Cloud Computing 02.12.2020, 11:06 Uhr

Amazon-Tochter AWS verändert Geschäftsstrategie

Die Cloud-Tochter AWS ist eine unersetzliche Goldgrube für Amazon-Chef Jeff Bezos. Damit das so bleibt, zieht AWS-Chef Andy Jassy alle Register und wirft sogar einst eherne Grundsätze über den Haufen.
(Quelle: Fotolia.com/bluebay2014)
Am Ende konnte sich auch der Marktführer der Dynamik des Corona-getriebenen Marktes nicht mehr entziehen. AWS, die Tochter für Cloud Computing des Online-Riesen Amazon, wird alten Grundsätzen untreu.
Statt reiner Online-Dienste wird in Zukunft nicht nur zusätzlich Hardware an die Kunden verkauft, sondern auch Software, die diese in ihren eigenen Rechenzentren betreiben können. Damit haben sie dann die gleiche Software bei sich im Unternehmen, die sie in der Cloud hätten mieten können und sollen.
Der Markt fordert allerdings derzeit etwas anderes. AWS-Chef Andy Jassy präsentierte zwei wichtige Offline-Dienste, "ECS Anywhere" und "EKS Anywhere", im Rahmen der Eröffnungsrede zur Hausmesse re:invent, die dieses Jahr erstmals ausschliesslich online stattfindet.
Die AWS-Server ("Outpost", Aussenposten, genannt) mit einer Art Kopie der AWS-Cloud an Bord werden schon seit 2019 bei Kunden aufgestellt. Mit den neuen Diensten lassen sich nun Anwendungen für Cloud und Rechenzentrum gleichzeitig verwalten und betreiben.

Auf dem Weg zum klassischen IT-Anbieter

"AWS wird immer mehr zu einem klassischen IT-Anbieter wie IBM, Oracle oder HP-Enterprise", fasst Analyst Holger Müller von Constellation die Entwicklung zusammen. Damit räumt AWS-Chef Jassy auch ein, dass IBM, Google und Microsoft Recht hatten, als sie ihre Entwicklungen frühzeitig auf eine neue "Multicloud" und "Hybridcloud"-Welt ausgerichtet haben. Hier verteilt ein Kunde seine gesamte IT auf die Dienste vieler Cloudanbieter, statt nur einen zu beauftragen. Jassy war diesen Weg nur zögerlich gegangen. AWS wollte seine Kunden gerne allein haben.
Da aber vor allem IBM mit dem Konzept erfolgreich war, musste AWS handeln. Die Corona-Pandemie hat nicht nur insgesamt die Abwanderung von Unternehmen und Institutionen weltweit in die Cloud beschleunigt, sondern zugleich in die Multi- und Hybridcloud-Welt. Auch wenn jeder IT-Vorstand gerne einen sauberen Schnitt machen und den kompletten Umstieg in die Cloud vollziehen würde, es ist oft einfach nicht finanzierbar. Teilweise sprechen auch gesetzliche Anforderungen gegen eine Cloud. In manchen Ländern müssen Daten, etwa personenbezogene Daten, im Land gehalten werden. Und weder AWS noch die Konkurrenz haben überall eigene lokale Datencenter stehen.
Hier heisst es Kompromisse schliessen und Teile der Aufgaben weiter in vorhandenen Rechenzentren zu betreiben. Vorzugsweise langsamere Aufgaben wie etwa eine Lohnabrechnung einmal im Monat. Da werden keine hyperschnellen Cloud-Computer gebraucht. Aber die gesamte Software, oft im Unternehmen massgeschneidert programmiert, soll natürlich aus "einem Guss" sein. Damit werden Installationen und Wartungen billiger und effizienter. Das ermöglicht die Kooperation von AWS mit der "Cloud on Premise", der Cloud im eigenen Keller.


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