Amazon versus Google: Kraftprobe der Giganten

Amazon fordert Google bei Werbeanzeigen heraus

Amazon ist über die letzten Jahre nicht nur zu einem überpräsenten Marktplatz herangewachsen, sondern zugleich eine autonome Produktsuchmaschine geworden. So war es nur eine Frage der Zeit, bis das Unternehmen auch seine letzte ­Abhängigkeit beendete. Mit dem Ausstieg bei den Google-Anzeigen vor gut ­einem Jahr nahm Amazon dem Kontrahenten nicht nur Einnahmen weg, der Marktplatz wurde zugleich zum Konkurrenten.
Denn seither bietet Amazon seinen Kunden die Möglichkeit, Produkte, Marken oder den Shop über seine Suche zu bewerben. Auch wenn Google hinsichtlich der Technologie und Erfahrung meilenweit voraus zu sein scheint, holt Amazon kräftig auf. Der Marktplatz bietet heute wie Google Echtzeit-Bidding für ­alle Anzeigenformate - vor einem Jahr war dies kaum abzusehen.
"Wenn man von zielgruppengenauem Targeting im E-Commerce-Kontext spricht, bietet Amazon ­sicherlich den grössten Datenschatz und beste Möglichkeiten, vergleichbar mit dem, was man auf Facebook oder Whatsapp for Business machen kann", erklärt Ralph Hübner, Sector Principal von Hampleton Partners. Doch die Mutter aller Suchmaschinen steckt auch hier nicht zurück.

Vorteil: Kaufdaten

Während Amazon ein Online-Marktplatz ist, fehlen Google bislang die Sammelpunkte für Kaufinteressenten. Unter diesem Gesichtspunkt ergibt es noch viel mehr Sinn, dass Google Tools und Produkte wie Google Search und Maps oder Gmail und YouTube über ein Benutzerkonto zusammenführt. Denn so lassen sich für jeden User auf Kategorieseiten wie News, Shopping oder Travel Ange­bote präsentieren und bewerben.
Google bewegt sich damit in einem viel weiteren Feld als Amazon und treibt das Prinzip zurzeit weiter auf die Spitze: Denn mit dem neuen Google Shopping will die Suchmaschine sogar den lokalen Händler mit dem Online-Kunden zusammenbringen. In den USA sollen die optimierten Shopping Ads noch in diesem Jahr starten. Über diese können User dann nicht nur bei Online-Händlern, sondern auch direkt bei Google bestellen und bezahlen. Auch die lokale Produktverfügbarkeit lässt sich dann prüfen.
"Damit haben Händler die Möglichkeit, Nutzern, die in ihrer Nähe Google-Suchanfragen ausführen, Informationen zu ihren Artikeln und ihrem Geschäft zu präsentieren“, erklärt Oliver Heckmann, Leiter der Entwicklung von Shopping Ads bei Google. Unabhängig davon kann beim Online-Kauf auch die Abholung vor Ort vereinbart werden.
Die DACH-Region wird von dem Angebot nicht profitieren können. Denn die ­neuen Shopping Ads von Google sind für den deutschsprachigen Raum vorerst nicht geplant. Auf der anderen Seite gilt es aber auch bei Amazon ­abzuwarten, meint Strategie-Experte Hübner: "Wir werden die nächsten zwei Jahre immer nur über eine Momentaufnahme sprechen, bis sich das System eingeschwungen hat. Eine grosse Frage wird aber sein, wie gleichberechtigt man Werbung auf Amazon schalten kann."
Und während auf dem einen Schlachtfeld Geduld gefragt ist, legen die Rivalen auf einem anderen härtere Bandagen an. Denn Google dringt in ein Territorium vor, in dem sich Amazon bisher frei entfalten konnte: das der Smart Speaker.




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