Aufwendig, aber doch unverzichtbar

Abwägen zwischen Kosten und Nutzen

Diese Ansicht vertritt auch Roger Hegglin, CEO von Infoniqa SQL. Ihm zufolge stammen die Kunden des Systemintegrators zu etwa einem Viertel aus der Rubrik öffentliche Hand. Diese Aufträge seien im Verhältnis zum Umsatz über die letzten zehn Jahre ungefähr gleich geblieben. Auch stellt er fest, dass öffentliche Ausschreibungen nicht komplizierter als Firmenausschreibungen und beide meist sehr zeitaufwendig seien. «Man muss sich genau überlegen, ob Kosten und Nutzen übereinstimmen, beziehungsweise ob die Gewinnchancen da sind und man teilnehmen soll», ist Hegglin überzeugt.
“Man muss sich genau überlegen, ob Kosten und Nutzen übereinstimmen und überhaupt Gewinnchancen da sind„
Roger Hegglin, Infoniqa SQL
Ob sich das mit der Revision des Beschaffungsrechts ändere, sei noch unklar. «Ich bin mir noch nicht sicher, ob die Revision den Praxistest besteht. Es wird Erleichterungen geben, da und dort wird sie aber auch vermehrt den Kantönligeist oder andere neue Hürden hervorrufen.» Als Beispiel nennt der Infoniqa-CEO das Thema Umwelt, dem man vermehrt Rechnung tragen wolle. So fragt er sich: «Macht es Sinn, dass ein VAD (Value Added Distributor) in Zukunft umweltzertifiziert sein muss?»
Ähnlich sieht es beim Ingenieurbüro Götsch (KMU-Informatik) aus, einem Individual-Software-Anbieter für massgeschneiderte IT-Gesamtlösungen. Laut dem Gründer und CEO Mathias Götsch gewinnt die Firma zwar
zwischen 20 und 30 Prozent des Auftragsvolumens über öffentliche Ausschreibungen. Allerdings seien die reinen Beschaffungsaufträge rückläufig und «werden oft nur mehr über grosse Dienstleister abgewickelt». Dafür könnten KMU  mit Nischenprodukten, Flexibilität und speziellem Know-how überzeugen: «Für uns war hier auch die eigene ISO-27001-Zertifizierung sehr wichtig», sagt Götsch.
Er befürchtet allerdings, dass es durch die Revision des Beschaffungsrechts für KMU zunehmend schwerer wird, sich bei öffentlichen Ausschreibungen durchzusetzen. Auch er kritisiert den zeit- und ressourcenfressenden Ausschreibungsprozess. Der sei nurmehr von grossen Unternehmen zu leisten, weil kleine Anbieter die geforderten formalen Kriterien oftmals nicht mehr erfüllen könnten und der Preisdruck enorm sei. So fordert Götsch – wie auch der Intersys-CEO Hutzli –, dass «neue Modelle überlegt werden sollten, die den heute üblichen agilen Software-Entwicklungsprozess stärker berücksichtigen».
Und von Behördenaufträgen habe man in der Corona-Krise nur bedingt profitiert, schiebt Götsch nach: «Viele
Behörden waren zu stark mit sich selbst beschäftigt.» Das Interesse sei zwar gross, die Umsätze jedoch noch gering gewesen – obwohl man beispielsweise Lösungen fürs Krisenmanagement erstellt habe und damit viele Krisenstäbe hätte unterstützen können, sagt er abschliessend. 




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