re:publica 2019 08.05.2019, 07:40 Uhr

Europas grösstes Digitalfestival widmet sich dem Kleingedruckten

Bei der dreizehnten Ausgabe der re:publica dreht sich in Berlin wieder alles rund um das Thema Digitalisierung. Europas mittlerweile grösste Digitalkonferenz findet unter dem Motto „too long: didn’t read“ („tl;dr“) statt.
Europas grösstes Digitalfestival ist eröffnet
(Quelle: Jan Michalko/re:publica)
Neben der Demokratisierung des Netzes, fairen Wettbewerb, Plattformökonomie, KI, Datenschutz, Urheberrecht und die Zukunft der Arbeit wird heuer auch ein Schwerpunkt im Bereich Nachhaltigkeit und Klimaschutz gesetzt. Das Programm bietet auf 27 Bühnen über 500 Sessions mit über 1000 Speaker. Die re:publica 2019 und die begleitende Media Convention Berlin (MCB) finden unter dem Motto "tl;dr" statt. Das Akronym steht für „too long; didn’t read“.
Damit ist die dreizehnte Ausgabe der Veranstaltung dem Kleingedruckten gewidmet. Den Fussnoten. Der Kraft der Recherche, dem Wissen und der Kontroverse. Der Notwendigkeit und Dringlichkeit, die Themen kritisch zu hinterfragen, die polarisieren, uns spalten – oder auch vereinen. Im Hinblick auf die kommenden EU-Wahlen geht es um Fake News und auch die vermeintlich demokratiegefährdende Marktmacht der Internetgiganten.

Eröffnung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Bei der dreizehnten Ausgabe wurde der Veranstaltung eine besonder Ehre zu teil: Mit Frank-Walter Steinmeier hielt erstmals ein deutscher Bundespräsident die vielbeachtete Eröffnungsrede auf der Hauptbühne. Wegen dem grossen Andrang wurde der Einlass kurzzeitig gesperrt und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mussten auf eine nahe gelegene Liveübertragung ausweichen. Auch er thematisiert Facebook, Twitter, Google und Co. und forderte die Plattformen auf, endlich zu handeln. 
"Weder Telegramme noch Tweets können aus sich heraus die Demokratie zersetzen", betonte Steinmeier. Dringend erforderlich ist eine gemeinsame "politische Debattenkultur" im Internet zu finden, die derzeit dazu neigt, "toxisch" zu werden. Solange Fake News und gut recherchierte Information unterschiedslos in unseren Feeds auftauchen, solange werde es Populisten und Polemikern zu leicht gemacht. "Wir brauchen glasklare Herkunftssiegel für Informationen - und das vor allem, wenn es um politische Werbung geht", so Steinmeier. Er beendet seine Rede mit dem Statement, dass nicht die Demokratie digitalisiert gehört, sondern die digitale Welt demokratisiert.
Neben weiterer Politprominenz aus Deutschland wird auch EU-Wettbewerbskommisarin Margrethe Vestager erwartet, die am letzten Tag des Festivals über "Fairness and Competitiveness in a Digitised World" referieren wird.
Keynotes und Diskussionen auf Stage 1 und Stage 2 werden übrigens live im Internet übertragen.

Österreichische Speaker

Speaker aus Österreich sind vor allem am heutigen ersten Tag der re:publica vertreten. Unter anderem wird die Journalistin Journalistin und Autorin Ingrid Brodnig erwartet, die auf Stage 2 über Humor in politischen Debatten spricht. Am Nachmittag des ersten Tages nimmt Falter-Chefredakteur Florian Klenk an einem Panel unter den Titel "Ist das gerade wirklich das Thema?! Relevanz in digitalen Zeiten" teil. Am Abend stellt die ehemalige Nationalratsabgeordnete Sigrid Maurer ihre Erlebnisse rund um sexistische Anfeindungen im Internet und den skurrilen Prozess der Causa Craft-Beer-Shop vor. 
Am zweiten Tag, am 7. Mail hält die Journalistin Barbara Wimmer einen Vortrag zum umstrittenen Algorithmus des AMS. Dieser teilt seit einiger Zeit Arbeitslose in Österreich in verschiedene Kategorien ein.


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