Mobile World Congress 28.02.2018, 07:08 Uhr

Google will keine Rücksicht auf Android-Partner nehmen

Google will die Entwicklung eigener Hardware vorantreiben - und dabei auch keine Rücksicht auf seine Android-Partner nehmen. Das betonte Googles Hardware-Chef Rick Osterloh auf dem Mobile World Congress.
Googles Hardware-Chef Rick Osterloh
Googles Hardware-Chef Rick Osterloh
(Quelle: Google)
Google will sich fest im Geschäft mit Smartphones und anderen Geräten für Verbraucher verankern. Der Internet-Konzern habe in die Entwicklung eigener Hardware unter anderem deshalb einsteigen müssen, weil heute eine enge Integration von Technik und Software unerlässlich sei, sagte der zuständige Google-Manager Rick Osterloh der Deutschen Presse-Agentur auf dem Mobile World Congress in Barcelona. "Wir sind sehr fokussiert darauf, bei Verbraucherelektronik erfolgreich zu sein." Neben Smartphones gibt es von Google auch vernetzte Lautsprecher mit seinem digitalen Sprachassistenten an Bord sowie ein Notebook.
Dabei müsse sein Bereich auch keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer Hersteller von Smartphones mit dem Google-System Android nehmen, betonte Osterloh. "Uns geht es darum, Innovationen für Nutzer voranzutreiben und wir werden uns nicht zurückhalten." Googles Pixel-Smartphones haben bisher zwar laut Analysten nur einen geringen Marktanteil, der Konzern spielt aber im lukrativeren Segment der teuren Premium-Smartphones. Google ist der führende Entwickler des Android-Betriebssystems, das von vielen Smartphone-Herstellern genutzt wird - und konkurriert zugleich mit ihnen als Anbieter eigener Telefone.
Die Ambitionen im Telefon-Geschäft untermauerte Google jüngst auch mit der Übernahme von rund 2.000 Entwicklern des schwächelnden Smartphone-Spezialisten HTC. Sie sollen auch bei Google weiterhin schwerpunktmässig an Smartphones arbeiten, sagte Osterloh.

Google: Vorteile durch interne Zusammenarbeit

Die hauseigene Hardware-Sparte kann dabei von einer tiefen Integration in den Google-Konzern profitieren. "Ich habe keine Einschränkungen bei der Kooperation mit anderen Teilen von Google", sagte Osterloh. So arbeite man bei der Geräteentwicklung eng mit Googles Forschungsabteilung, dem Android-Team sowie den Spezialisten für Navigation und virtuelle oder erweiterte Realität (VR und AR) zusammen, sagte Osterloh. Das sei auch der entscheidende Unterschied zum vorherigem Anlauf von Google im Geschäft mit Verbraucherprodukten: Der übernommene Handy-Hersteller Motorola sei seinerzeit weitgehend separat geblieben. Google stiess Motorola nach rund zwei Jahren wieder ab.
Jetzt wurde auch der vor vier Jahren gekaufte Smart-Home-Spezialist Nest in Osterlohs Hardware-Sparte bei Google integriert, der bisher eine eigenständige Firma unter dem Dach der Google-Mutter Alphabet war. Nest verkauft vernetzte Thermostate für die Heizung, Rauchmelder, Heim-Sicherheitskameras und eine Alarmanlage. Die Marke Nest werde erhalten bleiben, die Nutzerdaten sollen bis auf weiteres wie bisher weitgehend getrennt bleiben. Als ersten Schritt bei der Integration bekommen Nest-Geräte den Google Assistant installiert. Darüber, welche Geräte künftig unter welcher Marke herausgebracht werden, gebe es noch keine Entscheidung. Aber das vernetzte Zuhause sei ein wichtiger Schwerpunkt für Googles Gerätegeschäft.
Mit Blick auf Bedenken von Menschen, die sich Sorgen machen, ein Google-Gerät wie den Lautsprecher mit Mikrofon im Haus zu haben, betonte Osterloh, der Konzern nehme Datenschutz und -Sicherheit sehr ernst. "Wir haben eine Menge Google-Home-Lautsprecher verkauft, zuletzt im Schnitt mehr als einen pro Sekunde. Das heisst für mich, dass wir bei diesen Menschen ein Vertrauen aufgebaut haben, dass es uns erlaubt, bei ihnen Zuhause zu sein." Zugleich sei Google bewusst, dass dieses Vertrauen jeden Tag mit Transparenz neu verdient werden müsse. "Es wird immer Leute geben, die besonderen Wert auf Datenschutz legen und keine Geräte dieser Art im Haus haben wollen" - wenn sie es sich aber irgendwann anders überlegen sollten, hoffe er, dass sie Google als besonders vertrauenswürdige Marke betrachten.




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