Das grösste Geschäftsrisiko 16.12.2019, 09:48 Uhr

Fachkräftemangel ist für Firmen ein enormes Problem

Am 1. März soll das Gesetz zur Fachkräfteeinwanderung in Kraft treten. Doch wie wird es konkret ausgestaltet? Darüber beraten heute die Teilnehmer eines Spitzentreffens im Kanzleramt. Wie gross das Problem ist, zeigt eine neue Umfrage.
Ein Drittel der Unternehmen hat demnach in den vergangenen Jahren bereits ausländische Fachkräfte aus der EU sowie aus Nicht-EU-Staaten eingestellt.
(Quelle: Ingo Wagner/dpa)
Der Fachkräftemangel ist für Unternehmen in Deutschland ein grosses Problem. In einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) vor einem Spitzentreffen im Kanzleramt gaben 56 Prozent der Firmen an, dass dies das grösste Geschäftsrisiko darstelle.
Ein Drittel der Unternehmen hat demnach in den vergangenen Jarhen bereits ausländische Fachkräfte aus der EU sowie aus Nicht-EU-Staaten eingestellt.
Bundesregierung, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften kommen am Montag im Kanzleramt zu einem Spitzentreffen zusammen. Dabei geht es darum, wie das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz schnell wirken kann. Es tritt am 1. März 2020 in Kraft und soll qualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten den Weg nach Deutschland ebnen.

Nur mässige Rahmenbedingungen

Zuwanderungswilligen Akademikern bietet Deutschland einer anderen Studie zufolge nur mässige Rahmenbedingungen. Bei der Attraktivität lande die Bundesrepublik unter den mehr als 30 OECD-Industrieländern nur auf Rang zwölf, heisst es in einer gemeinsamen Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte vor dem Spitzentreffen betont, dass Deutschland auf gut qualifizierte Fachkräfte auch aus dem Nicht-EU-Ausland angewiesen sei. Das Gesetz soll ihnen den Weg nach Deutschland erleichtern.
Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, bezeichnete das Fachkräfteeinwanderungsgesetz als "gutes Gesetz". In der "Passauer Neuen Presse" (Montag) forderte er aber eine "rasche und unbürokratische" Umsetzung - also in der Praxis zum Beispiel schnellere Visa-Verfahren. "Aktuell gehen wir davon aus, dass im Handwerk etwa eine Viertel Million Stellen unbesetzt bleiben müssen, da die Betriebe keine geeigneten und zum Teil nicht entsprechend qualifizierten Mitarbeiter finden."

Partnerabkommen mit anderen Ländern

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, kündigte weitere Partnerabkommen mit anderen Ländern über die gezielte Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland an. "Die Bundesagentur wird weitere Partnerabkommen über die vereinfachte Arbeitsmigration nach Deutschland mit anderen Ländern abschliessen, wie wir sie beispielsweise schon mit den Philippinen oder Mexiko haben", sagte Scheele der "Rheinischen Post" (Montag). Hier gehe es vor allem um Berufe im Gesundheitssektor.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte am Sonntagabend von der Wirtschaft eine Anwerbestrategie gefordert. "Sie muss uns sagen, in welchen Ländern sie für welche Branchen auch Fachkräfte anwerben will", sagte der SPD-Politiker in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Erst dann könne die Bundesregierung dies durch bürokratische Vereinfachungen unterstützen.


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