Vertikale Videos, Zero Friction und Co 19.02.2021, 07:05 Uhr

Das sind die drei Top Social Media-Trends 2021

Vertikale Videos, Zero Friction und immersive Medienerlebnisse sind die treibenden Trends der Social Media-Branche. Jason Modemann von Mawave erklärt, was hinter den Begriffen steckt und wie sich Werbetreibende die Trends zunutze machen können.
(Quelle: shutterstock.com/Alex Gontar)
Von Jason Modemann, Geschäftsführer von Mawave
Social Media hat sich längst zu einem integralen Bestandteil des Lebens entwickelt. Und gerade im vergangenen Jahr hat die Corona-Pandemie der Digitalisierung des Alltags vieler Menschen einen zusätzlichen Schub verpasst. Die Einschränkung persönlicher Kontakte und die mit dem Lockdown verbundenen Schliessungen vieler Geschäfte haben dazu geführt, dass sich Arbeit, Freizeit und Konsum vielfach in den digitalen Raum und auf soziale Netzwerke verschoben haben. Für Unternehmen bedeutet das, schnell den richtigen Umgang mit neuen Formaten und Technologien sowie dem veränderten Nutzungsverhalten der User zu erlernen und mit einer präzisen Social-Media-Marketingstrategie darauf zu reagieren. Denn mit dem geschickten Einsatz von Social Media und der frühen Adaption treibender Trends, können Marken frühzeitig von deren Potenzialen profitieren.

1. Erzähle deine Geschichten im Hochformat

Vertikale Videos haben das klassische Breitbildformat im digitalen Raum vielfach abgelöst. Dieser Trend ist ein Resultat aus dem veränderten Nutzungsverhalten der User, die Online-Angebote inzwischen bevorzugt über mobile Endgeräte konsumieren.
Laut Statista nutzen mehr als 80 Prozent der deutschen Internetnutzer zum Surfen ihr Mobiltelefon und gerade soziale Netzwerke werden häufig via Smartphone aufgerufen und prägen damit die vertikale Ausrichtung von Online-Angeboten. Denn auf dem Smartphone findet alles im Hochformat statt - ganz gleich ob Video-Chat, Instant Messaging oder Online Shopping. Egal ob Instagram Reels, LinkedIn Stories oder TikToks - die führenden Plattformen haben erkannt, dass sie ihre Nutzer am besten hochkant erreichen und mit neuen Formaten reagiert, die auf 9:16 ausgerichtet sind und kurzweiliges Entertainment bieten.
Für Werbetreibende gilt daher, ihren Content bestmöglich entsprechend dieser veränderten Nutzungsbedingungen anzupassen. Das bedeutet natürlich nicht, dass das 1:1 Format in den Instagram- und Facebook-Feeds ausgedient hat. Im Gegenteil, entsprechende Beiträge generieren nach wie vor hohe Reichweiten und sollten stets mitberücksichtigt werden.
Jason Modemann, Mawave
Quelle: Mawave

Storytelling, Branding-, und Awareness-Ziele

Die kürzeren Snippets und Videos sind aber nach aktuellen Zahlen von Klear auf dem Vormarsch, denn sie eignen sich ganz besonders gut für Storytelling, Branding-, und Awareness-Ziele. Für die Gestaltung von Werbeanzeigen und Content bedeutet das wiederum ein Umdenken klassischer Szenen: Spielten sich diese im Breitbild noch primär an den rechten und linken Rändern ab, konzentrieren sich Videos im Hochkantformat in der Regel auf die Bildmitte, die Story wird von oben nach unten erzählt. Dabei ist es ratsam, dass der Content nicht vertikal zugeschnitten, sondern direkt im richtigen Bildausschnitt gedreht wird. Ein grosser Vorteil vertikaler Videos ist, dass sie mehr Platz für Texte und Designelemente bieten, wie zum Beispiel Poll-Sticker. 
So eignen sie sich besonders gut für interaktive Formate oder Tutorials. Die Format-Optimierung allein garantiert natürlich noch keinen Erfolg. Die Inhalte sollten authentisch sein, innerhalb weniger Sekunden die Botschaft transportieren und Calls-to-Action sollten prominent platziert werden, um die Performance der Inhalte stärker zu treiben. Der wichtigste Indikator für die Performance von Creatives ist dabei die CTR (Click Through Rate), denn sie gibt Auskunft darüber, wie das Verhältnis zwischen Klicks und Impressions ist und ob das Werbemittel zu einem Klick auf die Landingpage geführt hat. Zusätzlich können die CPC- (Cost per Click) Werte zur Leistungsmessung evaluiert werden.

2. Zero Friction ist die Zukunft des E-Commerce

Je mehr Schritte es in einem Kaufprozess gibt, desto grösser ist das Potenzial eines Kaufabbruchs. Erstreckt sich die Customer Journey über mehrere Kanäle, kann es an zahlreichen Stellen zu Barrieren kommen - zum Beispiel durch lange Ladezeiten, umständliche Benutzeroberflächen oder Suchfunktionen.
Laut einer Untersuchung von Facebook brechen viele Nutzer den Kaufprozess bereits ab, wenn die Website länger als 3 Sekunden lädt. Alleine im E-Commerce entstehen so Opportunitätskosten von bis zu 24 Milliarden Euro pro Jahr (Facebook). Zero Friction, also der reibungslose Kaufprozess, ist damit nicht nur für Facebook, sondern für alle Online-Händler erfolgsentscheidend, denn die Toleranz der Nutzer für Reibungspunkte in den Shops nimmt stetig ab, während die Erwartungshaltung kontinuierlich steigt.
In den vergangenen Jahren hat Facebook deswegen seine Social Shops kontinuierlich erweitert und arbeitet aktuell an einem integrierten Checkout, mit dem die Customer Journey dann vollends auf der Plattform abgebildet werden kann. Sobald der direkte Checkout auf den Plattformen verfügbar ist, egal ob in den Social Shops, in organischen Postings oder im Bereich Live Shopping, ist einer der wichtigsten Meilensteine für eine Zero Friction Future erreicht.

