Second-Hand-Mode 04.03.2021, 06:48 Uhr

Luxus-Konzern Kering beteiligt sich an Vestiaire Collective

Die Corona-Krise brachte dem Online-Handel mit Second-Hand-Mode einen unerwarteten Push. Das ist auch den Modekonzernen nicht verborgen geblieben. Einer wagt jetzt ein strategisches Investment.
(Quelle: Vestiaire Collective )
Der börsennotierte Mode- und Accessoires-Konzern Kering hat sich im Zuge einer Finanzierungsrunde am Second-Hand-Online-Portal Vestiaire Collective ("Gemeinsame Ankleide") beteiligt. Nach Mitteilung des Konzerns mit Sitz in Paris inverstiert Kering gemeinsam mit der Investmentbank Tiger Global Management 178 Millionen US-Dollar in das 2008 gegründete, ebenfalls in Paris ansässige Start-up. Dafür erhält Kering einen Sitz im Aufsichtsrat und fünf Prozent der Firmenanteile von Vestiaire Collective. 

Zeit zum Ausmisten

Vestiaire Collective hat sich auf den Online-An- und -Verkauf von Designermode spezialisiert und hat dabei vor allem die Millennials und die Generation Z im Visier. Unter dem Eindruck der Bankenkrise 2008 gegründet, erlebt die Plattform derzeit durch die Corona-Krise einen starken Schub.
Maximilian Bittner, der deutsche CEO des Pariser Start-ups, konnte bereits vor einem Jahr, mitten im Corona-Lockdown, den Abschluss einer erfolgreichen Finanzierungsrunde über 59 Millionen Euro bekannt geben. Die Krise brachte Leue dazu, ihre Kleiderschränke auszumisten - und gab andererseits Menschen die Möglichkeit, ehemals teure Designerstücke zu einem Bruchteil des Neupreises zu erwerben. Auch Freiberufler oder Arbeitnehmer in Kurzarbeit konnten sich so etwas hinzuverdienen.
Nach eigenen Angaben hat Vestiaire Collective heute eine Community mit über neun Millionen Mitgliedern und 1,8 Millionen Produkte von rund 6.000 Marken im Angebot. Angaben über Umsatz und Gewinn veröffentlicht das Unternehmen nicht.
Der Luxuskonzern Kering, zu dem Marken wie Gucci, Yves Saint Laurent, Brioni und Alexander McQueen gehören, sieht in dem Handel mit Second-Hand-Mode grosses Potenzial. Nach seinen Einschätzungen wird sich das gegenwärtige jährliche Umsatzwachstum von derzeit 21 Prozent in den nächsten zwei Jahren auf 27 Prozent steigern.
Für 2025 sieht Kering-Chef François-Henri Pinault in diesem Marktsegment ein Unsatzvolumen von über 60 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Zum Vergleich: Die Kering S.A. selbst meldete für 2019 einen weltweiten Umsatz von 15,9 Millionen Euro (rund 19,2 Millionen US-Dollar).

Zeitenwende für Luxus-Brands

Der Einstieg bei Vestiaire Collective markiert für Pinault deshalb auch eine Zeitenwende: "Luxus aus zweiter Hand ist heute ein echter und tief verwurzelter Trend, insbesondere bei jüngeren Kunden. Anstatt ihn zu ignorieren, möchten wir diese Chance nutzen, um den Wert, den wir unseren Kunden bieten, zu erhöhen und die Zukunft unserer Branche in Richtung innovativer und nachhaltigerer Praktiken zu beeinflussen."
Kering ist nicht der erste Luxusmode-Konzern, der seine Fühler in Richtung Second-Hand ausstreckt. 2018 gingen die Modemarken Burberry und Stella McCartney Partnerschaften mit dem Luxus-Wiederverkaufsportal "The RealReal" ein, und die schweizerische "NZZ" berichtete im Dezember 2020, dass die französische Gruppe LVMH (Marken u.a. Louis Vuitton, Sephora, Christian Dior und Bulgari) nach Möglichkeiten des Wiederverkaufs sucht.



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