Künstliche Intelligenz 14.04.2016, 09:45 Uhr

Erklärt: Das können Bots

Der Bot-Boom beherrscht die Tech-Szene gerade. Spätestens mit Facebooks neuem Bot Store sollte man sich die Software, die Prozesse ohne menschliche Hilfe automatisiert, genauer anschauen.
(Quelle: Boston Dynamics)
Bots, Bots, Bots - seit Kurzem hat der neue Hype die Tech-Szene fest im Griff. Und spätestens seit Mark Zuckerberg seinen Messenger Bot Store vorgestellt hat, wird jeder auf den Bot-Zug aufspringen wollen.
Unter Bots versteht man Software, die Prozesse weitgehend automatisiert - ohne, dass sie dabei auf den Eingriff durch Menschen angewiesen ist. Und so neu wie der Hype um sie sind Bots keinesfalls. Schon 1950 veröffentlichte der englische Logiker, Mathematiker und Informatiker Alan Turing das Paper "Computing Machinery and Intelligence". Um festzustellen, ob eine Maschine eine dem Menschen gleichwertige Intelligenz hat, schlug er den legendären Turing-Test vor.
Getestet wird, indem ein Mensch sich mit zwei Antwortenden unterhält: Einer davon ist ebenfalls ein Mensch, der andere eine Maschine. Beide Antwortenden sollen den Menschen davon überzeugen, ein Mensch zu sein. Erkennt der Fragende nach einiger Zeit immer noch nicht, wer die Maschine und wer der Mensch ist, hat die Maschine den Test bestanden. Turings Prognose, dass der Fragende bis zum Jahr 2000 nach fünf Minuten Gespräch höchstens eine 70-prozentige Chance hat, Mensch und Maschine zu unterscheiden, ist nicht eingetroffen - wie komplex die Entwicklung künstlicher Intelligenz ist, hat er unterschätzt.

KI-Fortschritte beflügeln Bot-Boom

Auch das, was wir heute unter Bots verstehen ist keinesfalls so neu wie der grassierende Hype. Schon seit Jahren hat Twitter einen Bot, der Erdbeben in einem Tweet meldet, in den USA wickelt die Fast-Food-Kette Taco Bell Bestellungen inklusive Bezahlung bereits über einen Bot ab. Mit X.ai kann ein Bot Termine koordinieren und im Business-Messenger Slack kann man mit Bots zum Beispiel To-do-Listen verwalten. Entwickelt werden Bots von den gleichen Unternehmen, die gerade Apps entwickeln.
Doch woher kommt auf einmal der grosse Bot-Boom? Neben dem Mobile-Siegeszug befeuern sicherlich die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz den Hype. Und die aktuellen Bemühungen der grossen Tech-Companies, ganz vorne mit dabei zu sein.
Im Moment spricht nicht nur das Silicon Valley vor allem von Chatbots. Die sollen Kommunikation in Messenger-Apps simulieren, die sich für den User so anfühlt, als würde er mit einem echten Menschen hin und her chatten. So sollen Kunden Flüge buchen, Hotelzimmer bestellen, Termine koordinieren können, ohne die Plattform, über die der Bot agiert, verlassen zu müssen - Payment inklusive. Bots funktionieren ähnlich wie Apps. Wenn man künftig etwas bei Zalando bestellen will, geht man also nicht wie gewohnt in die Zalando-App, sondern kontaktiert den Zalando-Bot über eine Plattform wie eine Messenger-App. Der Bot kann dem Kunden Produkte vorschlagen, das Ausfüllen komplizierter Formulare ersparen und Bezahlfunktionen anbieten.
Als Plattform für Chatbots dienen in erster Linie Messenger-Apps. Aber Bots können auch über andere Plattformen betrieben werden. Denn für die perfekte User-Bot-Kommunikation braucht es einen Organisator, der Zugriff auf Termine, Mails und Apps eines Users hat - einen digitalen Assistenten. So etwas wie Siri (Apple), Alexa (Amazon), Google Now, Cortana (Microsoft) oder Facebooks M, der aktuell noch in der Betaphase steckt.

Bots vs. Apps

Für Microsofts CEO Satya Nadella findet User-Kommunikation in Zukunft nur noch mit dem digitalen Assistenten statt, der dann wiederum auf die einzelnen Bots zurückgreift. Doch wie kommt der User zum digitalen Assistenten? Apple und Google sind hier im Vorteil, denn Siri und Now sind nicht nur etabliert sondern als Bestandteil von iOS beziehungsweise Android auf fast allen Smartphones dieser Welt zu finden.
Alexa, in Deutschland noch nicht verfügbar, ist als Sprachassistentin in Amazons Smarten Devices integriert, wie in den Lautsprecher Echo oder den Fire TV Stick. Facebook wird seinen M, wenn denn einmal genug experimentiert ist, in seinen Messenger integrieren, der mit 900 Millionen Usern weltweit eine Reichweite besitzt , die nur noch Tochter WhatsApp toppen kann, wenn es um Chat-Apps geht.
Aber Microsoft? Im von Nadella auf Microsofts Entwicklerkonferenz Build vorgestelltem Beispiel ist die Plattform Skype. Aber Cortana soll überall präsent sein, auf iOS und Android Devices, in vernetzten Autos und natürlich über Microsofts Soft- und Hardware von Office über das Surface bis hin zur HoloLens und der Xbox.
Kann das funktionieren? Nutzt zum Beispiel ein Apple User auf seinem iPhone einen Microsoft-Assistenten? Das kommt sicher darauf an, wie gut der Assistent ist und wie schnell er selbst lernt. Und ob er auch richtig lernt. Gelernt haben sollte Microsoft aus dem Experiment mit dem Bot Tay. Der sollte auf Twitter aus dem Kommunikations-Verhalten anderer User lernen, aber die fütterten den Bot mit rassistischen Inhalten, schnell übernahm Tay die Nazi-Attitüde und verteidigte Hitler.

KI braucht Daten

Wie gut der Bot ist hängt in erster Linie von einem ab: Daten. Ohne Daten kann eine KI nicht lernen, was der User will. Und einen antizipierenden Bot oder digitalen Assistenten kann man ohne ausreichend Daten ohnehin nicht entwickeln. Da überrascht es, dass Google, aktuell führend in der KI-Forschung und definitiv mit genug Daten ausgestattet, beim aktuellen Bot-Hype bislang noch nicht mitspielt. Gerüchte, dass der Gigant aus Mountain View bald einsteigt, gibt es allerdings genug.  Und neben dem finanziellen sollte für den Search-Riesen noch ein weiterer Anreiz ziehen: Denn digitale Assistenten und Bots könnten dann auch die Suchmaschine ersetzen.
Das dürfte allerdings noch nicht in naher Zukunft passieren. Dafür müssen aber, zumindest wenn es nach Satya Nadella geht, Apps um ihre Existenz bangen. Er denkt, dass sie bald durch Bots ersetzt werden. Die volle Bandbreite von Apps kann ein eindimensionaler Bot aber (noch) nicht bieten und ist daher eher geeignet, die App zu ergänzen als zu ersetzen.
Fazit:
Die Entwicklung von Bots lohnt sich für Unternehmen auf jeden Fall. Durch Facebook bietet ein Player mit enorm grosser Reichweite eine gute Plattform und für den kein Ende findenden Mobile Boom sind Bots ideal. Nicht nur für Bestellungen sind Bots interessant. In erster Linie werden Chatbots wohl Service-Mitarbeiter ablösen können.




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