Apple 13.05.2019, 08:49 Uhr

Mac-Tipp: Keyboard Maestro 8.0

Diese Software kann Ihre Arbeit am Mac fundamental verändern – und zwar nur zum Besseren.
(Quelle: Screenshot / ze)
Verdienten Mac-Veteranen haftet vielleicht noch das Hilfsprogramm «QuicKeys» von CE Software im Gedächtnis. Diese unverzichtbare Software sorgte vor vielen Jahren dafür, dass selber definierte Befehle und einfache Abläufe auf Tastendruck abgespult werden.
QuicKeys wurde irgendwann in den Neunzigern eingestampft oder verkauft oder was auch immer – doch das ist aus der Sicht der Anwender kein Drama. Denn unter macOS hat «Keyboard Maestro» seinen Platz eingenommen – und diese Software leistet mehr, als Sie sich vor dem ersten Kontakt überhaupt vorstellen können.
Mehr noch: Keyboard Maestro kann Ihren Umgang mit dem Mac neu prägen. Sie werden sich nach kurzer Zeit fragen, wie Sie es ohne diese Software überhaupt ausgehalten haben. Und das will etwas heissen: Es gibt weiss Gott nicht viele Programme, die solche Fragen aufwerfen.
Keyboard Maestro ist also ein Hilfsprogramm, mit dem Sie nahezu beliebige Abläufe erstellen und automatisch ausführen lassen können. Bei dieser Vorstellung zucken bereits viele Anwender zusammen, denn vielleicht ist damit eine Lernkurve verbunden – aber ganz bestimmt die Abkehr von liebgewordenen Gewohnheiten. Doch beides werden Sie nach den ersten Gehversuchen noch so gerne in Kauf nehmen.

«Was würde MacGyver tun?»

Im einfachsten Fall macht Keyboard Maestro das, was Sie machen würden. Hier ein Beispiel, das an Banalität fast nicht zu unterbieten ist:
Um Punkt 9:01 Uhr startet Safari und öffnet die Seite «daydeal.ch», damit Sie sehen, was zu verbesserten Konditionen feilgeboten wird.
Dazu müssen Sie keinen Finger krumm machen, denn 9:01 Uhr kommt bestimmt – aber Sie könnten den Ablauf auch mit einem eigenen Kurzbefehl wie «Control-Option-D» starten.
Um einen solchen Ablauf zu erstellen, rufen Sie den Editor von Keyboard Maestro auf und definieren einen «Trigger» – also den Auslöser, der das Makro anschiebt. Das ist in diesem Fall die Uhrzeit. Als Aktion bestimmen Sie, dass Safari geöffnet und die Adresse «daydeal.ch» aufgerufen wird. Das sieht so aus:
Ein Trigger auf Zeit ist nur einer von vielen
Quelle: Screenshot / ze
Wenn Sie lustig sind, können Sie am Mac auf den Kalender weitgehend verzichten und stattdessen den Tag mit Keyboard Maestro durchplanen.

Die Trigger

Zu den herausragenden Eigenschaften von Keyboard Maestro gehören die unzähligen Trigger. In der ersten Zeit werden Sie sich vermutlich auf Kurzbefehle wie «Control-Shift-F» festlegen. So könnten Sie auch Menü-Befehle in einem Programm aufrufen; wenn dieser Befehl bereits anderweitig vergeben ist, wird er von Keyboard Maestro überschrieben. Praktischerweise kann ein Befehl global gelten oder nur für bestimmte Anwendungen.
Hier einige weitere Trigger, die anschliessend ein Makro ausführen. Die Liste ist allerdings längst nicht vollständig:
  • eine bestimmte Uhrzeit
  • ein bestimmtes Datum via Cron
  • wenn das Gerät für die Audio-Ausgabe gewechselt wird
  • wenn ein Gerät über Bluetooth verbunden wird
  • wenn eine externe Festplatte angeschlossen wird
  • wenn eine bestimmte Zeichenfolge eingegeben wird
  • Eine sehr viel umfangreichere Liste finden Sie hier in Englisch.
Ausserdem versteht sich Keyboard Maestro mit Systemfunktionen wie AppleScript, Shell-Scripts, Terminal-Befehlen und mehr. Wenn Ihnen das nichts sagt, vergessen Sie es einfach wieder. Diese Fähigkeiten erlauben jedoch sehr komplexe Makros. Diese müssen Sie wiederum nicht selbst erstellen, sondern finden diese zuhauf im Internet.

«Was soll ich damit?»

Die Arbeit mit Keyboard Maestro verläuft üblicherweise in drei Phasen.
Gelangweilte Skepsis. Sie werden sich fragen, ob eine solche Software wirklich das Richtige für Sie ist. Um sich nicht zu verausgaben, werden Sie Ihrem Lieblingsprogramm ein paar neue Tricks und Menübefehle beibringen.
Neugierde. Weil das so reibungslos funktioniert hat, versuchen Sie sich an anderen Dingen. Die Backup-Software startet jetzt automatisch, sobald die externe Festplatte mit dem Namen «Sicherung» angeschlossen wird. Wenn Sie Ihre Textverarbeitung starten, wird das leere Fenster gleich wieder geschlossen – das hat sie schon immer genervt! Und wenn Sie jetzt die Zeichenfolge «üüpt» tippen, wird in einer Offerte automatisch ein Textbrocken eingefügt, mit dem Sie sich für das Interesse bedanken. Langsam wird klar, dass sich hier endlos viele Möglichkeiten auftun.
Sturm und Drang. Sie suchen im Internet nach Inspiration und nach schlüsselfertigen Makros. Sie überlegen sich, welche Bereiche Keyboard Maestro noch abdecken kann. Als Kollateralschäden werden einige spezialisierte Hilfsprogramme über die Klinge springen, die durch Keyboard Maestro einfach ersetzt werden.
Hier einige Beispiele von den Möglichkeiten, die kaum an der sprichwörtlichen Oberfläche kratzen:

Gut zu wissen

Die Makros von Keyboard Maestro werden in einer einzelnen Datei gespeichert, die zwischen all Ihren Macs synchronisiert werden kann, etwa via Dropbox, iCloud oder einen anderen Dienst. Im Internet finden Sie ausserdem unzählige Makros, die zwischen «banal» und «genial» schwanken; sie können heruntergeladen und mit einem Doppelklick der eigenen Sammlung hinzugefügt werden. Doch vor allem sind sie eine wertvolle Quelle der Inspiration.
Keyboard Maestro wird direkt von der Website des Herstellers geladen, eine voll funktionstüchtige Demo ist verfügbar. Eine Lizenz für Version 8 kostet einmalig etwa 40 Franken.
Keyboard Maestro 8.x
Positiv: Schier endlose Möglichkeiten, klare Struktur, sehr viele Trigger, viele Makros im Internet verfügbar
Negativ: Oberfläche könnte eine Auffrischung vertragen, nur in Englisch
Details: ab macOS 10.10 «Yosemite»
Strassenpreis: ca. 40 Franken
Info: keyboardmaestro.com



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