Wirtschaft 12.03.2020, 11:40 Uhr

Coronavirus: Lieferengpässe in Industrie und Handel

Deutschland ist Exportweltmeister - doch kaum ein deutsches Produkt wird noch zur Gänze aus in Deutschland gefertigten Teilen hergestellt. Das ist in der Coronakrise ein Problem, die Folgen für Industrie und Handel sind immens.
(Quelle: shutterstock.com/No-Mad)
Die Folgen der Coronavirus-Epidemie in China werden in den nächsten Wochen verstärkt Deutschlands Industrie und Handel treffen. Da viele chinesische Fabriken über Wochen stillstanden und auch derzeit nur eingeschränkt arbeiten, fehlen Vorprodukte, Teile oder komplette Erzeugnisse, die hierzulande verarbeitet beziehungsweise verkauft werden.
Betroffen ist unter anderem die Elektronikbranche. Gestört sind nicht nur Importe, sondern auch Lieferungen nach China. Eigentlich wollten die EU-Handelsminister am Donnerstag über das Thema beraten, doch das Treffen ist abgesagt. Die durchschnittliche Transportdauer von China nach Europa auf dem Seeweg beläuft sich auf sechs Wochen, über Land per Güterzug auf der Neuen Seidenstrasse sind es etwa drei Wochen. Daher schlagen die Auswirkungen des chinesischen Coronastillstands nun mit Verzögerung auf Produktion und Handel in Europa durch.

Störungen in den Liefer- und Produktionsketten

Mit Importen von 52 Milliarden Euro sei China der "mit Abstand grösste ausländische Lieferant für den deutschen Elektromarkt", sagt Andreas Gontermann, der Chefvolkswirt des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). "Die Lieferschwierigkeiten betreffen die Branche nicht flächendeckend", sagt er. "Etliche Unternehmen berichten aber über Störungen in den Liefer- und Produktionsketten."
Gontermann beziffert das Volumen der aus China nach Deutschland gelieferten Vorleistungsprodukte auf einen Wert von zehn Milliarden Euro im Jahr. "Wie viel davon liefergefährdet ist, lässt sich schwer abschätzen", sagt Gontermann. Und damit ist es noch nicht getan: "Hinzu kommt, dass Vorleistungen aus anderen Ländern ebenfalls chinesische Vorleistungen enthalten können", erklärt er. So laufen auch die japanische und die südkoreanische Wirtschaft derzeit nur gebremst, beide Länder sind sehr wichtig für die Elektronikbranche.
Auch die Verbraucher werden aller Voraussicht nach die Auswirkungen in den Elektromärkten spüren. "Aktuell lassen sich noch keine Lieferengpässe durch die Restriktionen des Coronavirus feststellen, derzeit rechnen wir für April mit ersten möglichen Lieferengpässen und steigenden Wareneinstandspreisen", sagt Alexander Maier, Senior Vice President bei Ingram Micro, einem im Münchner Vorort Aschheim ansässigen Grosshändler für Elektro- und Elektronikerzeugnisse. "Wir arbeiten aktuell an Strategien, um auf diese Auswirkungen schnell reagieren zu können und unseren Kunden auch weiterhin die bestmögliche Warenverfügbarkeit zu bieten."


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