Aufruhr bei Marketplace-Händlern 04.04.2016, 10:12 Uhr

Amazon: Neue Versandbedingung in den USA

Amazon sorgt derzeit für grosse Verunsicherung bei amerikanischen Marketplace-Händlern. Das Unternehmen verlangt von diesen für bestimmte Produkte kostenfreien Versand anzubieten. Der Unmut über die Amazon-Dominanz wächst.
Amazon schreibt Händlern immer stärker vor, wie sie ihr Geschäft zu führen haben
(Quelle: Shutterstock.com/Eric Broder Van Dyke)
Eine Entscheidung von Amazon in den USA macht derzeit wieder einmal die Dominanz des Online-Händlers deutlich: Das Unternehmen führt neue Versandbedingungen ein, die von manchen Marketplace-Händlern verlangen, für ihre Waren eine kostenfreie Lieferoption anzubieten.
Wie Amazon in einer Mitteilung an einige US-Händler erklärte, betrifft das alle, die Produkte aus der Kategorie "Schuhe, Handtaschen und Sonnenbrillen" verkaufen. "Ab dem 24. Mai 2016 muss eine versandkostenfreie Lieferoption für alle Angebote in dieser Kategorie ab einem Produktpreis von 49 Dollar verfügbar sein", zitiert ecommercebytes.com Amazon. Das gelte ausnahmslos für alle Waren in der Kategorie, egal ob Schnürsenkel oder Handtasche.
Die Marketplace-Händler wurden dazu aufgerufen, nun ihre Angebote zu überprüfen und zu aktualisieren, "um sicherzustellen, dass die Angebote aktiv und kaufbar bleiben".

Amazons Spielplatz, Amazons Regeln

Was für Kunden ein praktischer Service ist, sorgt bei Händlern für Aufregung und Verunsicherung. Sie befürchten, dass sich Amazons ohnehin schon grosse Dominanz weiter verstärkt. Im Amazon Forum machen die Händler ihrem Unmut Luft: "Wir bieten kostenfreien Versand für fast alle unserer Waren an, aber das hier schiesst über das Ziel hinaus", so ein Nutzer. "Ja, es ist ihr Spielplatz, aber wo soll das enden, sobald Amazon anfängt vorzuschreiben, wie kleine Unternehmen die Preise ihrer Waren auf dieser Seite gestalten? Wird dieser kostenfreie Versand als nächstes auf andere Kategorien ausgeweitet? Gibt es in Zukunft auch kostenfreie Retouren?"
Wie ein anderer User erklärt, lässt Amazon Händlern aber anscheinend eine Hintertür offen: Sie müssen "auch" eine kostenfreie Versandoption anbieten. Das heisst im Umkehrschluss: Händler könnten für den Standardversand, den schnelleren Versand und den Express-Versand Geld verlangen und dann noch zusätzlich einen kostenfreien, langsameren Versand anbieten.
Trotzdem sind die Sorgen der Händler sicher nicht ganz unberechtigt. Unklar ist, ob Amazon die neue Vorgabe auch auf andere Produktkategorien - und Länder - ausweitet. Und: Das Gefühl, dem Giganten in vielerlei Hinsicht hilflos ausgeliefert zu sein, wächst - vor allem bei kleineren Händlern. "Für mich überschreitet Amazon die Grenze zwischen dem Bereitstellen einer Plattform für unabhängige Unternehmen, die hier verkaufen, und dem Vorschreiben, wie ich mein Geschäft zu führen habe", kritisiert ein Händler.



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