Digitalisierung 07.06.2016, 11:15 Uhr

Unsicherheit ist aufregender

Viele Unternehmen diskutieren lieber über Digitalisierung, als einfach loszulegen. Der Zukunftsforscher Micael Dahlen erläutert, warum Sicherheitsdenken besser abgelegt werden sollten.
(Quelle: Brian A Jackson / Shutterstock.com)
Micael Dahlen
Micael Dahlen: Professor an der Stockholm School of Economics
Micael Dahlen, Professor an der Stockholm School of Economics, ist ein weltweit gefragter Zukunftsforscher. Er war Referent bei so namhaften Unternehmen wie Apple, Google oder Samsung.  Mit com! professional sprach er über die Folgen der Digitalisierung und darüber, warum die Unternehmen ihr Sicherheitsdenken besser ablegen sollten.
com! professional: Die meisten Unternehmen kämpfen derzeit mit der digitalen Transformation. Was sind die grössten Fehler, die sie dabei machen?
Micael Dahlen: Zum einen, dass sie es als Kampf ansehen, zum anderen, dass sie den Vorgang als digitale Transformation betrachten. Das ist, als würde ich mein Leben in das digitale Zeitalter übertragen wollen. Das passiert aber ohnehin, ob sie es wollen oder nicht. Also: Sie sollten nicht kämpfen, sondern einfach loslegen.
com! professional: Was heisst das genau? Welche Herausforderungen müssen sie annehmen?
Dahlen: Man könnte dies unter „Grenzenlosigkeit“ zusammenfassen. Es gibt keine klaren Grenzen mehr zwischen Ontime und Offtime, zwischen Arbeit und Vergnügen, zwischen Kollegen und Kunden. Je intensiver sich Unternehmen darum bemühen, das alles kontrollieren zu wollen – beispielsweise über Arbeitszeiten, über Regelungen, über die Freiheiten für ihre Kunden –, umso härter wird ihnen diese Entwicklung auf die Füsse fallen.
com! professional: Marketer sind derzeit vor allem von der Frage beunruhigt, was der nächste heisse Trend ist. Müssen sie lernen, mit dieser Unsicherheit zu leben?
Dahlen: Ja, sie müssen sie sogar lieben. Wo bitte ist der Spass bei der Sicherheit? Unsicherheit ist viel aufregender. Und ausserdem erfordert sie besser ausgebildete und härter arbeitende Marketingmanager, was dem Marketing nur guttut.
com! professional: Werden eines Tages Computer diesen Ma­nagern sagen, was sie zu tun haben?
Dahlen: Wenn Computer den Managern sagen könnten, was sie tun müssen, dann könnten sie gleich den ganzen Job erledigen. Wenn Manager aber hart an sich arbeiten und sich kontinuierlich weiterbilden, ist es wahrscheinlicher, dass sie den Computern sagen, was sie zu tun haben. Das Schwierige ist nur, zu entscheiden, was man ihnen vorgibt.  
com! professional: Welche Trends werden das Marketing der Zukunft prägen? Wird Mobile zum Zen­trum aller Aktivitäten?
Dahlen: Drehen Sie die Frage doch einfach um: Der stationäre PC wird sicher nicht im Mittelpunkt stehen. Die Menschen sind mobil, das ganze Leben ist mobil, wie könnte das Marketing nicht mobil sein?



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