Tools zur Minimierung von Reibungspunkten

Und auch für andere Online-Händler gilt: Ein reibungsloser Handel mit wenigen Klicks kann Käufe erleichtern, Konvertierungsraten steigern und damit letztendlich auch die Kundenzufriedenheit gewährleisten. Den Händlern bieten sich eine Reihe von Tools zur Minimierung von Reibungspunkten an.
Google Analytics beispielsweise zeigt mit der Absprungrate an, wie viele User die Seite in unter einer Sekunde wieder verlassen haben. Die Ladezeit wiederum kann mit Google Pagespeed Insights gemessen werden. Daneben liefert das Tool sofort Verbesserungsvorschläge für die Landingpage. So können beispielsweise Bilder komprimiert oder nicht genutzte Plugins entfernt werden, was einen erheblichen Einfluss auf die Ladezeit haben kann.
Aufwändige Effekte und Widgets können die Webseite ebenfalls enorm verlangsamen und sollten daher nur in Massen eingesetzt werden. Daneben können Händler schon beim Erstellen und Ausspielen von Werbeanzeigen darauf achten, die Customer Journey möglichst reibungslos zu gestalten. Ein beliebter Fehler ist hierbei die unpräzise Verlinkung von Ads. Diese führen nämlich häufig auf die Startseite anstatt zur direkten Landingpage.
Für eine bessere Performance aber ist es wichtig, immer direkt auf eine Conversion-optimierte Landingpage zu verlinken. Denn je mehr Zwischenschritte die User gehen müssen, um zum gewünschten Inhalt zu kommen, desto höher ist auch die Absprungrate.

3. Immersive Medienerlebnisse bieten neue Touchpoints

Augmented Reality gehört zu den Top-Marketing-Trends für 2021. Die beliebten Filter über Instagram, Snapchat und Co. bieten grosses Potenzial im Social Media Marketing, da sie die Interaktion von Menschen und Marken fördern, Neugierde wecken und unterhaltsam sind.
Augmented Reality (AR) bietet völlig neue Wege, die Zielgruppen in die eigenen Markenaktivitäten miteinzubinden und die Realität spielerisch mit virtuellen Elementen zu erweitern. Gerade in Bezug auf Brand Awareness, Reichweite, Followerzahl und Engagement können immersive Medienerlebnisse gewinnbringend eingesetzt werden.

Otto und Ikea

Einige namenhafte Unternehmen haben hier schon früh die Potenziale erkannt und mit interaktiven AR-Anwendungen und -Apps reagiert. Otto beispielsweise bietet es mit der App yourhome Nutzern an, Möbelstücke im eigenen Zuhause digital auszuprobieren. Über die Smartphone-Kamera können verschiedene Objekte im eigenen Zuhause platziert und deren Wirkung im jeweiligen Raum beurteilt werden.
Nach diesem Prinzip funktioniert auch die Ikea Place AR-App. Und auch für andere Branchen wie der Fashionindustrie kann AR in Form von virtuelle Make-Up-Sessions oder Anproben für neue Touchpoints und Kundenerlebnisse sorgen. Gerade in Zeiten von Corona, in der der stationäre Handel in der Fashion-Industrie komplett wegfällt, gewinnen diese AR-Formate für die Branche massiv an Bedeutung.
Insgesamt gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die eigene Marke oder das eigene Produkt mittels AR spielerisch und unterhaltsam in Szene zu setzen. Simplere AR-Anwendung können Unternehmen vielfach selbst erstellen. Im Internet ist eine Vielzahl an Tutorials, Anleitungen und Tools zu finden, die bei der Kreation von AR-Filtern unterstützen.

Komplexere Anwendungen

Bei komplexeren Anwendungen empfiehlt es sich hingegen, mit Spezialisten zusammenzuarbeiten. Sobald der Filter fertig ist, kann man ihn zum Beispiel mit Hilfe von Influencer-Kooperationen bekannter machen. Ist ein Filter gut gemacht und findet Anklang bei den Usern, hat er gute Chancen signifikant zur Erhöhung der Followerzahl sowie zur Reichweite des Unternehmens beizutragen und für Viralität zu sorgen.
Taco Bell beispielsweise entwarf einen AR-Filter anlässig des Cinco-de-Mayo-Feiertages, welcher innerhalb eines Tages von mehr als 100 Millionen Menschen genutzt wurde. Damit können immersive Erlebnisse die Wahrnehmung der Marke stärken und die Markenkommunikation unterstützen. Und auch wenn die Anwendungen zunächst keinen sofortigen Uplift der Umsätze verursachen, lassen sich die User, die mit dem Beiträgen des Unternehmens interagiert haben, im Anschluss geschickt in der Retargeting-Strategie bei den Ads mit aufnehmen und erweitern damit den Zielgruppen-Pool.
Wenn sich eines ganz klar ableiten lässt, dann ist es die Tatsache, dass die Dynamik der sozialen Medien ungebrochen ist und nach Agilität, Offenheit und Innovationsbereitschaft verlangt. Neben vertikalen Videos, Zero Friction und der Integration von AR-Erlebnissen spielt natürlich noch eine Vielzahl weiterer Entwicklungen eine wichtige Rolle im Social Web. Es bleibt also spannend abzuwarten, was sich zum Beispiel in den Bereichen Live Shopping oder Green Marketing tun wird und mit welchen Innovationen die grossen Plattformen neue Standards definieren.



Das könnte Sie auch interessieren