Hyperscale-Cloud 28.09.2016, 11:08 Uhr

Microsoft Azure mit 1 ExaFlops/sec

Die kombinierte Azure-Cloud übersetzt die ganze englische Wikipedia in 1/10 Sekunde - zum Beispiel ins Deutsche. Microsofts Vision: Diese geballte Rechenpower eines Cloud-Supercomputers soll demnächst jeder auf seinem Handy haben.
(Quelle: Adriano Castelli / Shutterstock.com)
Zwei Jahre lang hat Microsoft heimlich, still und leise eine globale Hyperscale-Cloud zusammengebaut, deren Rechenzentren in 15 Ländern auf fünf Kontinenten stehen. "Wir haben die schnellste, intelligenteste und flexibelste Cloud der Welt", schwärmte Microsoft-Ingenieur Doug Burger auf der Hausmesse Ignite in Atlanta.
Schaltet man einen Grossteil der Cloud-Computing-Ressourcen zusammen, dann übersetzt die geballte Rechenpower alle fünf Milliarden Wörter der englischsprachigen Wikipedia in weniger als 1/10 Sekunde - zum Beispiel vom Englischen ins Deutsche. Eine Zehntel Sekunde, das ist weniger als ein Augenblinzeln. Ausgedruckt auf DIN-A4-Bögen wäre der Wikipedia-Stapel 402 Meter hoch.

ExaFlops - eine Zahl mit 18 Nullen

Techniker sprechen von 1 ExaFlops, das sind eine Milliarde mal eine Milliarde Rechenoperationen pro Sekunde, eine Zahl mit 18 Nullen (10 hoch 18). "Das meinen wir, wenn wir von Hyperscale-Computing sprechen", sagte Burger. Die zusammengeschaltete Microsoft Azure-Cloud ist damit 10x schneller als der zurzeit schnellste Supercomputer der Welt. Der steht in China und bringt es auf 93 PetaFlops pro Sekunde (Sunway TaihuLight). Schneckenlangsam im Vergleich mit der leistungsstärkeren Azure-Supercomputing-Cloud.
Um zu zeigen, wozu die Microsoft-FPGAs fähig sind, liess Burger die 1440 Seiten von Tolstois "Krieg und Frieden" vom Russischen ins Englische übersetzen. Ein Azure-Standard-Server ((24 Kerne, 2,4 GHz Haswell) , den Microsoft seit Jahren in der Cloud vermietet, brauchte für die Übersetzungsarbeit 19,9 Sekunden. Einer der neuen Azure-FPGA-Server (10 CPU-Kerne plus 4 FPGAs) erledigte die gleiche Arbeit in 2,6 Sekunden. Zum Einsatz kam dabei ein neuronales "Deep Learning"-Netzwerk, eines von vielen Neuronalen Netzwerken, die Microsoft in seinem Machine-Learning-Modul in der Cloud vermietet.
Reine Zahlenhuberei war das nicht, was Microsofts Doug Burger auf der Ignite vorführte. Mit der Hyperscale Cloud plus neuronalen Netzen (AI) liessen sich heute Probleme lösen, von deren Bewältigung wir früher noch nicht einmal geträumt haben, meinte Burger. Wer heute die Suchmaschine Bing benutzt - nun, viele sind das nicht - der greift bereits auf das Cloud-AI-Fabric aus Redmond zu.

Microsofts smarte Apps aus der Cloud

Microsoft will künstliche Intelligenz/Machine Learning demokratisieren, also für jeden jederzeit und überall zugänglich machen - über mobile Geräte und die intelligente Azure Cloud. In Microsoft-Chef Satya Nadellas Keynote klang das etwas komisch. Früher sprach man von intelligenten Menschen, und eben weniger intelligenten. Was heute zählt und schlau macht, ist der "Zugriff auf Intelligenz". Intelligenz ist zu einer Ressource geworden, die man konsumiert wie Wasser, Strom oder eben IT aus der Cloud.
An intelligenten Cloud-Applikationen, die von dieser extrem leistungsstarken Cloud-Infrastruktur angetrieben werden, bastelt Microsoft noch. Satya Nadella hat vor, den persönlichen Assistenten Cortana, das Software-Paket Office 365 und Dynamics 365 intelligenter zu machen.
133 Millionen benutzen Cortana
Cortana kann nicht nur die üblichen Konzerttickets kaufen oder Tische im Lieblingsrestaurant reservieren, sondern benutzt auch Infos aus dem aufgekauften Karrierenetz LinkedIn oder aus E-Mails, um etwa optimale Teams zusammenzustellen. Cortana hatte Stand Juli 2016 insgesamt 133 Millionen aktive Anwender, die mindestens einmal pro Monat den Assistenten einsetzen.

Gut für Sales Teams - smartes Dynamics 365

Den Cortana-Ansatz à la 'persönlicher, intelligenter Assistent' will Microsoft auf sämtliche Cloud-Applikationen übertragen. Ein virtueller "Bot Knowledge Assistent" hilft Sales-Teams, die mit Dynamics 365 arbeiten, bei der Kundenberatung und beim Verkauf.
Vielversprechend sieht auch die Geschäftssparte "Cognitive Services and Mixed Reality" aus. Mithilfe der Augmented-Reality-Brille HoloLens durfte sich einiges Demo-Personal auf der Bühne in Atlanta eine virtuelle Küche zusammenschustern. Ähnliches hatte man aber bereits auf der World Partner Conference vor ein paar Monaten in Toronto gesehen. Dort war es ein mit HoloLens ausgestatteter Wartungstechniker, der sich mit Reparaturarbeiten an eine komplexen Riesenturbine beschäftigt.
Alles "amazing opportunities", laut Satya Nadella. Na, warten wir es doch ab, was der Markt letztlich annimmt.
com! professional: Microsoft hat Milliarden in den Aufbau einer globalen Hyperscale-Cloud investiert. 1 ExaFlops sind eine starke Wegmarke und Microsoft ist sehr erfolgreich in der Cloud unterwegs. Aber die meisten Rechenzentren weltweit betreibt IBM. Die grösste Computing-Power unterhält nach unserer Schätzung hingegen der Infrastructure-as-a-Service-Marktführer Amazon/AWS.



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