Abos mit Smartphone 10.06.2015, 10:14 Uhr

Abo mit Gerät - Wo es sich lohnt und wo nicht

Viele Mobilfunk-Anbieter verkaufen Abos mit Geräten. Was auf den ersten Blick wie ein guter Deal aussieht, lohnt sich aber nicht in jedem Fall. Comparis hat untersucht, wie man besser fährt.
Das neueste Smartphone für einen Franken oder sogar für null Franken – mit solchen Angeboten locken Mobilfunkanbieter Kunden an. Sie versprechen Rabatte von bis zu 900 Franken. Gratis ist das Gerät aber nicht – statt das Telefon auf einmal zu bezahlen, stottert es der Kunde einfach mit der monatlichen Handy-Abo-Rechnung ab. Der neue Telekom-Index von comparis.ch zeigt, bei welchen Angeboten sich die Variante mit Gerät lohnt, und bei welchen Angeboten man das Smartphone lieber separat kauft.

Der Internet-Vergleichsdienst comparis.ch hat bei den drei grossen Mobilfunkanbietern für 10 beliebte Smartphones nachgerechnet, ob die Variante «Telefon mit Abo» oder «Abo plus separat gekauftes Telefon» günstiger ist. Als Marktpreis wurde jeweils der Preis beigezogen, den man im Handel für das Gerät bezahlt . Die Berechnungen wurden für die drei Comparis-Profile Wenig-, Durchschnitts- und Vielnutzer gemacht (siehe Berechnungsgrundlagen). Die Resultate unterscheiden sich je nach Anbieter.

Swisscom: Abo ohne Gerät ist günstiger
Der Marktleader vermarktet unter seinem eigenen Namen nur Abos mit Inklusiv-Handys. Allerdings bietet Swisscom unter der Marke M-Budget das «Mobile One»-Abo ohne Gerät an. Die Analyse von comparis.ch zeigt: Sowohl der Wenig- wie auch Durchschnitts- und Vielnutzer fährt günstiger, wenn er sein Smartphone separat auf dem freien Markt kauft und zusätzlich ein M-Budget-Abo abschliesst. Über 24 Monate gerechnet spart der Konsument durchschnittlich im Vergleich zum günstigsten Swisscom-Abo 580 Franken (Wenignutzer) bzw. 870 Franken (Durchschnitts- und Vielnutzer).

Sunrise: Gerät getrennt vom Abo
Sunrise ist kundenfreundlich, weil der Anbieter Abos und Geräte strikt trennt. Es sind zwar Geräte auf Ratenzahlung erhältlich, doch der Kunde muss dafür einen zusätzlichen Vertrag abschliessen. Vergleicht man die Gerätepreise von Sunrise mit den Preisen, die man auf dem Markt für dasselbe Gerät bezahlt, zeigt sich auch hier: Der Kunde fährt günstiger, wenn er das Gerät im Handel kauft. Einzige Ausnahme ist das Samsung Galaxy A5.

Salt: Je nach Gerät und Nutzungsverhalten entscheiden
Bei Salt lässt sich keine klare Tendenz feststellen: in 15 von 30 Fällen ist das Gerät mit Abo günstiger, in gleich vielen Fällen teurer. Angenommen wurde für den Vergleich «Abo plus separat gekauftes Telefon», dass der Kunde einen SIM-Only-Vertrag für 24 Monate abschliesst. Der Salt-Kunde erhält in diesem Fall einen Rabatt, weil er auf das Gerät verzichtet. Allgemein sind die Unterschiede zwischen den beiden Varianten relativ klein.

Berücksichtigt man zusätzlich zu den normalen Salt-Produkten auch «Das Abo», welches nur über die Post vertrieben wird, zeigt sich ein etwas anderes Bild: Durchschnitts- und Vielnutzer fahren meistens günstiger, wenn sie das Gerät auf dem freien Markt besorgen und nicht mit einem Abo von Salt abzahlen. Bei den Wenignutzern kommt es ganz auf das gewählte Gerät an: Bei sieben Handys fährt man besser, wenn man sie in Raten mit dem Abo abbezahlt, bei drei Geräten ist es günstiger, wenn man das Handy separat kauft.

