Stromfresser gesucht 27.05.2020, 10:10 Uhr

Test: smart-me Plug

An smarten Steckern herrscht eigentlich kein Mangel. Aber der Plug von smart-me hilft, auf besonders einfache Weise den Stromverbrauch zu überwachen.
Schmucklos, aber auch nicht als Dekor-Element gedacht: der Plug von smart-me
(Quelle: smart-me AG )
Wenn man sich den Markt für smarte Stecker ansieht, dann gibt es zwar einige interessante Modelle. Aber viele werden allein deshalb ausgesiebt, weil sie nicht in eine gut-schweizerische Steckdose vom «Typ J» passen. Dieses Problem kennt der smart-me «Plug» der gleichnamigen Firma aus Rotkreuz nicht – und damit verdient er eine genauere Betrachtung.
Auf der Vorderseite des Plugs befindet sich neben der Status-LED die einzige Taste. Der Stecker ist dreipolig, lässt sich aber nicht drehen. Schlimmer noch: Wird der Plug in eine Dreifachdose eingesteckt, macht er diese dicht – will heissen, es passt kein weiterer Stecker rein. Von einer Schweizer Firma, die mit den lokalen Eigenarten bestens vertraut sein sollte, hätten wir uns eine andere Lösung gewünscht.
Bei den technischen Daten sticht besonders die Qualität der Messung hervor: Der Plug misst den fliessenden Strom mit einer Genauigkeit von 1 Prozent und benötigt für sich selber weniger als ein halbes Watt, um zu funktionieren. Der Messbereich reicht bis 3,68 kW – genug, um auch einmal der Waschmaschine auf den Zahn zu fühlen.

Konfiguration und Verbindung

Die Konfiguration wird über die kostenlose App für iOS und Android vorgenommen, der QR-Code in der Schnellstart-Anleitung zeigt den direkten Weg in den jeweiligen App Store. Beim ersten Start der App muss ein kostenloses smart-me-Konto angelegt werden, das für die Koordinierung und Steuerung aus der Ferne verantwortlich zeichnet. All diese Schritte laufen völlig schmerzfrei ab und sind in zwei Minuten erledigt. Die Einrichtung ist mustergültig.
Die Installation ist kurz, denkbar einfach und mustergültig erklärt
Quelle: PCtipp.ch
Ist die App auf dem Smartphone angekommen, wird der Plug in die Dose geschoben und die einzige Taste zehn Sekunden lang gedrückt, damit der smart-me ein eigenes Wi-Fi-Netz aufbaut. Mit diesem wird das Smartphone verbunden und die Konfiguration abgeschlossen. Einfacher geht es fast nicht. So getan, verwendet der Plug in Zukunft das heimische oder geschäftliche Wi-Fi-Netz für den Datenaustausch; damit gibt es auch keine Verbindungsprobleme beim Abruf der Messungen, wenn die Distanzen gross sind.

Der direkte Draht

Die gemessenen Werte werden in Echtzeit auf das Smartphone übertragen, wenn es sich im selben Wi-Fi-Netz befindet: Der heftige Ausschlag des Zeigers beim Aufheizen der Kaffeemaschine lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Sind die beiden Geräte nicht im selben Netz, werden die Daten vom Plug im Minutentakt in die Cloud des Herstellers übertragen und sind von dort aus jederzeit abrufbar. Wird das Wi-Fi-Netz in der Nacht zum Beispiel abgeschaltet, speichert der Plug die Messresultate und synchronisiert sie mit der Cloud, sobald diese wieder erreichbar ist.
Die Oberfläche wirkt altbacken, ist aber wenigstens funktional
Quelle: PCtipp.ch
Weil das Internet zum Bindeglied wird, lassen sich die Daten jederzeit auf der Website des Herstellers abrufen. Diese Funktion ist natürlich besonders interessant, um kritische Geräte in einem Gebäude aus der Ferne zu beobachten – Möglichkeiten also, die über das Interessen der meisten privaten Anwender hinausgehen:
Der Weboberfläche fehlt es nicht nur an Design, sondern auch an Struktur
Quelle: PCtipp.ch
Ausserdem lässt sich hier der Stromverbrauch in verschiedenen Darstellungsformen und Formate visualisieren und exportieren:
Die Auswertungen können in verschiedenen Formaten vorgenommen werden
Quelle: PCtipp.ch

«… und Action!»

