Kamera 12.12.2018, 10:29 Uhr

Test: Nikon Z6

Auch Nikon wagt den Sprung in ein professionelles Kamerasystem ohne Spiegel. Und die Z6 weiss durchaus zu überzeugen.
Die Nikon Z6 ist die günstigere Variante der beiden Z-Modelle
(Quelle: Nikon)
Die Z6 ist das günstigere Modell der zwei neuen Vollformat-DSLMs, die Nikon diesen Herbst lanciert hat. Das heisst aber nicht, dass sie sich hinter der Z7 verstecken muss. Ganz im Gegenteil: Die Z6 hat gute Argumente dafür, sogar die bessere der zwei Kameras zu sein.

Äusseres und Bedienung

Nikon-Fans können aufatmen: Wie schon Canon hat auch Nikon seine Design-Philosophie beim Einstieg in die DSLM-Welt nicht vergessen. Wer schon einmal eine Nikon-DSLR in den Händen hatte, fühlt sich auf der Z6 sofort heimisch. Der Kamera-Body insgesamt ist ein wenig kompakter und leichter, die Bedienung funktioniert aber grösstenteils gleich. Abstriche aufgrund der Grösse muss man als Nutzer nur wenige machen. Allem voran das etwas kleine und schwammige Steuerkreuz. Glücklicherweise benötigt man das fast nur für die Menüführung.
Die Kamera ist kleiner als vergleichbare DSLR-Modelle, aber doch grösser als die Sony-a7-Reihe und die APS-C- und M4/3-Konkurrenten
(Quelle: Nikon)
Alle anderen Knöpfe sind dagegen ausgesprochen solid und überzeugen mit einem angenehmen Druckgefühl. Sogar die clever angebrachten Knöpfe auf der Vorderseite neben dem Objektiv bieten ein befriedigendes, haptisches Feedback. Ausgezeichnet ist auch der kleine Joystick, der etwa auf Daumenhöhe angebracht ist. Wie beispielsweise bei Fujifilm-Kameras steuert der Joystick die Platzierung des Fokuspunkts, was so massiv einfacher geht als mit einem Steuerkreuz. Und das erst noch ohne vorher eine Taste drücken zu müssen. *hust* Canon *hust*. Leider kann der Joystick nicht für die Menüsteuerung verwendet werden. Gerade wegen des schwammigen Steuerkreuzes wäre das angenehm gewesen.
Generell macht die Anordnung der Tasten und Bedienelemente Sinn. Ausser der Galerie, dem Löschknopf und der Modusauswahl sind sämtliche Tasten auf der Griffseite angebracht, wodurch die Kamera gut bedient werden kann, ohne dass man die linke Hand vom Objektiv nehmen muss. Mit Ausnahme der Taste für die Belichtungskorrektur sind auch alle Tasten bequem erreichbar. Wie gewohnt von Nikon gibt es einen Kippschalter für den Wechsel zwischen Fotomodus und Videomodus. Wer lieber direkt aufnimmt, kann dies auch per dedizierter Videotaste machen.
Auch die neuen Nikons erhalten ein praktisches LCD auf der Oberseite
(Quelle: Nikon)
Blende und Belichtungszeit werden wie gewohnt mit zwei Rädchen eingestellt. Die Blende direkt unter dem Auslöser mit Zeige- oder Ringfinger, die Belichtungszeit mit dem Daumen auf der Rückseite. Beide Räder sind in Ordnung, wenn auch nicht perfekt. Das vordere Rad ist für meinen Geschmack etwas streng eingestellt. Das hat den Vorteil, dass es nicht allzu leicht verstellt werden kann, allerdings macht es absichtliche Einstellungen auch mühsamer. Das hintere Rad variiert je nach Handposition. In meinem Fall lässt sich das Rad besonders mit der Spitze meines Daumens angenehm drehen. Das entspricht aber nicht direkt meiner natürlichen Handposition, welche eher die Mitte der Daumenkuppe verwenden würde. Mit dieser ist das Rad allerdings zu rutschig. Probieren Sie am besten die Kamera im Geschäft aus, um herauszufinden, ob das für Sie passt oder nicht.
Anders als die Konkurrenz verwendet Nikon aktuell keine Steuerungsringe am Objektiv. Für bestehende Nutzer ist das angenehm, da man sich nicht umgewöhnen muss. Allerdings verpasst Nikon so auch eine Chance: Bei der Canon EOS R lassen sich Blende, Belichtungszeit und ISO komplett ohne zusätzliche Knöpfe regeln, alles in der regulären Handposition. Blende am Objektiv, Belichtungszeit mit dem vorderen Rad, ISO mit dem hinteren Rad. Bei Nikon benötigt ISO einen separaten Knopf auf der Oberseite.
In Sachen Bedienung macht Nikon fast alles perfekt
(Quelle: Nikon)
Als kleinen Bonus hat Nikon die Dioptrienkorrektur perfektioniert. Das Rad dafür klickt streng genug, damit man es präzise einstellen kann, und lässt sich zudem verriegeln, damit sich in der Tasche nichts aus Versehen verstellt.
Auf der Software-Seite kann man Nikon nicht viel vorwerfen. Die Menüs sind wie gewohnt übersichtlich und einfach zu verstehen. Neben dem ausschweifenden Hauptmenü gibt es ein Schnellzugriff mit bis zu zwölf frei wählbaren Funktionen. Generell ist die Anpassbarkeit der Z6 eine grosse Stärke. Fast jeder Button, jedes Drehrad kann angepasst und eingestellt werden. So lässt sich sogar das Problem der verkehrten Belichtung lösen: Der Belichtungsmesser verläuft standardmässig von links (unterbelichtet) nach rechts (überbelichtet). Dreht man aber eines der Steuerungsräder nach links, wandert die Belichtungsanzeige nach rechts und umgekehrt. Aber wie gesagt: Das lässt sich ändern.
Ein grosser Sensor braucht auch ein grosses Objektivbajonett
(Quelle: Nikon)


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