Kommentar 21.05.2019, 08:05 Uhr

Google versus Huawei: Warum Europa zu den Opfern gehört

Die Nummer eins bei Smartphone-Software sperrt die Nummer zwei bei Smartphones aus. Der Krieg zwischen Google und Huawei zeigt deutlich die Folgen der digitalen Übermacht der USA. Und die Leidtragenden dieses Krieges sind nicht zuletzt wir Europäer.
(Quelle: shutterstock.com/Tatiana53)
Eigentlich ein Fall für alle Monopolwächter der Welt: 85 Prozent aller Smartphones weltweit laufen auf Android, einem Betriebssystem, an dem Google alle relevanten Rechte hält. Den Rest kann man Apples iOS zurechnen, denn weitere Betriebssysteme sind nicht der Erwähnung wert. Warum Monopole zu Recht so verrufen sind, zeigt sich jetzt: Nachdem US-Präsident Donald Trump durch das Ausrufen eines nationalen Telekommunikationsnotstandes den chinesischen Hersteller Huawei auf die schwarze Liste gesetzt hat, reagiert jetzt Google - und schliesst Huawei (weltweiter Marktanteil am Smartphone-Markt: rund 16 Prozent) kurzerhand von Android aus.
Bereits verkaufte Geräte sollen weiter funktionieren wie gehabt, heisst es, doch künftig werde Huawei weder Zugang zu neuen Android-Versionen, noch zum Google Play Store haben. Auch extrem beliebte Anwendungen wie Google Maps sollen Huawei-Nutzern künftig verschlossen bleiben.

Wir verlassen uns auf die USA und China

Für uns in Europa zeigt diese Entwicklung mal wieder schlaglichtartig, dass wir uns im digitalen Bereich zu sehr auf die USA und China verlassen. Egal ob Desktop-PC oder Smartphone, egal ob Webserver oder Breitband-Router: Die Basis-Software kommt aus Amerika, die Hardware aus China.
Der Streit zwischen den USA und Huawei lässt Millionen von Europäern mit einem Smartphone zurück, von dem sie nicht wissen, ob es morgen noch funktioniert. Im Grunde ist das ein Fall für den Verbraucherschutz - der natürlich weder in Shenzen noch in Mountain View etwas zu melden hat.

Was also ist zu tun?

Der Fall Google versus Huawei zeigt, wie gering letztlich die europäische Kontrolle über die europäische Digital-Infrastruktur ist. Das muss sich ändern. Als das iPhone 2007 in Europa eingeführt wurde, konnte man es nur im Bundle mit einem Mobilfunkvertrag kaufen. In Italien war das anders, dort sind solche Bundles nämlich verboten. Also wurde in Italien das iPhone separat verkauft. Warum hat der europäische Kunde bei Smartphones, bei PCs und bei anderen Telekommunikationsgeräten nicht die Wahl, welche Software er darauf verwenden darf?
Zu einer europäischen Alternative gehört natürlich auch ein entsprechendes Angebot. Vor zehn Jahren erwarb Nokia alle Rechte am damals marktführenden Handy-Betriebssystem Symbian und übertrug es an eine gemeinnützige Stiftung. Angesichts dessen, was gerade in den USA passiert, war das kein schlechter Schritt. Weitere sollten folgen.


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