So schlägt sich die Blockchain in der Praxis

Smart Contracts

Ebenso wie in anderen Branchen können zudem auch im HR-Bereich Smart Contracts Verwendung finden: «Ein solcher Vertrag automatisiert Abläufe. Das kann die Auszahlung des Honorars für einen Freelancer oder einer Prämie für einen festangestellten Mitarbeiter sein, sobald ein Projekt abgeschlossen wurde», erläutert Sonja Pierer.
Ein Smart Contract wird in Software gegossen. Sobald ein Passus einer Vereinbarung erfüllt ist, wird automatisch eine damit verknüpfte Aktion ausgeführt, zum Beispiel die Bezahlung des Auftragnehmers.
Dass Blockchain das Personalwesen auf den Kopf stellen wird, ist nach Einschätzung der Expertin aber nicht zu erwarten: «Die Technologie ist kein Ersatz für professionelle Auswahlverfahren im Bereich Human Resources. Denn die Daten in einer Blockchain geben keinen Aufschluss darüber, welche ‹Soft Skills› ein Bewerber zu bieten hat.» Dazu gehören kommunikative und soziale Kompetenzen, beispielsweise die Fähigkeit, im Team zu arbeiten. «Ob ein Bewerber oder Freelancer über solche Kompetenzen verfügt, lässt sich am besten mit herkömmlichen Methoden ermitteln.»
Praxistipps für Blockchain-Projekte
Basierend auf den Erfahrungen, die GS1 Germany im Rahmen eines Versuchs mit der Verwaltung von Paletten per Blockchain sammelte, hat die Firma Praxistipps erarbeitet. Sie sollen Unternehmen helfen, eigene Projekte mit der Technologie zu starten.
Anwendungen kritisch prüfen: Blockchain um der Technologie willen einzuführen, ist nicht sinnvoll. Vielmehr sollten Nutzer kritisch prüfen, ob das Verfahren zum Anwendungsfall passt. Das heißt, es muss sich ein Nutzwert ergeben.
Individuelle Anforderungen und Funktionen erarbeiten: Eine Standard-Blockchain für alle Anwendungsfälle gibt es nicht. Anwendungen, Prozesse und die Technologie müssen individuell aufeinander abgestimmt werden. Das kann durchaus mit einem erheblichen Aufwand verbunden sein.
IT-Kosten ermitteln: Laut GS1 Germany können auch IT-technisch weniger Versierte eine Blockchain aufsetzen, etwa einen Multichain-Knoten auf Open-Source-Basis. Zudem ist zu prüfen, ob aus Kostengründen nicht Cloud-Plattformen genutzt werden sollen. Nach den Erfahrungen des Tests sind die IT-Kosten allerdings im Vergleich zu anderen Aufwendungen relativ gering, etwa für die Abstimmungsprozesse mit den anderen Nutzern.
Qualität und Verfügbarkeit der Daten sicherstellen: Wie auch in anderen Bereichen, etwa Machine Learning und KI, muss die Datenbasis stimmen. Ohne qualitativ einwandfreie und vollständige Daten keine gute Blockchain.
Testen, testen, testen: Vor dem Produktiveinsatz sind umfangreiche Tests notwendig. Gerade für Unternehmen mit einer kleinen IT-Abteilung empfiehlt es sich, dafür externe Fachleute mit ins Boot zu nehmen.
Synergien nutzen: Die Anbindung an andere IT-Systeme, etwa ERP- und Supply-Chain-Managementlösungen, schafft einen Mehrwert. Die Voraussetzung dafür sind jedoch Standards, etwa bei den Datenformaten.
Governance und Partnerschaften nicht vernachlässigen: Es muss klar sein, welche Nutzer welche Berechtigungen haben und wer an der Blockchain teilnehmen darf. Außerdem muss eine «kritische» Masse an Partnern respektive Teilnehmern vorhanden sein.
Schutz sensibler Informationen: Nicht in jedem Fall möchten Nutzer einer Blockchain, dass andere Teilnehmer allzu tiefe Einblicke in Geschäftsinformationen erhalten. Daher muss im Vorfeld ermittelt werden, welche Daten für andere einsehbar sind. So kann ein Unternehmen Transaktionsdaten nur für bestimmte Partner offenlegen.
Transparenz auf technologischer Ebene sicherstellen: Das heißt beispielsweise, Datenformate und Schnittstellen zu definieren, mit denen Beteiligte einer Blockchain arbeiten können.
Mitarbeiter mitnehmen: Ähnlich wie bei Künstlicher Intelligenz haben Mitarbeiter oft Angst vor neuen Technologien. Sie fürchten, dass ihre Arbeitsplätze in Gefahr geraten. Daher sollten Beschäftigte in Projekte eingebunden werden. Dies umso mehr, als durch diese Technologie bekannte Abläufe wegfallen.
Neutrale Instanzen etablieren und Vertrauen schaffen: Zumindest in der ersten Phase eines Projekts empfiehlt sich die Einbindung von Intermediären. Sie moderieren Abstimmungsprozesse und Interessenskonflikte zwischen den Teilnehmern.
Netzwerkzugang prüfen: Eine Blockchain-Plattform funktioniert nur dann, wenn allen Beteiligten gleichermaßen ein flächendeckender Breitband-Internetzugang zur Verfügung steht. Das heißt beispielsweise im Logistikgewerbe, dass ein lückenloses Mobilfunknetz auf Basis des 4G- und künftig 5G-Standards vorhanden ist. Das ist in Deutschland nicht der Fall. Werden Paletten oder Container im Inneren von Gebäuden platziert, etwa in einer Lager- oder Fabrikhalle, nutzen auch Mobilfunknetze wenig. Dann müssen Partner auch über das unternehmensinterne Netz eines anderen Nutzers auf Daten zugreifen können.




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