 10 Jahre alt

Die weitgehend anonyme Digitalwährung

Zu den ersten, die von den Vorzügen einer weitgehend anonymen Digitalwährung profitieren wollten, gehörten Online-Kriminelle. Auf Untergrund-Marktplätzen wie Silk Road konnten mit Bitcoin unter anderem Drogen oder Waffen bezahlt werden. Zugleich zeichnete sich der Bitcoin schon in den ersten Jahren durch extreme Kursschwankungen aus, die Spekulanten anlockten. Anfangs konnte der Bitcoin-Preis von wenigen Euro auf mehrere Dutzend springen - und zurück. Später wurden daraus Schwankungen von mehreren hundert oder sogar tausend Euro.

Die öffentliche Aufmerksamkeit und die Endlichkeit der Ressource Bitcoin, von denen nur 21 Millionen Einheiten generiert werden können, lösten in den vergangenen Jahren einen regelrechten Goldrausch aus. Der Kurs schnellte immer weiter in die Höhe. Zu den Konsequenzen gehörte auch, dass der Grafikkarten-Spezialist Nvidia plötzlich mit Engpässen bei einigen Top-Modellen zu kämpfen hatte, die besonders effizient beim "Schürfen" der Bitcoin-Einheiten sind. Kriminelle Hacker, die heimlich Rechenleistung auf fremden Computern abzweigen, nutzen sie jetzt bevorzugt nicht mehr für den Massenversand zweifelhafter E-Mails, sondern zum Generieren von Bitcoin. Die ahnungslosen Nutzer können dafür mit höheren Stromrechnungen bezahlen.

Die Rechenleistung von Server-Farmen

Denn die Bitcoin-Produktion erfordert inzwischen nach dem von "Satoshi Nakamoto" vorgesehenen Verknappungs-System die Rechenleistung von Server-Farmen. Zum Beispiel in Island mit seinem billigen Geothermie-Strom entstand daraus eine ganze Industrie. Der Strombedarf des Bitcoin-Systems ist enorm. Die Rechen-Prozesse verbrauchten nach seriösen Kalkulationen bereits pro Tag so viel Strom, wie gut 12.000 Vier-Personen-Haushalte in Deutschland im ganzen Jahr benötigten.

Obwohl der Bitcoin in diesem Jahr rund zwei Drittel seines Werts verlor, ist die Goldrausch-Stimmung noch nicht verflogen: Schliesslich könnten nach Einschätzung von Experten erst in rund 20 Jahren alle erstellbaren Bitcoin generiert sein. Zugleich warnen Regulierer regelmässig vor Risiken für Verbraucher, die sich in den wechselhaften Bitcoin-Markt trauen.

Die Blockchain-Idee

Das technische Fundament des Bitcoin, die Blockchain-Idee, wird inzwischen auch von Banken sowie in vielen anderen Industrien von der Musik- bis zu Autobranche geprüft, um Prozesse abzusichern. Die Blockchain könnte auch Einzug in Behörden halten, um beispielsweise in einem Grundbuchamt die Übertragung von Grundstücken in eine Blockchain einzutragen. Dass Ketten-System sei zu aufwendig und langsam, warnen allerdings Kritiker. Befürworter entgegnen, dass die Probleme lösbar, aber die Sicherheitsvorteile gross seien. "Die Technologie steckt noch in den Kinderschuhen und muss zunächst ausreifen, indem sie für zusätzliche Anwendungszwecke weiterentwickelt wird", sagt Prof. Christoph Meinel, Direktor des Hasso Plattner Instituts der Universität Potsdam.

Goldgräberstimmung versus vorsichtiges Abwarten - jenseits des Hypes ist längst klar: Die Blockchain-Technologie wird auch den Handel spürbar verändern. Wir zeigen sechs Beispiele von Unternehmen, die an der Entwicklung Blockchain-basierter ­Lösungen arbeiten.



Das wird auch in der Branche so gesehen: "Blockchain kann revolutionieren, wie alle - Unternehmen, Regierungen, Organisationen, Menschen - zusammenarbeiten", schrieb die Investmentbank Goldman Sachs in einem Bericht. Denn sie biete einen einfachen und sicheren Weg, praktisch jede Art von Transaktion zu verifizieren. Das bedeutet auch: Durch die Speicherung der Kette an vielen Orten kann der Bedarf an zentralisierten Abwicklungsstellen entfallen, was das bisherige Geschäftsmodell vieler Firmen in Frage stellt.



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