Rechte Propaganda 13.12.2016, 16:45 Uhr

Fake-News-Seiten: Lügen als Geschäftsmodell

Frei erfundene Meldungen verbreiten sich wie ein Lauffeuer im Netz. Dahinter stehen politische Propagandisten - und knallharte finanzielle Interessen. Denn oft geht es einfach nur um Werbegeld.
Propaganda im Internet
(Quelle: Fotolia.com/Hurrca)
Willkommen im Propaganda-Krieg: News-Front.info bezeichnet sich als "Nachrichtenagentur" und konzentriert sich hauptsächlich auf Russland-Themen - aus der Sicht des Kreml. Der Menüpunkt "Neurussland" beschreibt die Ost-Ukraine, die dort als "Volksrepublik Lugansk" bezeichnet wird. Die Deutschland-Berichterstattung steuert zu einem Gutteil RT bei, das deutsche Büro des Regierungssenders Russia Today.  
News-Front mag einen antiwestlichen Kurs fahren, den Werbekunden scheint das egal zu sein: Mit einem Banner auf der Startseite wirbt das Möbelhaus Roller aus Gelsenkirchen für seine Schlafsofas. 
Seiten wie News-Front gibt es zahllose im Netz. Propagandanachrichten haben Hochkonjunktur, aber auch fremdenfeindliche, oft frei erfundene Hetzartikel. Experten streiten darüber, ob solche Seiten Donald Trump zum Sieg verholfen haben.
Werbung für die Möbelhauskette Roller auf der rechtspopulistischen Online-Plattform Breitbart.com
 Zu internationaler Berühmtheit gebracht hat es im Verlauf des US-Wahlkampfs Breitbart.com, eine rechtspopulistische US-Website, die als eine Keimzelle der rechtsextremistischen Alt-Right-Bewegung gilt. Alt-Right-Sympathisanten feierten den Trump-Wahlsieg frenetisch - unter anderem mit "Heil"-Rufen und Hitlergruss. Während Trump sich müht, sich von diesen Strömungen zu distanzieren, plant Breitbart ein Büro in Deutschland. Auffällig: Als wir die US-Seite von Breitbart aufriefen, begrüsste uns auch hier ein Werbebanner von Roller. Ein deutsches Möbelhaus finanziert Putins Propagandaseiten und die Neue Rechte in den USA?

Finanzieren deutsche Firmen Putins Propaganda? 

Ein Anruf in der Firmenzentrale der ­Möbelhauskette im Ruhrgebiet löst Aufregung aus. Firmensprecherin Inga Osterwald weist jeglichen Verdacht von sich, dass das Unternehmen absichtlich Putins fünfte Kolonne oder Amerikas Neue Rechte mit Werbegeld sponsert: "Es ist natürlich keinesfalls in unserem Sinne, Kommunikation dieser Art durch unsere Werbung indirekt zu unterstützen." 
Der Grund, weshalb der Roller-Werbebanner auf der Propagandaseite erschien, liegt beim Autor dieser Zeilen: Er hat sich in letzter Zeit vermehrt Polstermöbel im Web angesehen, da er den Kauf eines neuen Sofas plant – und damit Google Daten für das Targeting geliefert. Osterwald dazu: "Die Ausspielung unserer Online-Werbung erfolgt unter anderem auf der Basis von Nutzerprofilen, unabhängig davon, in welchem Werbeumfeld der Nutzer sich gerade aufhält." Egal ob Roller-Banner oder Werbung für die Semy Awards, für Hosting von 1&1 oder für Autos von VW: All diese Banner stammen aus dem Google-Adsense-Programm, sie werden in die Seiten eingespielt, die von Nutzern aufgerufen werden, deren bisheriges Surfverhalten darauf hindeutet, dass sie sich für die gezeigten Inhalte interessieren.
Was technisch leicht zu erklären ist, macht die Sache für die Markeninhaber nicht unbedingt besser: Nicht nur rücken sie in die Nähe von politischen Strömungen und Aussagen, die sie nicht unterstützen wollen, sie können damit auch ihre Marke beschädigen. So reagierte Roller auf die Nachricht, dass Banner des Möbel­hauses auf Newsfront.net auftauchen, konsequent: Die Seite wurde im Google-Adsense-Account des Unternehmens auf die Blacklist gesetzt. Allerdings ist das kein Allheilmittel: Immer neue Seiten mit populistischen Inhalten tauchen auf.



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