5G-Netzaufbau 11.08.2021, 13:41 Uhr

1&1-Chef Dommermuth: Roaming wird grösster Kostenfaktor am Anfang sein

Beim Aufbau seines 5G-Netzes setzt 1&1 nun auf die Expertise des japanischen Handelskonzerns Rakuten. Bis spätestens Ende 2022 muss die United-Internet-Tochter mindestens 1.000 eigene Antennenstandorte betreiben.
(Quelle: United Internet)
Nach zähen Verhandlungen und langem Warten legt der Telekomanbieter 1&1 mit dem geplanten Aufbau seines 5G-Netzes los. Doch bis das vierte Mobilfunknetz in Deutschland tatsächlich steht, muss Konzernchef Ralph Dommermuth eine Menge Geld in die Hand nehmen - auch für die Zeit, in der der Unternehmer noch auf die Mitnutzung von Fremdnetzen angewiesen ist, um seinen Kunden überhaupt Telefonie und Internet ermöglichen zu können.
"National Roaming wird der grösste Kostenfaktor am Anfang sein, er nimmt erst über die Jahre ab", sagte er am Donnerstag im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Und auch die Kosten für die Infrastruktur und den Betrieb werden anfangs höher sein als der Nutzen, sagte Dommermuth.
Am Mittwoch hatte die United-Internet-Tochter bekannt gegeben, ihr 5G-Open-RAN-Netz mit dem japanischen Internetunternehmen Rakuten bauen zu wollen. Dabei warb 1&1 mit dem europaweit ersten, vollständig virtualisierten Mobilfunknetz auf Basis des neuen offenen Standards. Konkret soll Rakuten die aktiven Netzbestandteile installieren und für die Gesamtperformance des Netzes verantwortlich sein. 1&1 bekommt Zugriff auf die Steuerungsplattform. Der Bau des 1&1-Netzes solle im kommenden Quartal beginnen.
"Open RAN" (Radio Access Network) verspricht den Abbau technologischer Barrieren, die bisher den Markt abgeschottet haben. Durch den neuen offenen Standard sollen Komponenten der Mobilfunknetze herstellerübergreifend kompatibel werden. "Open RAN" ist also eine Art Architektur, die Betreibern erlaubt, Zubehör von verschiedenen Anbietern zu nutzen. Bisher gibt es hier nur geschlossene Systeme. Durch den Wettbewerb unter den Anbietern erhofft sich Dommermuth günstigere Preise.
Bislang rechnet er mit anfänglichen Kosten von rund 30 Millionen Euro. Darunter fallen allerdings keine tatsächlichen Baukosten, sondern eher Ausgaben für Anwälte und Beratungen sowie die Netzplanung. "In der Zukunft werden wir weniger Anwalts- und Beratungskosten für die Vertragsverhandlungen haben, aber dafür werden unsere Personalkosten für den Netzbetrieb steigen", sagte Dommermuth. Zusätzlich dazu müsse 1&1 mit Kosten für den Netzbetrieb sowie für Antennen und Rechner kalkulieren. Eine genaue Investitionssumme traute sich der Manager nicht zu nennen.

Langes Ringen um Roaming-Abkommen

Vor dem eigentlichen Aufbau des 5G-Netzes hatte 1&1 - damals noch unter dem Namen 1&1 Drillisch - lange mit Telefonica Deutschland um ein sogenanntes National-Roaming-Abkommen gerungen. Damit ist gemeint, dass 1&1 auf die Mitnutzung eines Fremdnetzes (National Roaming) angewiesen ist, solange das Unternehmen selbst noch nicht genug Mobilfunkstandorte für eine ausreichende Versorgung in der Fläche hat.
Dabei können sich Handynutzer in Gebieten, in denen ihr Netzbetreiber keine eigenen Antennen hat, mit einem anderen Netz verbinden. Die Mitnutzung ist eine Zwischenlösung, bis 1&1 eigene 5G-Mobilfunkmasten gebaut hat. 1&1 hatte 2019 eigenes 5G-Mobilfunk-Spektrum ersteigert, nutzt dieses aber im Gegensatz zur Konkurrenz bisher noch nicht. Nur per National Roaming kann 1&1 also zum vierten Mobilfunkanbieter neben der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland werden.
Diese hätten seine Planung aber erschwert, monierte Dommermuth. "Die wollten vor der Frequenzauktion erst gar nicht mit uns verhandeln", sagte er rückblickend. Gerne hätte er bereits vor der 5G-Frequenzauktion im Frühjahr 2019 ein National-Roaming-Abkommen unterzeichnet. Durch die zähen Verhandlungen habe das Unternehmen Zeit verloren, die es nun aufzuholen gilt.
Mit Blick auf die Auflagen der Bundesnetzagentur gab sich der Konzernchef aber sicher, den vorgegebenen Zeitplan einhalten zu können. Bis spätestens Ende 2022 muss das Unternehmen mindestens 1.000 eigene Antennenstandorte betreiben. Bis Ende 2025 soll 1&1 zudem 25 Prozent der Fläche in Deutschland abdecken können, bis Ende 2030 soll es die Hälfte sein. "Das trauen wir uns zu", sagte Dommermuth.
Um die Hälfte Deutschlands abdecken zu können, benötigt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 12.000 Antennenstandorte. So gesehen sind die 1000 bis zum Ende des kommenden Jahres nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Und weil diese über alle Bundesländer verstreut liegen müssen, werde es zu Beginn keine hohe Abdeckung geben, gab Dommermuth zu. Sobald die Vorbereitungsphase samt Akquirierung von Dachstandorten aber durch ist, soll die Abdeckung überdurchschnittlich zulegen.
Für Kunden von Marken wie WinSIM, Simply oder Yourfone bedeutet das erst einmal Warten auf 5G. In einer Telefonkonferenz sagte Dommermuth: "Es ist noch nicht klar, wann genau wir an den Start gehen werden. Das hängt auch damit zusammen, wie schnell das Netz voll funktionsfähig ist." So könnte das Startdatum am 1. Januar 2023, aber auch etwas später liegen.



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