Curated Shopping 01.10.2015, 15:20 Uhr

Strategiewechsel bei 8select

Outfittery-Konkurrent 8select konzentriert sich auf Mode-Beratung durch Technik und wechselt zu einem Affiliate-Modell. Nur so lässt sich das Geschäft wirtschaftlich skalieren, glaubt Co-Gründer Mathias Stiefel.
(Quelle: 8select)
Der Curated Shopping-Anbieter 8select, bisher der kleine Bruder der Marktführer Outfittery und Modomoto, hat seine Geschäftsmodell komplett überarbeitet. Die Kunden, vor allem mode-ferne, aber kapitalstarke Männer zwischen 30 und 40, sollen nicht mehr wie bisher von einem persönlichen Stilberater betreut werden, der eine Auswahl an Kleidungsstücken für sie zusammenstellt.
Stattdessen soll eine Technolgie anhand eines Kundenprofils komplette Outfits mit mehreren Varianten vorschlagen, aus denen der Kunde dann auswählen kann. Der Unterschied zu Produkt-Feeds, wie man sie von Zalando und Aboutyou kennt, liegt dabei in den von menschlichen Designern entworfenen, Produkt-unabhängigen Outfit-Vorlagen, die der Auswahl der Technologie zugrunde liegt. "Die Style Engineers - alles ausgebildete Modedesigner - entwickeln fortlaufend saisonal- und trendinspirierte Meta-Outfits für ein breites Spektrum an Stilrichtungen", erklärt Mathias Stiefel, einer der drei Gründer von 8select.
"Diese werden dann mit Regeln verknüpft, um festzulegen, zu welchem Typ, Preisklasse, Farbenvorlieben etc. diese Looks passen. Entsprechend dieser Regeln wird schliesslich anhand des dynamischen Kundenprofils erfasst, welche Meta-Outfits zu einem Kunden passen." Aufgrund dieser Basis startet 8select dann eine Live-Abfrage in den Sortimenten von aktuell 50 Partnershops, um Produkte zu suchen, die zur ausgwählten Outfit-Vorlage passen. Diese Artikel werden dann dem Kunden, geordnet nach Relevanz, in einer Ergebnisliste zum Kauf angeboten.

"Curated Shopping wirtschaftlich abzubilden, ist sehr schwierig"

Damit  verschiebt das Regensburger Start-up im Zuge des Strategiewechsels nicht nur den Fokus - weniger direkte Beratung durch menschliche Stil-Consultants, dafür mehr von der Technologie generierte Produktvorschläge - , sondern verabschiedet sich gleich auch noch von einem eigenen Lager. Eine wirtschaftlich notwendige Entscheidung, ist Stiefel überzeugt, schliesslich ist die Vorhaltung eines ausreichend breiten, aktuellen, attraktiven Sortiments im eigenen Lager die Krux von Curated Shopping: "Curated Shopping-Anbieter, die aus ihren eigenen Lagern heraus verkaufen, müssen immer Kompromisse eingehen.
Die Frage ist doch, wie unabhängig ein Berater sein kann, wenn er weiss, dass noch 50 Stück einer Ladenhüter-Jacke rausmüssen?" Dieses Problem hat 8select mit dem neuen Geschäftsmodell gelöst: Die Lagerverantwortung liegt auf Seiten der Partnershops, 8select verdient sein Geld über ein provisionsbasiertes Affiliate-Modell. Zudem fällt die Skalierung des Geschäfts leichter, da die personell aufwändige Beratung grösstenteils die Technologie übernimmt. "Dennoch bleibt die menschliche Komponente, die unsere Kunden sehr schätzen, in Form der Style Engineers, die die Meta-Outfits entwerfen, erhalten", so Stiefel. Apropos Wirtschaftlichkeit: Die Technologie hinter dem 8select-Konfigurator scheint der ideale Kandidat für eine White-Label-Lösung, mit der andere Online-Shops ihren Outfit-Verkauf vereinfachen könnten. "Das ist eine vorgedachte Option für uns", so Stiefel auf Nachfrage.
Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen mit dem "alten" 8select sieht der Gründer das Geschäftsmodell Curated Shopping als solches heute kritisch. "Unserer Erfahrung nach ist es schwierig, das klassische Curated Shopping-Modell ausschliesslich mit der manuellen Beratung nachhaltig wirtschaftlich abzubilden. Ich traue das eigentlich nur Playern wie Zalando oder Fashion ID zu, darunter stösst man schnell an seine Grenzen", so Stiefel. "Klassisches Curated Shopping hat einen enormen Kapitalbedarf, um das Geschäft angemessen skalieren zu können."
Zumindest auf Seiten der Investoren scheint diese Skepsis noch nicht angekommen zu sein: Curated-Shopping-Platzhirsch Outfittery verfügt Schätzungen zufolge seit der letzten Finanzierungsrunde im März 2015 über rund 38 Millionen Euro Venture Capital und hat dieses Kapital in diesem Jahr in den Aufbau eines neuen Standorts in Düsseldorf, eine Beratung via WhatsApp sowie in Fernsehwerbung investiert.


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