Single-Sign-On 11.06.2019, 14:41 Uhr

Login-Anbieter: Die Konkurrenz nimmt zu

Der "M-Login" ist das jüngste Beispiel dafür, dass Anbieter von digitalen Anwendungen auf übergreifende Login-Lösungen setzen. Ob Nutzer das praktisch finden, ist noch offen.
(Quelle: shutterstock.com/Aslysun)
Sie heissen "WebID", "NetID", "IDnow" und "Verimi". Bald kommt noch das ­lokale Angebot "M-Login" hinzu. Die ­Rede ist von Lösungen, die sich grob in Services für ein Single-Sign-on und für Identifikationsdienstleistungen einteilen lassen. Während M-Login und NetID ein Single-Sign-on anbieten, stehen bei WebID, IDnow und Verimi die Überprüfung und die Verifizierung der Identität des Nutzers im Vordergrund. Welche Dienstleistungen bieten sie dem Online-Handel? Hier ist eine Übersicht:

Ganz neu in der Riege der Single-Sign-On-Anbieter sind die Stadtwerke München. Ab Juli 2019 starten die Stadtwerke München (SWM) und das Stadtportal Muenchen.de einen zentralen Zugang für verschiedene digitale Dienstleistungen der Stadt München. Für den neuen "M-Login" benötigen Nutzer eine einmalige Registrierung. Dann können sie mit nur einem Login (= Single-Sign-on) U-Bahn-Tickets kaufen, ein Carsharing-Auto ­buchen oder einen Parkschein mobil ­bezahlen. Florian Bieberbach, Vorsitzender der SWM-Geschäftsführung, sagt: "Der M-Login ist eine europaweit einzigartige lokale 'Single-Sign-On-Lösung'."

Online bestellte Ware kann mit dem M-Login in der "Quartiersbox" abgeholt werden.
Quelle: Stadtwerke München M-Login
Für den E-Commerce interessant: Die Nutzer des M-Logins können sich online bestellte Ware in sogenannte "Quartiersboxen" liefern lassen. Es gibt in ganz München zwar erst zwei solcher Quartiers­boxen, weshalb die Nutzerzahl noch sehr klein sein dürfte. Dennoch zeigt dies, dass solche lokalen Single-Sign-on-Lösungen Potenzial für den digitalen und den lokalen stationären Handel haben, gerade auch auf der letzten Meile - der Paketübergabe an den Konsumenten.

Gut vorstellbar, dass das Münchner Beispiel Schule macht und andere Gross­städte ebenfalls ein übergreifendes Login/Single-Sign-on anbieten werden. Bei einem lokalen Angebot ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Einwohner die verschiedenen Dienste regelmässig nutzen und es schätzen, dass sie sich nur einmal dafür zu ­registrieren brauchen.

NetID hat Fachbeirat für E-Commerce ins Leben gerufen

Ein übergreifendes Login treibt auch die European NetID Foundation voran. Ihre "NetID" ist aktuell auf über 70 Websites verfügbar. Die Stiftung wurde im März 2018 von der Mediengruppe RTL Deutschland, Pro Sieben Sat1 und United Internet gegründet. Nutzer können sich bei allen beteiligten Webangeboten mit denselben Login-Daten anmelden. NetID wäre gern die europäische Alternative zu den Logins von US-Plattformen wie Google oder ­Facebook. Ob die User dieser noch recht neuen und unbekannten Log­in-Lösung vertrauen und darin einen Mehrwert für sich erkennen, ist noch offen.

Online-Händler können die NetID in den Shop einbinden, um ihren Kunden einen schnelleren Check-out-Prozess zu bieten.
Quelle: NetID
Die Nutzung des NetID-Logins ist für Online Shops und andere Webangebote kostenfrei. C&A, Calida und Onmyskin haben als eine der ersten Händler den Net­ID-Button in ihren Online-Shop eingebunden. Für Auswertungen zur Nutzung sei es aktuell aber noch zu früh, meint ­Andreas Hammer, Director E-Commerce bei C&A Europe (mehr dazu im Interview). Schliesslich ist der NetID-Login-Button erst seit vier Wochen im Online-Shop von C&A eingebunden.
Kürzlich meldete die European NetID Foundation erste Ergebnisse von den Fachbeiräten, die sich im März 2019 erstmals getroffen haben. Im Fachbeirat E-Commerce geht es um Personalisierung und allgemein die Customer Journey, zum Beispiel die Möglichkeit, alternative Lieferadressen und Lieferpräferenzen anzugeben und um die Integration von Payment-Lösungen. Den Vorsitz dieses Fachbeirats E-Commerce hat Sabrina Zeplin von der Otto Group inne.

