D2C-Offensive 03.11.2020, 05:09 Uhr

Dr. Oetker übernimmt Flaschenpost.de

Es ist vermutlich der Super-Deal des Jahres: Die Dr. Oetker Gruppe hat den Getränkelieferdienst Flaschenpost.de übernommen und sich damit den direkten Zugang seinen Kunden gesichert. Der Kaufpreis soll unbestätigten Medienberichten zufolge bei 1 Mrd. Euro liegen.
Flaschenpost liefert bestimmt bald auch alle Dr.-Oetker-Produkte
(Quelle: Flaschenpost.de)
Sensationeller Exit für Flaschenpost: Rund vier Jahre nach der Gründung hat der deutsche FMCG-Hersteller Dr. Oetker den Getränkelieferdienst übernommen. Das bestätigte ein Sprecher von Dr. Oetker gegenüber der "Münsterschen Zeitung". Wie Deutsche-Startups.de, OMR.com und der Investor Sven Schmidt exklusiv in einem gemeinsamen Podcast vermelden, soll der mittelständische Konzern, zu dem unter anderem Biermarken wie Radeberger, Clausthaler, Schöffelhofer, Berliner Kindl oder Ur-Krostitzer zählen, für den direkten Zugang zu den Flaschenpost-Kunden eine Milliarde Euro bezahlt haben. Diese Summe bestätigte der Unternehmenssprecher allerdings nicht. Einzelheiten zu der Übernahme will Oetker am Montag mitteilen. 
Das Bemerkenswerte an dem Deal ist: Ursprünglich wollte Dr. Oetker Flaschenpost mit einem eigenen Getränkelieferdienst in die Parade fahren, nachdem erste Übernahmeverhandlungen im Jahr 2017 scheiterten. Als Tochter der Radeberger Gruppe zeigte der Konkurrent Durstexpress zuletzt einen starken Expansionswillen, kam aber auf eigene Faust offenbar nicht schnell genug voran. Immerhin arbeiten heute inklusive Fahrern und Lagermitarbeitern 7.000 Menschen für Flaschenpost, wie CEO Stephen Weich erst im Juli im OMR-Podcast erzählte.

Oetker zahlte das Dreifache des Umsatzes für ein Start-up, das monatlich noch 2,5 Millionen Euro Miese schreibt

Aktuellere Zahlen kennt Investor Sven Schmidt: Demnach hat Flaschenpost im Oktober 27 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Hochgerechnet auf zwölf Monate entspräche dies einer Runrate von 320 Millionen Euro. "Anders ausgedrückt zahlt die Oetker Gruppe ungefähr das Dreifache des Umsatzes", erklärt Schmidt im OMR-Podcast. Dabei habe Flaschenpost eine Deckungsbeitragsmarge von 50 Prozent. "Der Innenumsatz sind also 160 Millionen", rechnet Schmidt vor. Damit zahle die Oetker Gruppe etwas das Sechsfache des Innenumsatzes. Allerdings verzeichne Flaschenpost noch immer monatlich einen negativen Cash-Flow von 2,5 Millionen Euro. 
Beeindruckend ist die Wachstumsstory des Münsteraner Start-ups. Laut Schmidt hat sich der Umsatz von 2018 auf 2019 und von 2019 auf 2020 jeweils verdreifacht. "Das ist also ein exponentielles Wachstum auf sehr hohem Niveau", sagt Schmidt. Das Geschäft - und letzten Endes wohl auch den Vertragsabschluss mit Dr. Oetker - habe dem Investor zufolge auch Corona und der ab morgen erneut beschlossene Lockdown light befeuert. Die Menschen hätten sich während des ersten Lockdowns daran gewöhnt, ihre Getränke von Flaschenpost.de liefern zu lassen - und dieses Verhalten auch nach der Wiedereröffnung der Geschäfte beibehalten.



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