Ethik 27.09.2018, 11:10 Uhr

Kann ethisches Design Social Media verbessern?

Social-Media-Nutzer hängen laut einem Medienwissenschaftler oftmals in Loops fest und kommen nicht zum Ende.
(Quelle: Pixabay/geralt)
Laut dem Medienwissenschaftler Tim Wu von der Columbia Law School könnte ein grösserer Fokus auf ethischem Design dabei helfen, Unzufriedenheit und Depressionen bei der Social-Media-Nutzung zu bekämpfen. Aktuell sieht er ein grosses Problem, ausgelöst durch «falsche Loops» (Endlosschleife), die User in ihrer Aktivität fesseln.

Zeitraubende Loops

«Design ist das, was die Bedingungen einer Online-Interaktion festlegt. Aber anstatt den Nutzern dabei zu helfen, ihre Ziele zu erreichen, wird Design oft dazu verwendet, ihre Schwächen auszunutzen», erklärt Wu. Vor allem Social-Media-Seiten sind dem Experte zufolge darauf ausgelegt, sogenannte «falsche Loops» zu schaffen, durch die Nutzer nie das erreichen, was sie auf der Plattform eigentlich tun wollen. Diese Business-Strategie sei gefährlich. «Das widerspricht unserer Art, die Welt zu verstehen.»
Auch am Beispiel von Tinder sei diese Problematik erkennbar. Die Dating-App bietet laut Wu die Möglichkeit, unendlich zu swipen und mit einer riesigen Masse von potenziellen Flirts verbunden zu sein. «Das ist wie ein grosses Buffet, bei dem nichts wirklich zusammenpasst. Zufälligerweise stopft man sich auch selbst voll und man fühlt sich krank. Designer könnten jedoch eine gesündere Zukunft für soziale Medien aufbauen», so Wu. Es gäbe im Dating-Bereich auch Anwendungen, bei denen ein Nutzer pro Tag nur eine kleine Auswahl passender Personen angezeigt bekommt und nach dem Begutachten dieser mit seiner Aktivität fertig ist – ähnlich wie beim Durchgehen des E-Mail-Posteingangs. Diese Herangehensweise sei zufriedenstellender.

Design-Ethik verstehen

Die am ethischsten gestalteten Tech-Produkte berücksichtigen laut Wu, wie und wann Menschen sie benutzen sowie wie sie sich während der Nutzung fühlen und halten zudem das Design einfach genug, um User nicht zu überfordern. «Tools, welche die Zeit überwachen und für bestimmte Apps Limits setzen, sind ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn sie von genau denselben Unternehmen stammen, die Produkte entwickeln, um die Zeit, die Nutzer mit Apps verbringen, zu maximieren», rät Wu. «Nur wenige Dinge sind für die Zukunft der Menschheit wichtiger als Design-Ethik. Design ist die Determinante (Bestimmungsgrösse), zusammen mit dem Willen. Design kreiert jedoch auch die Art und Weise, wie man Entscheidungen trifft», resümiert Wu.


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