Bargeldloses Bezahlen 17.09.2018, 10:04 Uhr

So unterscheidet sich das Zahlungsverhalten von Schweizern und Schweden

Beim bargeldlosen Bezahlen gilt Schweden laut dem Experten Andreas Dietrich als eine der Vorreiternationen. Nun hat er analysiert, wie sich das Zahlungsverhalten der Skandinavier zu jenem der Schweizer unterscheidet.
Auf dem Weg in eine bargeldlose Gesellschaft gilt Schweden als Vorreiternation. Wer schon einmal einen Städtetrip nach Stockholm unternommen hat, weiss, dass dort in vielen Läden gar kein Bargeld mehr akzeptiert wird. Stattdessen nutzen Schwedinnen und Schweden beim Zahlen an der Kasse fast nur noch Bezahl-Apps, Debit- oder Kreditkarten. In der Schweiz ist das Bargeld nach wie vor das Zahlungsmittel Nummer eins.
Andreas Dietrich, Leiter des Instituts für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern, hat das Zahlungsverhalten der Schweden und Schweizer verglichen und untersucht, wie gross die Unterschiede wirklich sind. Seine Befunde fasste er in einem Blog-Beitrag zusammen. Dafür nutzte er die Ergebnisse der Bachelorarbeit von Admira Mustafic, Absolventin des Studiengangs Banking and Finance. Sie übertrug die im laufenden Jahr durchgeführte Umfrage der schwedischen Zentralbank über das Bezahlverhalten auf die Schweiz und versuchte so, die beiden Länder zu vergleichen. 620 Personen hätten insgesamt an ihrer quantitativen Umfrage teilgenommen. Laut Angaben Dietrichs sind die Ergebnisse «nicht ganz repräsentativ, da das Sample im Vergleich zum Schweizer Durchschnitt zu jung, zu ‹weiblich› und zu gut ausgebildet ist». Trotzdem würden die Ergebnisse gute Anhaltspunkte in Bezug auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Vergleich mit Schweden liefern. Als Ergänzung verwendete der HSLU-Professor zusätzliche die aktuelle Zahlungsmittelumfrage der Schweizerischen Nationalbank.

Schwedisches Twint-Pendant sehr beliebt

Übersicht über die verwendeten Zahlungsmittel in Schweden
Quelle: Sveriges Riksbank, 2018
Wie der Institutsleiter im Blog-Beitrag schreibt, findet in Schweden eine beschleunigte Bargeldsubstitution statt – der Gebrauch bargeldloser Zahlungsmittel nimmt also zu, während die Bargeldnutzung abnimmt. So habe etwa das schwedische Twint-Pendant «Swish» innerhalb von kurzer Zeit stark an Bedeutung gewonnen. 62 Prozent aller Antwortgeber gaben bei der Umfrage der schwedischen Zentralbank an, im letzten Monat die Bezahl-App Swish benutzt zu haben. Zum Vergleich: 2010 waren es noch 10 Prozent aller Befragten. Unter den Personen, die die Umfrage zur Bachelorarbeit beantworteten, nutzen 36 Prozent Bezahl-Apps wie Twint, Apple Pay oder Samsung Pay. Dietrich gibt allerdings zu bedenken, dass das Sample tendenziell zu jung ist, und deshalb für die gesamte Schweiz von einem tieferen Wert ausgegangen werden müsse.
Gemäss Dietrich sind aber sowohl in Schweden als auch in der Schweiz Debitkarten ein beliebtes Zahlungsmittel. Beträge über 50 Franken werden in beiden Ländern überwiegend mit dem Kärtchen bezahlt. Die Schweden zücken jedoch auch bei kleineren Beträgen bis zu zwölf Franken die Karte. In der Schweiz werden diese fast ausschliesslich bar bezahlt. Bargeld tragen die Schweden aber trotzdem immer noch mit sich herum. Im Schnitt haben sie umgerechnet zwischen elf und 56 Franken im Portemonnaie. Bei den Schweizern ist es hingegen bedeutend mehr – durchschnittlich 133 Franken. Immerhin behauptet trotzdem die Hälfte aller befragten Schweizer, dass sie generell ohne Bargeld auskommen. In Schweden sind es bereits 70 Prozent.

Gute Bargeldversorgung in der Schweiz

Dietrich führt die Unterschiede auf verschiedene Gründe zurück. Laut dem Professor verfügt die Schweiz noch immer über ein dichtes Filial- und Geldautomatennetz. In Schweden habe die schlechtere Bargeldversorgung in dünn besiedelten Gebieten die Nutzung bargeldloser Zahlungsmittel gefördert. Zudem müssten Geschäfte in Schweden Bargeld nicht zwingend akzeptieren – wohingegen sie hierzulande von Gesetzes wegen dazu verpflichtet sind. Und schliesslich habe Schweden einen Vorsprung im Bereich E-Commerce und sei generell ein sehr Technologie-affines Land, was die Adaptionsgeschwindigkeit digitaler Technologien beschleunige, schreibt Dietrich.
So kommt er zum Schluss, dass sich das Zahlungsverhalten der schwedischen und Schweizer Bevölkerung insgesamt ziemlich stark unterscheidet. Die Verlagerung zum E-Commerce und M-Commerce sowie die Adaption der Kontaktlos-Bezahlfunktion seien jedoch Indikatoren dafür, dass sich das Bezahlverhalten von Schweizerinnen und Schweizern in eine ähnliche Richtung entwickle wie das der Schweden – einfach etwas gemächlicher.




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