Kolumne 03.07.2019, 15:47 Uhr

DevOps – das Getriebe für rasche Innovation

Hochwertige Software-Entwicklung ist in der digitalen Wirtschaft erfolgsentscheidend. Moderne Methoden wie DevOps tragen nicht nur zum Erfolg des Unternehmens bei, sie fördern auch den gegenseitigen Respekt zwischen IT und Business.
(Quelle: Hack Capital / Unsplash)
Software-Entwicklung ist der Motor der Innovation in der digitalen Wirtschaft. Trotzdem ist sie im Digi­talisierungsdiskurs nicht präsent. Das hat viele schlechte und ein paar gute Gründe. Wer mit 16 Jahren ein wenig Basic programmiert hat, glaubt mit Mitte 50 gerne, dass Programmieren trivial ist. Wer schon lange nicht mehr programmiert hat, überzeugt sich leicht, dass Wertgenerierung primär in der Anforderungsspezifikation statt­findet. Selbst jene, die eigene Programmiersprachen erfunden haben, unterschätzen oft die Herausforderungen der Software-Entwicklung für grosse Applikationslandschaften. Dazu kommt, dass Geschäftsleitungen selten verstehen, dass Software anders ist als andere Ressourcen: Dass sie beispielsweise viel effektiveren Widerstand gegen Bürokratisierung leistet als Menschen, dafür aber ganz schlecht altert. Fit mit 30 ist für Software keine Option!
Es gibt auch gute Gründe, die real existierende Software-Entwicklung nicht zu mögen: Komplizierte Prozesse, Kommunikationsdefizite, miserable Arbeitsumgebungen und Führungsversagen sind leider Alltag – oft durch guten Willen stetig verschlimmbessert. Doch wie schaut es mit der guten, heilen und angeblich haushoch überlegenen Welt von DevOps aus? Sie glänzt zunächst mit Produktivitätssteigerungen um den Faktor 20 bis 100. Ihre Erfolgsmethoden klingen simpel: Flow, Feedback und kontinuierliches Lernen! In der Praxis scheitert dies aber vielfältig. Denn damit DevOps tatsächlich funktioniert, müssen die Projektbeteiligten verschiedene Eigenschaften mitbringen:
  1. hohe Disziplin
  2.  neugierige Mitarbeitende, die im Bedarfsfall alle Aufgaben des Entwicklungsprozesses ausführen können (neugierige «T-Shapes»)
  3. funktionierende Teamarbeit
  4. eine Microservices-Architektur
  5. ein angemessenes Management der sogenannten technischen Schulden
  6. Topology-as-a-Service-Dienste (TaaS)
  7. eine gut entwickelte Messinfrastruktur und -kultur
  8. eine effektive Förderung des organisationalen und individuellen Lernens
  9. eine hypothesenbasierte Führungspraxis
  10. agile Kunden bzw. Auftraggeber
Punkt 9 und 10 bedeuten, dass auch Geschäftsleitung und Kunden agil sein müssen. Denn das beste DevOps-Team kann nicht funktionieren, wenn der Chef oder der Kunde nicht mitmachen – etwa indem sie Agilität als «nix ist fix» interpretieren und nicht akzeptieren, dass Agilität auch von ihnen Disziplin, Bescheidenheit und Neugier verlangt.
“Das beste DevOps-Team kann nicht funktionieren, wenn der Chef oder der Kunde nicht mitmacht„
Reinhard Riedl
Weshalb also DevOps überhaupt einführen? Die Erfolgsmessungen können kaum die Gründe sein, denn diese zielen lediglich auf die Schwächen der hoch entwickelten traditionellen Software-Entwicklung ab. So ist mit DevOps etwa eine «60-fach schnellere Vorbereitung des Deployments» möglich. Der einzig valide Grund, die Herausforderungen im Bereich DevOps zu meistern, ist die Notwendigkeit, die Kreativität im Unternehmen durch kostengünstigere und schnellere Umsetzung zu stärken. DevOps ist das Getriebe, das Kreativität in Innovationen übersetzt und kreative Menschen mit dem Markt in direkten Kontakt bringt. Indem DevOps eine schnelle, sichtbare und messbare Wirkung von Kreativität ermöglicht, fördert es die Kundenorientierung. Es stärkt den gegenseitigen Respekt und die Zusammenarbeit von Business- und IT-Abteilung und kann sich obendrein sehr positiv auf das gegenseitige Vertrauen im Unternehmen auswirken. Gründe genug, endlich über die Software-Entwicklung zu sprechen und die Voraussetzungen für Fortschritte in der Software-Entwicklung zu schaffen – beispielsweise, indem wir als ersten Schritt TaaS-Cloud-Dienste einführen!
Zum Autor
Reinhard Riedl
ist Präsident der Schweizer Informatik Gesellschaft. Riedl beschäftigt sich mit digitalen Ökosystemen und leitet das transdisziplinäre Forschungszentrum «Digital Society» an der Berner Fachhochschule.



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