27.05.2012, 00:00 Uhr

Handyüberwachung von Kindern: Mehr Sicherheit oder totale Kontrolle?

In Grossbritannien werden Kinder vermutlich bald lernen, Sperren in ihrem Handy zu umgehen. Ein neuer Dienst erlaubt den Eltern, die Smartphones oder Tablets ihrer Kindern Tag und Nacht zu überwachen. Laut einem Bericht der britischen Zeitung Daily Mail bietet Bemilo eine SIM-Karte an, die Eltern in ganz Grossbritannien ermöglicht, den gesamten Mobilfunkverkehr ihrer Sprösslinge per Fernsteuerung zu kontrollieren. Bemilo gehört zu Vodafone UK.

Einer Studie zufolge besitzen in Grossbritannien rund 90 Prozent aller Jugendlichen ein mobiles Telefon. Sie alle müssen nun damit rechnen, dass ihre Eltern die Ein- und Ausgänge von SMS lesen und Anrufe sowie Kontaktlisten mitverfolgen. Aber das ist noch nicht alles. Speichert der Nachwuchs eine neue Telefonnummer in der Kontaktliste, erhalten die Eltern sofort eine Information, die sie berechtigt, die Nummer auch abzulehnen. Im Service inklusive ist die Möglichkeit, die Handys aus der Ferne zu sperren.

Der Dienst Bemilo nutzt das Vodafone-Netz in Grossbritannien, und kostet die Eltern gerade mal 3,95 Pfund im Monat. Das sind umgerechnet 5 Euro für die SIM-Karte.Bemilo selbst wirbt auf seinerWebsite mit dem Argument Sicherheit. Eltern hätten damit nicht nur die volle Kontrolle über die Kosten, sondern können ihre Kinder nun per Fernsteuerung vor mobilem Mobbing oder dem Besuch pornographischer Seiten schützen. Weiter bietet es die Möglichkeit, die Onlineaktivitäten über die Handy bedürfnisgerecht anzupassen. Auch ist aus der Ferne eine zeitweise Sperrung von Anrufen möglich. In erster Linie soll so der Zugang zu pornographischen Inhalten oder Telefon-Mobbing verhindert werden.

Bemilo ist Teil der SIM-Karte und kann auf allen Handys und Tablets eingesetzt werden. Der Zugriff erfolgt über ein Webinterface, das als eine Art Kontrollzentrum fungiert. Eltern können dort Guthaben für die SIM-Karten erwerben. Es gibt ein Guthaben für Telefonate und SMS und ein eigenes für die mobile Nutzung des Internets. Ist das Guthaben überschritten, erhalten die Eltern eine Benachrichtigung.

Zwar kann Mike Schnoor vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) die Sorgen von Erziehungsberechtigten nachvollziehen, verteidigt jedoch die Privatsphäre der Kinder. Gegenüber golem.de spricht er sich dafür aus, dass auch Kindern und Jugendliche eine Privatsphäre zusteht. Das würde auch in sozialen Netzwerken berücksichtigt, indem es die Möglichkeit gibt, Texte nur mit bestimmten Leuten zu teilen. Solche Dienste entsprechen allerdings nicht dem informationellen Selbstbestimmungsrecht der Kinder.

Deutsche Jugendliche brauchen diese Form von Totalüberwachung derzeit allerdings nicht befürchten. Wie der Vodafone-Sprecher Thorsten Hoepken erklärt, wird es einen derartigen Dienst in absehbarer Zeit in Deutschland nicht geben. Hier würde den Privatkunden aus Datenschutzgründen, noch nicht einmal ein Handy-Ortungsdienst angeboten. Zudem würde diese Methode möglicherweise am deutschen Datenschutz scheitert. (ph/.com!)

Siehe auch: Angeblich neun Millionen Vorbestellungen für das Samsung Galaxy S III, Britische Teenager sind durch Internetnutzung handysüchtig geworden, Eine Erfolgsstory mit 160 Zeichen? Natürlich SMS, Die Hälfte der deutschen Internet-Nutzer sieht mit mobilen Geräten fern, Umsatz mit mobilen Datendiensten im weltweiten Höhenflug


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