Meine Top-Kampagne 21.09.2019, 11:10 Uhr

VW: Was ist heute nicht alles schon normal?

Spass am Stromern: Die Kampagne soll mit Vorurteilen gegen E-Autos aufräumen.
(Quelle: Screenshot )
Von Willms Buhse, Gründer und CEO der Hamburger Managementberatung Double Yuu sowie des Weiterbildungspartners D-cademy
Erinnern Sie sich an die Zeiten, als Webseiten aussahen, als ob sie ein 5-Jähriger mit Paint gebaut hätte? Sie waren grellbunt. Überall blinkte etwas. Für die meisten Menschen war schnell klar: Das mit dem WWW ist irgendwie anders. Und heute? Längst ist das Internet allgegenwärtig.
Mit dieser Idee spielt die neue US-Kampagne von Volkswagen "Normal Now", in der es um Elektroautos geht. Allerdings ­bewirbt der Autobauer damit nicht direkt seine Stromer-Flotte, sondern trommelt für Electrify America, eine gemeinnützige ­Organisation, die VW im Zuge des Dieselskandals aufbauen musste. Kernaussage der Kampagne: Mittlerweile ist es längst normal, mit Elektroautos zu fahren.

Spiel mit nostalgischen Gefühlen

Bei der Umsetzung dieser Idee spielt die verantwortliche Agentur Eleven wunderbar mit den nostalgischen Gefühlen der Nutzer. So sieht die Kampagnen-Seite eben genau so aus wie eine schrecklich blinkende Webseite aus der Steinzeit des Web. Überall dreht sich eine Grafik und blinkt ein Button. Natürlich darf der obligatorische Besucherzähler nicht fehlen.
Die Kampagne beinhaltet zum Start auch zwei Clips. Diese folgen ebenfalls der konzeptionellen Idee, indem sie alte TV-Berichte über Online-Dating oder E-Mailing zeigen, in denen die Moderatoren über die Tech-Neuheiten sprechen, als ­wären es Skurrilitäten. Heute wissen wir es alle besser.
Natürlich zieht so ein Retro-Charme immer. Aber mir gefällt an der Kampagne besonders, dass sie auch eine interne, zweite Ebene zu haben scheint. Denn Volkswagen selbst offenbarte lange diese Angst vor Veränderung. Als CEO einer Digitalberatung, der sich von Berufs wegen mit Transformationsprozessen beschäftigt, weiss ich, dass das Sich-lustig-Machen über Neuerungen zu den typischen Verweigerungsmechanismen innerhalb von Konzernen - wie Volks­wagen - gehört. So ­gesehen adressiert die Kampagne auch ­eine pikante Botschaft nach innen.
Beim Budget für diese Imagekampagne für die elektrische Auto-Zukunft lassen sich die Wolfsburger schon einmal nicht lumpen. Es soll bei strammen 42 Millionen US-Dollar liegen.


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