Kartellrecht 14.08.2020, 08:54 Uhr

Reise-Start-ups wollen bei der EU gegen Google vorgehen

Die Chefs einiger der wichtigsten deutschen Reise-Start-ups werfen Google vor, ihre Inhalte und Daten zu stehlen und mit ihnen in Konkurrenz zu treten. Sie bereiten eine Kartell-Klage in Brüssel vor. Politiker signalisieren Unterstützung
(Quelle: Fotolia / Sashkin )
Die Vorwürfe wiegen schwer: "Google stiehlt Inhalte und Daten von seinen Partnern im Reisemarkt, um mit ihnen in Konkurrenz zu treten“ heisst es in einem Positionspapier, aus dem das "Handelsblatt" zitiert. Dahinter stehen die Chefs von GetYourGuide, Trivago, Flix Mobility, Omio und HomeTo Go.
Unlängst hatte Alphabet-CEO Sundar Pichai noch vor dem US-Kongress behauptet, Google habe es schwer im umkämpften Reisemarkt. HomeToGo-Chef Patrick Andrä sieht das anders. Das „Handelsblatt“ zitiert ihn mit den Worten: „Google missbraucht seine Marktmacht, um praktisch ohne Eigeninvestitionen Konkurrenzprodukte aufzubauen.“ Deshalb hat der Ferienwohnungsvermittler eine Wettbewerbsbeschwerde bei der EU-Kommission in Brüssel eingereicht. Und Andrä ist nicht der Einzige, auch Konkurrenten prüfen ähnliche Schritte.

Millarden-Bussgeld

Die Reisebranche ist nicht die erste, die in Brüssel gegen die Allmacht von Google aufbegehrt. Erste Beschwerden über Googles Praktiken gingen 2009 bei der EU ein, darunter auch von Preisvergleichsanbietern. Im Jahr 2017 verhängte die EU-Kommission ein erstes milliardenschweres Bussgeld: 2,42 Milliarden Euro sollte Google zahlen, weil der Konzern seinem eigenen Preisvergleichsportal einen unrechtmässigen Vorteil verschafft habe. Doch dagegen wehr sich der Konzern auf juristischem Weg bis heute.
Aus Brüssel kommen bereits erste Stimmen, die Unterstützung für die gebeutelten Reise-Start-ups signalisieren. Der EU-Abgeordnete Axel Voss (CDU) fordert Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen: „Es kann nicht sein, dass alle Branchen – auch die Reisebranche – unter der Marktstellung Googles zu leiden drohen. Es ist ein Mangel am europäischen Wettbewerbsrecht.“


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