Im Test: Assassin's Creed Odyssey

Mein Schiff, meine Crew; Manchmal ist weniger mehr und Fazit

Mein Schiff, meine Crew

Quelle: Ubisoft
Mit «Assassin's Creed Odyssey» gewinnen auch die Schiffskämpfe wieder stärker an Bedeutung, die im Vorgänger ja im Prinzip nur in bestimmten Abschnitten der Hauptgeschichte auftauchten. Im Rahmen dessen haben Sie einige Möglichkeiten, neue Crew-Mitglieder anzuheuern, die perkähnliche Boni mitbringen. Damit Sie sie an Bord nehmen können, ist ebenfalls ein wenig Grinding notwendig. Denn der Ausbau des Rumpfes, den Sie zur Vergrösserung der Mannschaft benötigen, kostet viele Ressourcen – und von den Waffen-Upgrades Ihrer Truppen und Verbesserungen in anderen Bereichen haben wir noch gar nichts erzählt.
Motivierend ist das System dennoch geraten, gerade da Sie in storylastigen Nebenquests spezielle Mitstreiter gewinnen können. Da wäre zum Beispiel Odessa, die nach dem Abschluss ihrer Questreihe bereit ist, Ihnen zu folgen und sich von Ihnen zuvor womöglich übers Bettlaken hat scheuchen lassen. Zu sehen ist davon übrigens nichts – entblösste männliche Geschlechtsteile bei erledigten Gegnern hier und dort hingegen schon. Ob das Absicht war, wissen wir nicht. Aber nach weiblichen NPCs in «Watch Dogs 2», die ohne Unterwäsche durch die Welt laufen, muss man bei Ubisoft alles für möglich halten.

Manchmal ist weniger mehr

Assassins Creed: Impressionen
Quelle: Ubisoft
In der Spielwelt von «Assassin's Creed Odyssey» erwarten Sie aber natürlich noch wesentlich mehr Quests und Zusatzaufgaben, egal ob Jagdherausforderungen, unzählige Sammel-, Lager- oder kleine Rätselaufgaben. Das bezogen auf die Landmasse geschätzt wenigstens genauso grosse Griechenland ist zwar nicht enorm dicht damit vollgestopft. Trotzdem muss sich «Odyssey» insgesamt den Vorwurf des Überangebots gefallen lassen. Der Umfang mag hier der Hauptstory nicht ganz so abträglich sein wie im Vorgänger, obwohl Ubisoft das Nebenangebot eher ausweitet als reduziert. Aber so verloren wie teilweise in «Odyssey» kamen wir uns in Ägypten nicht vor.
Grundsätzlich reduziert Ubisoft das Levelgrinding allerdings stärker als in «Origins». Sie werden um Nebenquests oder generierte, meist zeitbefristete Nebenaufgaben kaum herumkommen, wenn Sie die nächste Hauptmission nicht ohne grossen Nachteil angehen möchten. Aber bei uns ging es dabei im Regelfall um eine, höchstens zwei Stufen, während es in «Origins» manchmal auch drei oder vier waren, die uns fehlten.

Fazit

Im Prinzip ist «Assassin's Creed Odyssey» trotz des anderen Settings eigentlich nur eine konsequente Fortführung des Spielkonzepts aus «Origins». Beim Kampfsystem legen die Macher zu, genauso wie bei der Integration der Rollenspielelemente. Das Entscheidungssystem mag dabei nicht ganz so weit gehen, wie es vielleicht möglich wäre, aber gerade das ausgebaute Charaktermanagement wäre eines RPGs würdig – kann aber auch mal in Arbeit ausarten. Dass im Rahmen dessen erneut Mikrotransaktionen (Preise konnten wir zum Testzeitpunkt noch nicht einsehen) gegen Echtgeld Vorteile bringen, mag man bedauerlich finden. Wir hatten allerdings nie das Gefühl, dass wir uns dazu in irgendeiner Form genötigt hätten fühlen können.
Trotzdem uns aber die Geschichte in «Odyssey» besser gefällt und das Spiel in Details einiges besser macht als sein Vorgänger, weitet Ubisoft auch das in «Origins» nicht gerade dezente Überangebot aus. Da möchte man manchmal regelrecht schreien «Genug ist genug!». Mit dieser Ausweitung des Überflusses bewegt sich Ubisoft in eine Richtung, die der französische Publisher keinesfalls auch nur noch einen Schritt weiter gehen darf. Obwohl der Autor dieser Zeilen «Odyssey» unterm Strich persönlich sogar etwas mehr schätzt als «Origins», landet das Abenteuer im antiken Griechenland am Ende wertungstechnisch dennoch leicht hinter seinem Vorgänger.
Assassin's Creed Odyssey
Positiv: Spannendes Setting mit interessanter Hauptfigur, gute Grafik und Inszenierung, Wuchtig-actionreiches Kampfsystem, viele storylastige Missionen, spassige Belagerungsschlachten, viele sinnvoll integrierte Rollenspielelemente, mehr Einflussnahme durch Entscheidungen
Negativ: Autosavesystem dürfte häufiger greifen; in manchen Bereichen (etwa Grösse der Welt) wäre weniger oft mehr
Details: Adventure-Game für PC, PS4 und Xbox One X, Deutsch
Strassenpreis: ab Fr. 62.90
Info: ubisoft.com


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