Online-Handel bei Verimi nicht im Fokus

Die andere Single-Sign-on-Initiative aus Deutschland heisst Verimi. Sie legt den Schwerpunkt auf die Identifizierung und Authentifizierung von Internet-Nutzern und bietet diese Dienstleistung regulierten Branchen wie Banken, Versicherungen, dem öffentlichen Sektor oder Telekommunikationsunternehmen an. Verimi wurde im Mai 2017 von grossen deutschen Unternehmen gegründet. Zum Gesellschafterkreis gehören die Allianz, Axel Springer, die Bundesdruckerei, Core, Daimler, Deutsche Bahn, Deutsche Bank und Postbank, Deutsche Telekom, Giesecke+Devrient, Here Technologies, Lufthansa sowie Volkswagen.
Verimi bietet die Authentifizierung von Nutzern an. Kunden können sich bei Online Shop einfacher anmelden.
Quelle: Verimi
Der Online-Handel stehe bei Verimi nicht primär im Fokus. Die Plattform sei jedoch für alle Branchen und Unternehmen offen, so ­Verimi. Auch wenn Händler nicht zur Kernzielgruppe von Verimi zählen, können Online Shops die Authentifizierung oder Identifizierung von Nutzern einbinden.
Ein Beispiel: Wenn ein Online-Kunde ­bereits ein Verimi-Konto hat und der ­Online-Händler den Login über Verimi anbietet, können Neukunden darüber den Check-out-Prozess schneller durchlaufen, weil ihre Daten schon vorliegen. In diesem Punkt überschneidet sich das Angebot von Verimi mit dem von NetID. Die ­Online Fan Shops von Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart, Werder Bremen, Hertha BSC, Hamburger SV und 1. FC Köln haben Verimi integriert.
Für die Identifizierung verwendet das Unternehmen das Video- oder Ausweis-Ident-Verfahren und berechnet eine Gebühr je Transaktion. Wie hoch sie genau ist, teilt Verimi nicht mit. Der Preis richtet sich auch danach, ob nur die Anschrift abgeglichen oder auch der Ausweis auf Echtheit überprüft wird. Demnächst wird Verimi die qualifizierte elektronische Signatur als weiteres Feature freischalten.

Mit WebID Betrugsversuchen vorbeugen

Diese Dienstleistung bietet auch die WebID Solutions GmbH an. Das Berliner Unternehmen ist Spezialist für die digitale Identifizierung und für Online-­Signaturen. Verimi bezieht das Video-Ident-Verfahren von WebID. Als einziger der von INTERNET WORLD BUSINESS befragten Anbieter nennt WebID Zahlen zu deutschen Nutzern. Bislang habe ­WebID Solutions 4,2 Millionen Identitätsprüfungen durchgeführt und von rund 3,5 Millionen Personen in Deutschland mit deren Einverständnis die Identität gespeichert, berichtet Frank S. Jorga, Mitgründer und Geschäftsführer von WebID.
WebID bietet Online-Händler eine Verifizierung der Kunden an, um Identitätsbetrug vorzubeugen.
Quelle: WebID
Das 2012 gegründete Unternehmen will die Zusammenarbeit mit Online-Händlern intensivieren. Für E-Commerce-Zwecke wartet WebID mit mehreren Services auf: der Identitäts- und der Altersprüfung. Die Identitätsprüfung dient dazu, Betrugsversuchen vorzubeugen. Dafür hat WebID eine automatisierte Prüfung entwickelt. Ein anderes Einsatzszenario ist der Online-Einkauf mit Ratenzahlung. Für diese Zahlart überprüft WebID die Identität des Kunden. "Wir führen keine Bonitätsprüfung durch", differenziert Jorga. Erste Online Shops, die auf die Dienste von WebID setzen, sind Notebooksbilliger und der Shop des Mobilfunkanbieters 1&1.

Shops mit hochpreisigen Produkten können IDnow zur Betrugsvermeidung nutzen, indem sie die Identität der Kunden überprüfen.
Quelle: IDnow
Ähnlich wie WebID setzt IDnow auf die Authentifizierung und Prüfung der Identität und wendet sich mit dem Produkt an ­Finanzdienstleister und Versicherungen. Das Unternehmen erstellt keine "Identity Accounts". Kunden integrieren die Lösung zur Identitätsverifizierung in ihre digitalen Prozesse, beispielsweise in die Antragsstrecke zur Kontoeröffnung. Generell können auch Online-Händler IDnow verwenden, zum Beispiel um Betrug zu vermeiden, wenn sie hochpreisige Produkte wie Luxusuhren digital vertreiben. Handel steht aber nicht im Fokus von IDnow.

C&A: "Für eine Auswertung ist es noch zu früh"

Der Modehändler C&A setzt als einer der ersten Händler die NetID in seinem Online Shop ein. Kunden können sich darüber bei dem Shop anmelden. INTERNET WORLD BUSINESS hat Andreas Hammer, Director E-Commerce bei C&A Europe, befragt, wie die NetID bei den Kunden ankommt.
Andreas Hammer, Director E-Commerce bei C&A Europe
Quelle: C&A Europe
Wie lange verwenden Sie den NetID-Button bereits im Login-Prozess ­Ihres Online Shops?

Andreas Hammer: Seit rund vier ­Wochen.

Warum haben Sie sich für den NetID-Login entschieden?
Hammer: Um unseren Kundinnen und Kunden die zusätzliche Möglichkeit zu geben, über einen einheitlichen Login noch einfacher bei uns shoppen zu können und dennoch in den Genuss unserer Vorteile eines C&A-Accounts zu kommen. NetID entspricht unserem hohen Anspruch an Datensicherheit und Datenschutz, das war letztlich entscheidend.

Welche Erfahrung haben Sie bisher damit gemacht?

Hammer: Der NetID-Zugang wird bereits von Kunden genutzt. Es ist jedoch noch zu früh, um über Erfahrungen zu sprechen.

Wie viel Prozent Ihrer Kunden regis­trieren sich mit dem NetID-Button?
Hammer: Auch für Statistiken dieser Art ist es noch zu früh.

Wie lässt sich Ihrer Meinung nach dieser Anteil steigern?

Hammer: Unsere Kundinnen und Kunden entscheiden selbst, wie sie bei uns einkaufen möchten. Wir haben keine Bestrebungen, ein Format speziell zu fördern. Ein C&A-Account ist genauso sinnvoll und sicher wie ein NetID-Account.

Wie einfach oder kompliziert war die Einbindung des NetID-Logins in den Webshop?
Hammer: Verhältnismässig einfach, aber es waren durchaus Entwicklungsaufwände notwendig, um NetID in unsere Plattform zu integrieren.



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