Anbieter werben mit Schein-Rabatten
Interessant: Viele Mobilfunkanbieter werben mit hohen Rabatten, wenn man das Handy in Raten bezahlt. Swisscom etwa rechnet je nach Abo mit durchschnittlichen Rabatten von 190 bis 603 Franken; der höchste Rabatt beträgt gar 798 Franken. Noch grösser sind die beworbenen Rabatte bei Salt: der grösste Rabatt betrug im Schnitt 653 Franken, und absolut sage und schreibe 899 Franken. Wie kann das sein?

Telecom-Experte Ralf Beyeler von comparis.ch erklärt: «Einerseits geben die Anbieter viel höhere Preise an, als man auf dem freien Markt für das gleiche Gerät bezahlen muss». Beide Anbieter rechnen laut Beyeler mit einem Preis, der im Schnitt rund 140 Franken über dem Marktpreis liegt. «Andererseits werden die Gerätekosten einfach in den Abopreis rein gerechnet», sagt er.

Tabelle: So viel kosten 10 beliebte Geräte im Schnitt für den Durchschnittsnutzer*



Erstaunlich: Am günstigsten fährt der Kunde im Schnitt über alle betrachteten Smartphones hinweg mit dem M-Budget-Angebot von Swisscom und einem separat gekauften Gerät. Allerdings hat Swisscom im Schnitt auch das teuerste Angebot. Und zwar bei den Abos unter der Marke «Swisscom», bei denen jeweils ein Gerät inklusive ist.

Der grösste Kabelnetz-Betreiber UPC Cablecom fordert die etablierten Mobilfunk-Anbieter heraus. Da der Anbieter nur 5 der 10 ausgewählten Geräte verkauft, konnte comparis.ch den Anbieter nicht in der Auswertung berücksichtigen. Bei den Geräten, die UPC Cablecom verkauft, bietet der Kabelnetz-Betreiber aber sehr gute Preise. Bei den drei Nutzerprofilen ist UPC Cablecom in 11 Fällen günstiger als alle anderen untersuchten Angebote, viermal ist UPC Cablecom nur rund 10 Franken teurer als das günstigste Angebot.

Keine Reaktion auf Billig-Angebote

Wie haben sich die Preise der Schweizer Mobilfunk-Anbieter generell seit dem letzten Telekom-Index von comparis.ch im November 2014 verändert? Insgesamt hat sich wenig getan. Bei allen drei Profilen haben sich die Preise für die günstigsten Abos nicht geändert. Auch bei den Prepaid-Produkten gab es bei den günstigsten Angeboten für Wenig- und Durchschnittsnutzer keine Änderungen. Nur bei den Vielnutzern gibt es neu ein günstigeres Angebot: Statt 61.50 Franken wie im Herbst 2014 bezahlt der Kunde für das günstigste Angebot nun noch 27.90 Franken – das sind 55 Prozent weniger.

«Erstaunlich ist, dass Sunrise und Salt noch immer nicht auf die Offensive von M-Budget und Aldi im letzten Herbst reagiert haben», sagt Ralf Beyeler.

Grundlagen für die Berechnung:
Berechnet wurden die Gesamtkosten über 24 Monate für die drei Comparis-Profile «Wenignutzer», «Durchschnittsnutzer» und «Vielnutzer» für 10 beliebte Smartphone-Modelle.

Der Wenignutzer telefoniert 60 Minuten im Monat, verschickt 30 SMS und überträgt 500 MB. Der Durchschnittsnutzer telefoniert 120 Minuten, verschickt 60 SMS und überträgt 500 MB. Der Vielnutzer telefoniert 480 Minuten, verschickt 150 SMS und überträgt 750 MB.

Berechnungsannahmen für die Profile siehe:
https://www.comparis.ch/telecom/mobile/handy-abo-internet.aspx#hinweise
Berücksichtigt wurden folgende Smartphone-Modelle: Apple iPhone 6 (16 GB), Apple iPhone 5S (16 GB), Apple iPhone 6 Plus (64 GB), Apple iPhone 5C (8 GB), Samsung Galaxy S5, Samsung Galaxy S6 (64 GB), Samsung Galaxy A5, Sony Xperia Z3 Compact, HTC One M9 und Nokia Lumia 930. Diese Geräte sind bei allen drei Netzbetreibern erhältlich. Das Samsung Galaxy S5 verkauft Swisscom in einer leicht anderen, schnelleren 4G+-Version. UPC Cablecom verkauft das Apple iPhone 5C in einer (älteren) Version mit 16 GB statt 8 GB Speicher.

Preise vom 26. Mai 2015.



Das könnte Sie auch interessieren