Start-up-Check 18.12.2020, 11:47 Uhr

Cybersecurity made in Zürich

In der Schweiz wird fleissig an neuen Cybersecurity-Projekten getüftelt. Als Brutstätte für vielversprechende Start-ups auf diesem Gebiet etablierte sich die ETH Zürich, wie Anapaya, DeepCode und PXL Vision beispielhaft zeigen.
(Quelle: ETH Zürich / Alessandro Della Bella)
Wenn es um Cybersecurity geht, dann werden meist die USA oder Israel als wichtige Hotspots genannt. Doch auch in der Schweiz weiss inzwischen eine Vielzahl von Start-ups, die sich der IT-Sicherheit verschrieben haben, mit interessanten Ideen zu überzeugen. So verzeichnet die «Swiss Cybersecurity Start-Up Map» von Dreamlab Technologies, Datastore und den Swiss Cyber Security Days bereits mehr als 30 Jungunternehmen, die neue Ansätze auf diesem Gebiet verfolgen.
Mit neuen Bildungsmöglichkeiten und zahlreichen Forschungsprojekten zählt die ETH Zürich zu den aktivsten Hochschulen der Schweiz, wenn es um das Thema IT-­Sicherheit geht. So erstaunt es nicht, dass die Hochschule bereits mehrere Cybersecurity-Start-ups hervorbrachte.

Neustart für das Internet

An der ETH Zürich entwickelte die Network Security Group unter der Leitung des Professors Adrian Perrig mit «Scion» (Scalability, Control, and Isolation on Next-Generation Networks) etwa eine Netzwerkarchitektur der nächsten Generation. Kommerzialisiert wird diese vom Start-up Anapaya. Hinter dem Projekt steht der Gedanke nach einem Neustart für die heutige Internetkommunikation. Denn nach wie vor legt das in den 1980er-Jahren entwickelte Border Gateway Protocol (BGP) fest, auf welchem Weg Daten und Netzwerkpakete durch das Internet reisen. Da es in der Zwischenzeit kaum weiterentwickelt wurde, ist es anfällig für Störungen geworden und bietet Angriffsfläche für Hacker.
Besonders empfindlich ist etwa die Kommunikation zwischen den unzähligen Netzwerken, aus denen das Internet besteht. Bei «Scion» werden mehrere Netzwerke zu sogenannten Isolation Domains (ISDs) zusammengefasst. Dabei können alle Schweizer Netzwerke einer ISD angehören. Wird innerhalb einer solchen kommuniziert, verlassen Daten diese nicht. So gilt für den Datenverkehr innerhalb einer ISD eine einheitliche Rechtsgrundlage. Zudem soll es unmöglich sein, Daten über andere Länder umzuleiten. Für mehr Transparenz will man mit einer neuen Art und Weise sorgen, wie Daten und Pakete übermittelt werden. So bietet «Scion» die Möglichkeit, dass Anwender selbst festlegen können, über welche Pfade und mit welcher Geschwindigkeit diese übermittelt werden. Firmen sollen so die Gewissheit haben, dass vertrauliche Daten auch vertraulich bleiben.
Mit der Meinung, dass das «alte Internet» Änderungen vertragen könnte, stehen Anapaya und die Forschungsgruppe der ETH nicht allein da. Auch Huaweis Forschungstochter Futurewei drückte den Bedarf an einer Überarbeitung aus und präsentierte mit «New IP» ihren Vorschlag für einen Nachfolger des bisherigen IP-basierten Internets. Beim Zürcher Start-up zeigt man sich jedoch überzeugt, dass man Futurewei schon weit voraus ist. Denn seine Technologie testete es bereits mit mehreren Partnern – darunter die Telkos Swisscom und Sunrise, die Stiftung Switch oder auch Finanzinstitute wie die SIX, die SNB und die ZKB.




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