Baustelle E-Commerce Schweiz

Wenn die Mehrwertsteuer "verdampft"

Was die Diskriminierung des Schweizer Onlinehandels konkret für Folgen hat, zeigte abschliessend Patrick Kessler auf, Präsident des Verbands des Schweizerischen Versandhandels (VSV). Onlineshopping wächst in der Schweiz. 2016 betrug der Umsatz gemäss Daten des VSV 7,8 Milliarden Franken. Für 2017 prognostiziert der VSV einen Umsatz von 8,5 Milliarden Franken. Geht das Wachstum so weiter, taxiert der Verband 15 Milliarden Franken Umsatz im Jahr 2023 für den Schweizer Online-Handel.
Bis zu einem Warenwert von 65 Franken wird auf die Rechnung für Pakete aus dem Ausland keine Mehrwertsteuer erhoben. Genau dieser Anteil wächst. Von den 7,8 Milliarden Franken Umsatz im Jahr 2016 entfielen 1,3 Milliarden Umsatz auf Bestellungen ohne Mehrwertsteuer, sprich aus dem Ausland. Tendenz steigend.
Dieses Jahr dürften es 1,6 Milliarden Franken werden, erklärte Kessler. Und das sei noch nicht alles: Das Wachstum im Onlinehandel wird gemäss Prognosen des Verbands durch Importe ohne Mehrwertsteuer vorangetrieben und dürfte dieses Jahr die Menge an hierzulande verschickten Paketen von Online-Händlern übersteigen.
Die Folge: "Das Einkommen aus der Mehrwertsteuer verdampft", brachte es Kessler auf den Punkt. Zur Einordnung: Mit 32,5 Prozent bilden die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer dieses Jahr gemäss Zahlen des Finanzdepartements den grössten Posten bei den ordentlichen Einnahmen, noch vor der direkten Bundessteuer (29,9%) ist der Posten Mehrwertsteuer der grösste Anteil an den Einnahmen des Bundes für dieses Jahr.
Für Kessler ist klar: Die „Free Lunch“-Limite von 65 Franken ist zu hoch angesetzt. Auch die geringeren Versandkosten für ausländische Versender an Schweizer Kunden sieht der Präsident kritisch.

Vorteile für ausländische Händler

Traurig aber wahr, es sei besser als ausländischer Händler in der Schweiz Geschäfte in der Schweiz abzuschliessen. Auch bleibe der Zugang zum EU-Markt mühsam, insbesondere für kleine und mittelständische Händler.
Zum Schluss rief Kessler, ähnlich wie vor ihm bereits Vonlanthen dazu auf, für eine Teilnahme des Schweizer Handels am MOSS-System zu kämpfen. Um bürokratische Hürden beim grenzüberschreitenden Versand niederzureissen, die Kosten für Im- und Export zu senken und nicht zuletzt, um auch in Zukunft Einnahmen aus der Mehrwertsteuer zu sichern.




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