Forschungsprojekt Canine 08.08.2019, 20:18 Uhr

Robo-Gehstock verbessert die Balance

Forscher der Columbia-Universität haben einen Roboter-Gehstock vorgestellt, der sich dem Gang eines Menschen anpasst und so die Balance verbessert.
Mit dem Robo-Gehstock Canine wird die Balance verbessert
(Quelle: Videostill: jst/nmgz )
Ein Forscher-Team an der Columbia University haben mit «Canine» einen Robo-Gehstock entwickelt, der sich mit seinem Nutzer mitbewegt und dessen Balance verbessert. Indem der Roboter das Schritttempo und den Gang eines Menschen misst, kann er sich an seinen Nutzer anpassen und optimale Unterstützung bieten. Das soll vor allem älteren Menschen helfen.
«Je älter Menschen werden, desto höher wird die Gefahr eines Sturzes. Dafür ist einerseits die körperliche Disposition verantwortlich, andererseits auch die Orientierung. Ältere Menschen sind oft wenig mobil, und wenn sie den ganzen Tag im Sitzen oder Liegen verbringen, verlieren sie das Gleichgewicht beim Gehen. Der Robo-Gehstock geht hier in die richtige Richtung, jedoch muss man ihn auch wirklich oft verwenden. Balance beim Gehen muss trainiert werden», erklärt Altenpflege-Experte Michael Thomsen.

Stock stabilisiert den Gang

Canine bewegt sich auf dem Boden auf Rädern. Nutzer müssen auf einer mit Sensoren ausgestatteten Fussmatte gehen, während der Roboter, an dem der Stock befestigt ist, daneben fährt. Die Sensoren messen die Schrittlänge und den Rhythmus beim Gehen. Anhand dieser Daten weiss der Robo-Stock genau, in welchem Tempo er fahren muss. Indem Nutzer ihre Hand auf die Spitze des Stockes legen, verbessert sich ihre Balance beim Gehen, so als würde ein Mensch sie bei der Hand nehmen.
Um den Robo-Stock zu testen, führten die Forscher ein Experiment mit zwölf gesunden jungen Menschen durch. Den Probanden wurde eine VR-Brille aufgesetzt, die ihnen ein extrem wackeliges und desorientierendes Bild zeigte. Sie mussten nun durch einen Korridor gehen, einmal ohne die Unterstützung von Canine und einmal mit dem Stock. Es zeigte sich, dass der Robo-Gehstock den Gang der Probanden deutlich stabilisierte.

Pflege nicht Robotern überlassen

Die Forscher planen, Canine künftig auch bei älteren Menschen zu testen. Laut den Forschern haben 35 Prozent der Menschen im Alter zwischen 75 und 80 Jahren Mobilitätsprobleme. Da die Weltbevölkerung in Zukunft deutlich älter sein werde, müsse die Technologie bereit sein, sie zu unterstützen. «Diese Anwendung hat das Potenzial, Lücken bei der Altenpflege billig zu füllen», meint Forschungsleiter Sunil Agrawal.

Thomsen rät jedoch davon ab, die Pflege allein den Robotern zu überlassen. «Bei der Altenpflege ist Nachhaltigkeit entscheidend, und die ist nur durch menschliches Personal möglich. Natürlich sollte man technologische Neuerungen erproben. Es gibt dabei jedoch auch viele Schaumschlägereien, die keinen echten Wert für die Pflege haben», mahnt der Experte.

Autor(in) Georg Haas, pte


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