Secondhand Online-Handel 06.01.2019, 11:33 Uhr

Recommerce: Mehr als eine Nische?

Die Dynamik im Online-Handel mit Secondhand-Artikeln ist gross. Die erfolgreichsten Anbieter im Bereich Recommerce wollen nun den Massenmarkt ins Visier nehmen.
(Quelle: Momox )
Die Wachstumsraten stechen selbst im E-Commerce-Kontext hervor: Um 24 Prozent konnte sich der Gebrauchtelektronik-Händler Rebuy 2017 auf einen Umsatz von 109 Millionen Euro steigern. Der auf Medien und Bekleidung spezialisierte Recommerce-Anbieter Momox legte um 27 Prozent auf 150 Millionen zu, und die Plattform für gebrauchte Designermode Rebelle weist zwar noch keine Umsatzzahlen aus, berichtet aber von jährlichen Wachstumsraten von 80 Prozent. Die Dynamik im Online-Handel mit Secondhand-Artikeln ist sichtlich gross. Damit lässt sich der Bereich kaum noch als Nische bezeichnen und steht kurz davor, Einzug in den Massenmarkt zu halten.
Momox zählt in Deutschland zu den Pionieren im Online-Secondhand-Bereich. Das Unternehmen wurde 2004 mit einem Schwerpunkt auf Büchern, CDs und DVDs gegründet. Mit einem sehr einfachen, ISBN- bzw. EAN-basierten Ankaufprozess konnten Momox und seine Plattform Medimops schnell eine gute Bekanntheit bei den Kunden erzielen. 2014 wurde das Unternehmen mit dem Shop Ubup.com ("Used but precious") auch im Modebereich aktiv. "Ubup ist signifikant anders als bisherige ­Secondhand-Modelle", erklärt dazu Momox-CEO Heiner Kroke. "Wir haben dafür ein Modell gesucht, das die gleiche Einfachheit bietet wie im Medienbereich.
Der Kunde muss nur sagen, um welche Marke und welches Bekleidungsstück es sich handelt, und erfährt dann, wie viel Geld er dafür erhält." Der Erfolg gibt Momox recht: Das Unternehmen kommt im Modebereich bereits auf einen Umsatz von 20 Millionen Euro. Von Gebrauchtmodemarktplätzen wie Kleiderkreisel oder Mädchenflohmarkt will sich Ubup absetzen. "Wir sehen uns als das Zalando für Secondhand. Wir bieten ein breites Sortiment und bequeme Rückgabemöglichkeiten", erklärt Kroke. "Unser Zielpublikum ist der typische Kunde, der vorher kein Secondhand gekauft hat und durch die Qualität unserer Waren überzeugt wird."

Marktplätze spielen eine grosse Rolle

"Secondhand kann den Sprung in den Massenmarkt machen": Sophie-Cécile Wickmann, Gründerin und Geschäftsführerin von Rebelle
Bei den Verkaufskanälen verfolgt Momox bei Medimops und Ubup unterschiedliche Strategien: "Wir verkaufen grundsätzlich präferiert über unsere eigenen Online-Shops. Bei Medien gibt es aber zusätzlich viele Möglichkeiten, über Marktplätze zu verkaufen. Bei Fashion gibt es dagegen nicht so viele Marktplätze, die gut skalieren." Zudem seien viele Modeplattformen gar nicht auf professionelle Verkäufer ausgerichtet, sodass Ubup seine Artikel ausser im eigenen Shop nur bei Ebay anbiete.
Eine andere Ausrichtung als Ubup verfolgt Rebelle. Die von der Hamburger Style Remains GmbH betriebene Plattform ist ein Marktplatz für Designermode. "Dafür gibt es nicht nur eine grosse Nachfrage, sondern es handelt sich auch um ein sehr preisstabiles Segment", erklärt Geschäftsführerin Sophie-Cécile Wickmann. Da die Markenhersteller im Premiumbereich meist ein vertikales Handelsmodell verfolgten und keine Waren an Multibrand-Shops lieferten, sei Rebelle auch eine der wenigen Anlaufstellen im Netz, wo Kundinnen markenübergreifend Designermode shoppen könnten. Rebelle tritt zwar selbst nicht als Händler in Erscheinung, bietet aber ein erweitertes Marktplatzmodell an. So können Kunden gebrauchte Kleidungsstücke entweder selbst verkaufen oder dafür den Concierge-Service der Plattform nutzen. "Die Kunden senden die zum Verkauf bestimmten Artikel an uns und müssen sich dann um nichts mehr kümmern. Dadurch haben wir einen ständigen Warenbestand - wenn auch keinen eigenen", so Wickmann.

Eigener Ankaufsservice

Immer wieder habe man bei Rebelle auch über einen eigenen Ankaufservice nachgedacht und wolle das für die Zukunft auch nicht ausschliessen. "Wegen der höheren Margen ist das durchaus spannend. Aber was viel Marge bringt, ist meistens auch kein Selbstläufer." Selbst bei schnelldrehenden Waren würde der Aufbau eigener Bestände viel Kapital binden. Zudem sei der Ankauf von Mode schwieriger als etwa von Medien oder Elektronik, weil es dafür keinen Unique Identifier gebe, der es einfach mache, den passenden Preis für ein Produkt zu bestimmen.
Beim Verkauf setzt Rebelle bisher ganz auf die eigene Plattform, will sich aber auch anderen Kanälen nicht verschliessen. "Künftig planen wir, auch andere hochwertige Marktplätze zu testen und zu schauen, ob uns ein zusätzlicher Kanal auch zusätzlichen Umsatz bringt. Auch Ebay könnte für Produkte mit nicht so hohen Preispunkten Sinn machen", so Wickmann. Grossen Stellenwert hat für Rebelle die Expansion ins Ausland. Der Anteil der grenzüberschreitenden Transaktionen liegt auf der Plattform bei 72 Prozent. Mit einer Webseite in sechs Sprachvarianten sowie einem Mitte 2018 abgeschlossenen Media-for-Equity-Deal mit dem italienischen Mediaset-Konzern treibt Rebelle diese Entwicklung aktiv voran.


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