Debitkarte schlägt  Bargeld 16.08.2018, 14:31 Uhr

So bezahlt die Schweiz

Das beliebteste Zahlungsmittel in der Schweiz ist die Debitkarte, dies zeigt eine Studie der ZHAW und der Universität St. Gallen. Bargeld wird zwar am häufigsten genutzt, die Debitkarte liegt umsatzmässig jedoch auf dem ersten Platz.
Noch wird in der Schweiz am häufigsten bar bezahlt. Umsatzmässig haben Debitkartenzahlungen aber die Nase vorn.
(Quelle: ZHAW )
Die Debitkarte (Maestro-Karte, PostFinance Card, V PAY) gilt als sympathisch, praktisch und vertrauenswürdig – und schlägt damit in der Schweiz die anderen Zahlungsmittel. Gemessen an der Anzahl Transaktionen ist Bargeld zwar das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel im stationären Handel. Die Debitkarte liegt umsatzmässig mit 37 Prozent der Ausgaben jedoch auf dem ersten Platz, gefolgt von Bargeld.
Dies zeigt der erstmals durchgeführte Swiss Payment Monitor der ZHAW School of Management and Law und der Universität St. Gallen. Für die repräsentative Studie wurden 2017 über 1000 Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren aus drei Landesteilen der Schweiz befragt.

«Mischzahler» in der Überzahl

War das Zahlungsverhalten in der Vergangenheit über lange Zeit ziemlich stabil, zeichnet sich allmählich ein Wandel ab. «Bargeld ist zwar nach wie vor nicht aus dem Alltag wegzudenken, jedoch wächst das Interesse an anderen Zahlungsmitteln bei der Schweizer Bevölkerung stetig», so Bettina Gehring, ZHAW-Forscherin und Mitautorin der Studie. Der grösste Teil der befragten Personen sind Mischzahler, die situationsabhängig unterschiedliche Zahlungsmittel bevorzugen. Welches Zahlungsmittel wann zum Einsatz kommt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Neben individuellen Präferenzen spielen vor allem der Zahlungsort und die Höhe des Betrags eine bedeutende Rolle.
Der Frequenz nach wird Bares in der Schweiz immer noch bevorzugt
Quelle: ZHAW

Situation entscheidet über Zahlungsmittel

So dominieren im umsatzstarken Detailhandel Kartenzahlungen. Bargeld wird dagegen häufiger in Restaurants, Bäckereien, an Kiosken oder Take-aways sowie bei Automaten eingesetzt. Herr und Frau Schweizer zücken die Kreditkarte im Einzelhandel für längerfristige Anschaffungen, an Tankstellen oder wenn sie auf Reisen sind.
Mit Blick auf den Zahlbetrag werden im stationären Handel Kleinbeträge bis 20 Franken nach wie vor überwiegend bar beglichen. Erst oberhalb dieses Betrags kommen die Kartenzahlungen zum Zug. Im Online-Geschäft sind bei Kleinbetragstransaktionen bis 20 Franken «In-App»-Zahlungen, wie etwa über die SBB Mobile App, vorherrschend. Höhere Beträge werden hauptsächlich durch Online-Überweisung beglichen.
Beim Distanzgeschäft dominiert die Online-Überweisung via E-Banking-Konto

Sicherheitsbedenken beim mobilen Bezahlen

Als wichtigste Faktoren bei der Wahl eines Zahlungsmittels gelten Sicherheit und keine zusätzlichen Gebühren. «Gerade beim Thema Geld ist die Sicherheit zentral», sagt Sandro Graf, ZHAW-Zahlungsmittelexperte und Mitautor der Studie. Dies zeigt sich auch bei den neuen Bezahlmöglichkeiten wie etwa beim kontaktlosen oder mobilen Bezahlen: «Hier herrscht eine gewisse Skepsis vor, weil sie bezüglich Sicherheit als unzureichend wahrgenommen werden. Dies verlangsamt ihre Verbreitung», so Graf weiter.
Dennoch gestehen die Studienautoren den neuen digitalen Bezahlformen ein gewisses Potenzial zu. Diese sind nämlich bei den Schweizerinnen und Schweizern bereits gut bekannt, werden jedoch mit Umsatzanteilen im einstelligen Bereich noch verhalten genutzt. So liegt der Umsatzanteil von kontaktlosem Bezahlen erst bei knapp 7 Prozent, derjenige von mobilem Bezahlen sogar unter 2 Prozent. Trotzdem stehen die Chancen gut, dass sie zukünftig Fuss fassen werden.
Gemäss Tobias Trütsch, Ökonom an der Universität St. Gallen, besteht vor allem bei den Nutzern dieser Bezahlverfahren noch viel Potenzial. «Über 70 Prozent dieser Personen könnten sich vorstellen, diese in den nächsten drei Jahren häufiger zu nutzen – vorausgesetzt, die Grundanforderungen wie verbesserte Sicherheit sind erfüllt und die entsprechenden Angebote in der Lage, echte Probleme des Nutzers zu lösen.» Gemäss Aussagen der Befragten bieten die neuen gegenüber den klassischen Zahlungsmitteln derzeit noch zu wenige Mehrwerte, damit diese als Alternative (und nicht einfach als Ergänzung) in Erwägung gezogen werden.
Swiss Payment Monitor
Das Swiss Payment Research Center (SPRC) der ZHAW sowie die Executive School of Management, Technology and Law (ES-HSG) der Universität St. Gallen beschäftigen sich seit Jahren unabhängig voneinander mit Fragestellungen rund ums Thema «Bezahlen». Gemeinsam haben sie erstmals den Swiss Payment Monitor durchgeführt. Dies ist die erste jährliche Schweizer Zahlungsstudie, welche Konsumentenperspektive und makroökonomische Sicht verbindet.
Durch die Kombination von Online-Befragung und Tagebuch-Erhebung sowie durch die Verknüpfung mit öffentlichen Daten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) kann der tägliche Einsatz der Zahlungsmittel realitätsgetreu abgebildet werden.
Insgesamt wurden über 1000 Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren aus allen drei Landesteilen der Schweiz befragt. Die Studie wird finanziert durch die beiden Forschungsinstitutionen, die Swiss Payment Association (Branchenorganisation aller grossen Schweizer Herausgeber von Kreditkarten der internationalen Kartenorganisationen) sowie die Industriepartner Concardis und SIX Payment Services.



Das könnte Sie auch interessieren