So wichtig ist bei Videospielen der Sound

Musikgenre muss zur Geschichte des Spiels passen

Die Spiele des unterfränkischen Unternehmens spielen Gamer in Europa wie in den USA und Asien. Sprache, Werbetrailer und Verpackungen passt das Unternehmen regional an. Aber die Musik ist überall gleich.
Die erzählten Geschichten sind vielfältig: Dramen, Komödien, Abenteur. Es gibt Strategiespiele und Rollenspiele, Action-Spiele und einfach «Casual Spiele». Manche Spiele entspannen, andere regen zum Lernen an, wieder andere sollen unterhalten.
Persönlichen Vorlieben darf Kalkau dabei keinen Raum geben: Mal komponiert er ein Familienspiel über Schäfchenwolken (Popmusik), mal eine Geschichte über Widerstand im Dritten Reich (dezente Streicher-Caféhaus-Musik), mal ein Schachspiel (nur Geräusche). Dann ein im Mittelalter verortetes Strategiespiel (Folk mit Harfen und Lauten) und ein Spiel mit Drachensteigen (Reggae). Salsa, Klassik, Drum'n'Bass - alles kam schon vor. Nur kein Schlager. «Dabei höre ich privat am liebsten Progressive Rock und Jazz», sagt der 38-Jährige.
Für die Kompositionen lässt sich Kalkau von anderen Musikern und Spielen inspirieren. Aber nicht zu stark, wie er sagt. Genau das sei die Herausforderung: Etwas Eigenes schaffen, das doch so bekannt klingt, dass der Spieler damit direkt eine Emotion verbindet. Dabei profitiert Kalkau von eigener Erfahrung: «Früher habe ich ein bisschen gezockt», sagt er. Heute fehle ihm die Zeit.

Grosses Repertoire an Geräuschen

Kalkau spielt alles auf dem Keyboard ein. Und zwar alle Instrumente, egal ob Schlagzeug, Gitarre oder Harfe. Durch digitale Technik lässt sich jedes Instrument täuschend echt nachahmen. Für die richtigen Soundeffekte geht der Musiker auch mal auf einen Bauernhof oder blubbert mit einem Strohhalm in Wasser. Manchmal greift Kalkau auf Geräuschbibliotheken zu. «Wir können hier ja keine Panzer auffahren lassen, um sie aufzunehmen.»
Inzwischen können die Sounds in hoher Qualität wiedergegeben werden. «Früher musste alles auf eine Tonspur passen, heute kann ein einfaches Handy ein ganzes Orchester verarbeiten», sagt Kalkau.
Verändert hat sich ebenfalls, dass der Unterfranke sich mit anderen Gamesound-Designern austauschen kann. Auf die Frage nach einem Berufsverband lacht er nur - die Berufsgruppe sei noch viel zu klein. Aber sie gewinnt an Renommee. Symphonieorchester führen ihre Soundtracks auf. Und Kalkau darf Grössen wie Paul McCartney und Hans Zimmer Kollegen nennen. Auch sie haben schon Videospiele komponiert. Von Vanessa Köneke, dpa



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