Telekom gründet Tochterfirma emetriq

"Der Pool ist kein reiner Vermarkterpool"

Von Ingrid Schutzmann
Welche Ziele verfolgt Emetriq?
Daniel Neuhaus: Wir haben zwei Ziele. Zum einen Kooperation: Unsere Partner bringen ihre Nutzerdaten in einen Pool - die Intelligent Data Alliance (IDA) - ein und profitieren von der dadurch entstehenden grösseren Datenmenge. Zum anderen sehen wir uns als 'Enabler'. Indem wir diesen Datenpool segmentieren und an die Vermarkter zurückspielen, wird das Targeting einheitlich. Jeder Vermarkter behält die Hoheit über seine Kundenbeziehungen und kann eigene Geschäftsmodelle entwickeln. Bei uns kann man keine Kampagnen buchen. Emetriq besitzt selbst keine Daten, sondern verwaltet die Datenallianz. Und wir sind dafür zuständig, neue Partner zu akquirieren. Unsere Aufgabe ist, sicherzustellen, dass der Datenpool gross genug ist.
Daniel Neuhaus, CEO von emetriq
Quelle: Interactive Media
Wie sieht so ein Datensatz genau aus?
Neuhaus: Wir unterscheiden zwei Kategorien: User-Declared Daten und Nutzungsdaten. User-Declared-Daten sind beispielsweise Geschlecht, Postleitzahl (verkürzt) oder Altersgruppe. Wir erheben nicht das genaue Alter eines Nutzers, sondern bündeln diese Angabe in Altersgruppen. Nutzungsdaten beziehen sich auf die Bewegungsmuster im Web, zum Beispiel welche Artikel gelesen wurden. Mittels semantischer Analysen reichern wir diese Daten weiter an. Nutzungsdaten spielen eine grosse Rolle, wenn es um die Zuordnung von User in Zielgruppen geht, also von Nutzern, die sich in ihren Interessen ähneln. Dafür ist es wichtig, eine sehr grosse Anzahl an Nutzungsdaten zu haben.
 
Bislang sind acht Vermarkter Partner von emetriq. Wen möchten Sie zusätzlich für diese Datenkooperation gewinnen?
Neuhaus: Der Pool ist kein reiner Vermarkterpool. Wir sind offen für Werbungtreibende. Ihnen bieten wir einen geschützten, eigenen Datenbereich an. Sie können einen Teil ihrer Daten auf Wunsch in den allgemeinen Pool geben, müssen das aber nicht tun.
 
Warum sollte ein Unternehmen dem Datenpool beitreten?
Neuhaus: Die Daten eines einzelnen Vermarkters reichen für hochwertiges Targeting nicht aus. Auch Werbungtreibende geraten in eine immer stärkere Abhängigkeit von einigen wenigen, grossen US-Unternehmen, die eine sehr grosse Menge an Nutzerdaten haben. Wer beispielsweise über Facebook wirbt, hat selbst keine Daten über die Nutzer, auch wenn es sehr effektiv ist.
 
Wie rechnen Sie mit den Partnern der Intelligent Data Alliance ab?
Neuhaus: Die Partner integrieren Codes in ihre Webseiten. Immer wenn ein Seitenaufruf, ein sogenannter 'Request', stattfindet, werden Nutzungsdaten an den Datenpool übertragen. Abgerechnet wird monatlich pro Request. Wir bieten auch spezifische Segmentierung als Individualdienstleistung an. Dies wird entweder über einen Tausend-Kontakt-Preis oder einen Fixpreis abgerechnet.
 
Wie viel zahlen die Partner im Monat für die Teilnahme am Datenpool?
Neuhaus: Diese Zahlen nennen wir nicht - können wir auch nicht, denn der Wert variiert durch die Menge und unterliegt monatlichen Schwankungen.
 
Auf was achten Sie bei der Akquise neuer Partner?
Neuhaus: Gemeinsam mit den Gründungsmitgliedern der Intelligent Data Alliance haben wir Regeln festgelegt. Wir nehmen nicht unbedingt jeden als Partner auf. So achten wir beispielsweise darauf, dass die Menge und Qualität der Daten, die ein potenzieller Partner einbringen kann, einen nachhaltigen Mehrwert für alle Teilnehmer des Pools stiftet.
 
Was passiert mit AdAudience und xplosion interactive?
Neuhaus: Beide werden ihre Geschäfte wie gehabt weiterbetreiben. AdAudience bringt seine und die Daten seiner Gesellschafter in den Pool der IDA ein und nutzt diesen für seine individuellen Targetingprodukte. Das Vermarktungsportfolio der AdAudience bleibt bestehen.
 
Welche Technologie nutzt emetriq?
Neuhaus: emetriq basiert vollständig auf eigener Technologie. Um die Unmengen an Daten managen zu können, entwickeln wir eigene Technologien, die auf einschlägigen Big Data Technologien (Hadoop, Hive, Spark) basieren.



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