Neben der reinen Messung bietet der Plug natürlich noch einige andere Finessen. So lässt sich die Dose aus der Ferne mit einem einfachen Tippen ein- und ausschalten. Allerdings ist es auch möglich, via Smartphone eine «Ereignis-Aktion» zu programmieren: Der Strom wird ein- oder ausgeschaltet, wenn eine bestimmte Situation eintritt. Dazu zählen das Über- oder Unterschreiten des Verbrauchs, der gemessenen Temperatur oder eine bestimmte Uhrzeit.
Ein Heizradiator in der Zwischensaison liesse sich also automatisch mit Strom versorgen, wenn die Raumtemperatur auf unter 20 Grad fällt; überschreitet sie irgendwann 22 Grad, wird er wieder ausgeschaltet. Unkritische Geräte wie zum Beispiel eine Lampe lassen sich auch anhand der Uhrzeit schalten. Und so weiter. Statt der reinen Schaltfunktion kann aber auch eine Push-Meldung an das Smartphone gesendet oder eine E-Mail verschickt werden, etwa: «Informiere mich, wenn der Verbrauch auf über 500 Watt ansteigt». Bei grösseren Anlagen besonders interessant: Die Taste auf der Vorderseite kann dazu verwendet werden, um einen anderen, eventuell weit entfernten Plug unkompliziert ein- oder auszuschalten.

Schluss mit einfach

Sobald die Website ins Spiel kommt, wird es kompliziert und sehr technisch. Das liegt zum Teil auch daran, dass sich der Plug eigentlich nicht an Privatanwender richtet, sondern an die Verwalter von Mehrfamilienhäusern oder ganzen Arealen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Auswertungen und Statistiken oder der automatischen Erstellung von Berichten. Diese Leistungen sind für die anderen Produkte von smart-me eigentlich kostenpflichtig – doch der Plug bildet eine Ausnahme und kann diese Möglichkeiten kostenlos nutzen.
Leider fehlt es der Website an Struktur und Übersicht. So gibt es verschiedene Bereiche mit Einstellungen, zum Teil gut versteckt. Auch die Auswertungen, Einstellungen zum Plug und mehr müssen teilweise an verschiedenen Orten zusammengesucht werden, was zu Beginn eine gewisse Leidensfähigkeit voraussetzt. Das ist insofern bedauerlich, weil der Plug eigentlich ein hochwertiges Produkt ist, dem die Website nicht gerecht wird. Das äussert sich auch in grenzwertigen Details, wie etwa der Unmöglichkeit, den Stromzähler zurückzusetzen.

Fazit

Seinen Schwächen zum Trotz gefällt der Plug von smart-me. Es kann sehr erhellend sein, auf die Kommastelle genau zu wissen, wie viel Strom der uralte Tiefkühler verbraucht. Im Winter lassen sich ungeheizte, aber wichtige Räume zum Beispiel so heizen, dass der angeschlossene Radiator anspringt, sobald die Temperatur unter 5 Grad fällt. Und so weiter. Wer genauer über die Möglichkeiten nachdenkt, wird schnell auf ein Dutzend Fragen oder Einsatzmöglichkeiten stossen, die mit dem Plug beantwortet respektive gelöst werden. Und dann relativiert sich auch der Preis.
Schade ist nur, dass die Oberfläche der Webfunktionen anfangs so undurchschaubar ist und dass der Plug eine ganze Dreifach-Steckdose für sich vereinnahmt. So bleibt nur die Hoffnung, dass sich das mit einem neuen Release irgendwann ändert.

Testergebnis

Note
4
Einrichtung, Flexibilität, Auswertungen, Aktionen, Cloud-Anbindung
Belegt eine 3fach-Steckdose komplett, Struktur der Website

Details:  Zwischenstecker Typ J (CH-Stecker), Fernschalter, Zeitschalter, Wi-Fi-fähig, App für iOS und Android

Preis:  111 Franken

Infos: 
Anmerkung zur Note: 1 = unbrauchbar; 1,5 = sehr schlecht; 2 = schlecht; 2,5 ungenügend; 3 = genügend; 3,5 ordentlich; 4 = gut; 4,5 = sehr gut; 5 = ausgezeichnet


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