Neue Business-Chancen durch 5G

5G und die Sicherheit

Koexistenz: In den kommenden fünf Jahren werden 4G und 5G den Mobilfunkmarkt unter sich  aufteilen.
Quelle: GSMA Intelligencer *Prognose
Der Security-Experte Bruce Schneier prangert an, dass viele Sicherheits-Features bei 5G nur optional sind. Zudem seien die Standards zu komplex, um sie sicher zu implementieren. Wenn die 5G-Einführung Fahrt aufnehme, müssten die Anwender allein aufgrund der Neuartigkeit der Technik mit vielen Schwachstellen rechnen.
Die Anbieter sind schlecht gerüstet, um entsprechende Bedrohungen zu bekämpfen. Gefahren im Zusammenhang mit 5G-Netzwerken ergeben sich aus Software-Operationen – das 5G-Netzwerk wird von einer potenziell anfälligen Software gemanagt – und aus der verteilten Topologie, mit der bei einer sehr grossen Anzahl vernetzter IoT-Geräte breitere Angriffsmöglichkeiten einhergehen.
Optimistisch ist Sebastian Solbach: «5G ist grundsätzlich sicherer als 4G oder 3G, denn Verschlüsselung ist in diesen Standards bereits dabei. Zusätzliche Sicherheit ist gewährleistet, wenn Wi-Fi-6-Authentifizierungsverfahren integriert werden. Besonders sicher sind 5G-Campus-Netze, bei denen das Netz unter der Kontrolle des Anwenders steht.»
Doch auch die sichersten Systeme müssen korrekt implementiert werden: «Mobilfunknetze sind im Vergleich zu anderen Systemen relativ sicher, wurden aber in der Vergangenheit auch von Unternehmen betrieben, die über umfangreiche Erfahrungen in der Aufrechterhaltung der Sicherheit verfügen», betont Jens Kühner. «Bei der Einführung privater 5G-Netzwerke wird es also zum einen von den neuen Betreibern abhängen, ob sie über die Skills für einen sicheren Betrieb verfügen. Zum anderen sollten aber auch die Lösungsanbieter Netzwerke und Infrastrukturen mit maximaler Sicherheit konzipieren.»

Zweiklassen-Mobilfunk

Eine Frage, die sich im Zusammenhang mit 5G stellt, ist die der Netzneutralität. Sind privilegierte Services zu erwarten? Sebastian Solbach geht nicht davon aus: «Es wird weiterhin ein öffentliches neutrales Netz geben. Durch die Nutzung von privaten Netzen, etwa Campus-Netzwerken, können spezifische Sub-Netze aufgebaut werden, ohne die Netzneutralität zu verletzen. Sicher ist es vorstellbar, dass bei der Vergabe von Bandbreiten bezahlte Dienste bevorzugt behandelt werden. Nichts anderes passiert aber auch jetzt schon. Mit Network Slicing können Services noch spezifischer an die Anwendungen angepasst werden.»
Für Jens Kühner von Red Hat ist die Netzneutralität in der Hauptsache eine politische und keine technische Frage. In technischer Hinsicht unterstütze 5G das Konzept des Netzwerk-Slicings, um Instanzen des Netzwerks bereitzustellen, die sich für unterschiedliche Anwendungsfälle eignen. Ein Slice könne zum Beispiel für Anwendungen mit niedrigen Latenzzeiten und ein anderer für solche mit hoher Bandbreite ausgelegt sein. Hierbei gehe es nicht darum, bestimmte Anwendungsfälle zu priorisieren oder zu privilegieren, sondern vielmehr darum, das Netzwerk auf unterschiedliche Anforderungen abzustimmen. «5G sollte in der Regel genügend Möglichkeiten bieten, dass keine technische Notwendigkeit besteht, einen Service einem anderen vorzuziehen.»

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