Sound United 06.02.2016, 08:30 Uhr

Der Sonos-Konkurrent Polk Audio Omni S6 im Test

Mit Polk Audio kommt eine neue Marke für drahtlose Musiksysteme nach Europa und will den Marktführer Sonos ärgern. Wir haben den Speaker Omni S6 getestet.
Gut verarbeitet: Der neue Polk Audio Omni S6
Wenn hierzulande ein Hersteller versucht, neu auf dem boomenden Markt für drahtlose Musiksysteme einzusteigen, sind seine Aussichten auf Erfolg eher bescheiden – zu mächtig scheint die Konkurrenz der etablierten Anbieter wie Bowers & Wilkins, Bose und natürlich Sonos. Genau das will aber jetzt Sound United mit seiner Marke Polk Audio versuchen und rechnet sich gute Chancen auf ein Stück des Kuchens aus. Nun sind die US-Amerikaner allerdings kein unbeschriebenes Blatt, im Gegenteil. Auf ihrem Heimatmarkt sind sie mit Polk Audio bereits Nummer zwei hinter Sonos.
Um auf dem deutschen Markt die Kundschaft für sich zu begeistern, schickt der Hersteller unter anderem den Polk Audio Omni S6 ins Rennen, einen direkten Konkurrenten zum Sonos Play:5 der ja erst kürzlich neu aufgelegt wurde (Hier geht's zum Test des Sonos Play:5). Wir haben den 449,99 Euro teuren Wireless-Speaker einem intensiven Hörtest unterzogen.
Der grösste Unterschied zu Sonos vorweg: Sound United setzt beim Omni S6 auf ein offenes System zur Musikübertragung namens Play-Fi. Dies wurde vom Soundspezialisten DTS entwickelt und kommt derzeit bei einigen wenigen Herstellern zum Einsatz, vornehmlich solchen jenseits des grossen Teichs. Damit ist es beispielsweise möglich, über die Polk-App (die der Play-Fi-Anwendung im Übrigen bis aufs kleinste gleicht) den Omni S6 und auch andere mit Play-Fi kompatible Speaker zu steuern.
Hierzu muss man den Lautsprecher erst einmal mit dem heimischen WLAN (auch 5 GHz wird unterstützt) verheiraten, was im Handumdrehen gelingt. Anschliessend kann man seine eigenen Musikquellen einrichten, also neben dem Speicher des Smartphones beispielsweise die auf der Netzwerk-Festplatte gespeicherten Songs, die Lieblingsradiosender von Tune In oder den Spotify-Account. Viele Musik-Streaming-Dienste sind allerdings aktuell noch nicht verfügbar, hier muss man auf eine Erweiterung des Angebots hoffen. Amazon Music dürfte demnächst kommen, zumindest in den USA kann man das Angebot schon streamen.

Richtig laut: Der Polk Audio Omni S6

Ist das Einrichten erledigt, kann man sich auf den ersten Song freuen, nachdem man einen hörtechnisch guten Platz für den mit einer Breite von mehr als 30 Zentimetern doch recht voluminösen Lautsprecher gefunden hat. Wer in freudiger Erwartung den Lautstärkeregler der App gleich mal ein wenig nach rechts schiebt, erlebt aber bei den ersten Noten sein blaues Wunder – der Omni S6 ist verdammt laut!
Aus Rücksicht auf die ohnehin schon akustisch stark belasteten Nachbarn haben wir von einem Test der vollen Lautstärke Abstand genommen, in einem 25-Quadratmeter-Raum war aber spätestens bei 50 Prozent kein normales Gespräch mehr möglich ohne die Stimmbänder zu gefährden. Auf gemässigter Lautstärke lieferte der Polk Audio ein sehr schönes Klangbild ab, die beiden verbauten 4-Zoll-Töner für Mitten und Bässe erschufen ein gutes Fundament, die zwei ¾-Zoll-Tweeter sorgten für klare Höhen.
Die Vorderseite des Omni S6 ist mit einem robusten Stoff bespannt.
Allerdings war die Wiedergabe der tiefen Frequenzen für unseren Geschmack etwas zu präsent, hier hätten wir uns über einen einfachen Equalizer gefreut. So muss man jedoch damit leben, dass gerade bei klassischen Stücken oder auch bei Heavy Metal die Bässe überbetont werden.
Ein Manko trat bei unserem Testgerät auf, das besonders Fans von Alben mit fliessenden Übergängen zwischen den einzelnen Songs vergraulen könnte: Der Lautsprecher nimmt sich zwischen jedem gestreamten Song eine Auszeit von zwei bis fünf Sekunden. Bei Marillions Meisterwerk „Misplaced Childhood“ beispielsweise wird man dadurch unschön aus dem Musikgenuss gerissen, ebenso wie bei Genesis‘ „Selling England by the Pound“.
Dieselbe Wartezeit muss man im Übrigen auch einplanen, wenn man einen oder mehrere Songs einer Playlist überspringen will. Hier sollten die Entwickler dringend nachbessern, bei einem Gerät in dieser Preisklasse ist so etwas nicht akzeptabel.
Wer damit aber leben kann, bekommt mit dem Polk Audio Omni S6 ein feines Stück Technik, das problemlos auch sehr grosse Räume beschallen kann und dabei einen rundum guten Klang mit etwas zu starken Bässen abliefert. Man darf gespannt sein, mit welchen Marketing-Massnahmen Sound United seine Marke hier in Deutschland bekannt machen wird – der erste Testkandidat lieferte zumindest schon mal ein vielversprechendes Ergebnis ab und macht neugierig auf weitere Lautsprecher.




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