13.03.2011, 00:00 Uhr

Bereits 62 Prozent der grössten Schweizer Firmen setzen auf Social Media

Knapp zwei Drittel der grössten Schweizer Unternehmen pflegen aktiv Social-Media-Kanäle. Der Einstieg erfolgt mehrheitlich ohne formulierte Strategie, Richtlinien oder Erfolgskontrolle. Erhofft werden mehr Dialog, Aufbau einer Marke als Arbeitgeber und Imagegewinn; befürchtet sind Kontrollverlust und hoher Aufwand. Mit Facebook erhält ein Kanal, der in einer vergleichbaren Studie vor vier Jahren noch unerwähnt blieb, die höchste Wichtigkeit und Pflege. Die Hälfte der Schweizer Unternehmen unterhält bereits oder plant spezifische Personal-Ressourcen für Social Media. Das zeigt die Social Media Studie Schweiz 2011 von Bernet_PR und Barbara Kunert, präsentiert an einem Podium der Zürcher PR Gesellschaft ZPRG.

Hohe Beteiligung, wenig Strategie

Nur 38 Prozent der grössten Schweizer Unternehmen sind Social-Media-abstinent ? 62 Prozent oder knapp zwei Drittel pflegen aktiv Facebook, YouTube, Twitter, Blogs oder andere Plattformen. Dieses hohe Engagement erfolgt in den meisten Fällen aus dem Handgelenk: Erst 22 Prozent verfügen über eine Social-Media-Strategie; immerhin planen 58 Prozent der Befragten ein entsprechendes Papier. Ebenfalls improvisiert wird bezüglich Erfolg: Mit 30 Prozent evaluiert erst knapp ein Drittel der aktiven Unternehmen ihre Engagements, 38 Prozent planen eine Messung.

Facebook aus dem Nichts an die Spitze

45 Prozent der grössten Schweizer Unternehmen sind auf Facebook engagiert ? damit liegt diese Plattform klar vor YouTube und Twitter (je 28 Prozent) sowie Blogs (25 Prozent). Facebook wird mit Abstand als wichtigster Kanal bezeichnet, hier werden auch am intensivsten Inhalte eingepflegt: 40 Prozent sind täglich oder wöchentlich aktiv, vor Twitter (27 Prozent), Blogs (22 Prozent) und YouTube (13 Prozent). Damit hat sich eine Plattform an die erste Stelle der unternehmerischen Aufmerksamkeit gedrängt, die in einer vergleichbaren Erhebung vor vier Jahren noch keine Relevanz hatte. Die Engagements auf YouTube und Blogs haben sich im selben Zeitraum mehr als verdoppelt (YouTube von 10 auf 28 Prozent; Blogs von 12 auf 25 Prozent). Die MAZ-Bernet-Studie Web 2.0 von 2007 zeigte noch 7 Prozent der befragten Schweizer Unternehmen und Organisationen mit einer Präsenz auf Second Life.

Hohe Erwartungen, klare Ängste

Die drei meist genannten Erfolgshoffnungen sind der Dialog mit Zielgruppen (64 Prozent), der Aufbau einer Arbeitgeber-Marke (59 Prozent) und die Pflege von Image und Reputation (52 Prozent). Auf dem siebten Platz dieser Rangliste findet sich der Wunsch, einen Trend nicht zu verschlafen ? ein weiterer Hinweis auf die aktuelle Tendenz zu schnellem Mitmachen vor langer Strategiefindung.
Kontrollverlust (62 Prozent der Mehrfachnennungen) und hoher Aufwand (57 Prozent) stehen klar an der Spitze der Schwächen, die Social Media zugeschrieben werden. Auf dem dritten Platz stehen gemeinsam mit je 12 Prozent die Angst vor Indiskretionen durch Mitarbeitende und öffentliche Kritik. Diese Einschätzungen drücken sich auch in Kostenschätzungen aus: Die Mehrheit der grössten Schweizer Unternehmen sieht in Social Media mehr Aufwand als Nutzen (35 Prozent), ein Viertel sieht eine ausgeglichene Rechnung (24 Prozent), nur knapp ein Fünftel (17 Prozent) erhofft sich eine positive Rechnung.

Monitoring und Ressourcen ausgebaut

Ganz konkret drückt sich das aktuelle Engagement der grössten Schweizer Unternehmen in Stellen aus: Hohe 39 Prozent verfügen bereits über Personalressourcen für die Social-Media-Arbeit, 13 Prozent planen diesen Schritt, 5 Prozent setzen auf externe Ressourcen.  Auch bezüglich Monitoring wird Gas gegeben: 73 Prozent geben an, Social-Media-Kanäle zu überwachen oder dies zu planen (54 Prozent Ja, 19 Prozent Geplant). Vor vier Jahren hatten 60 Prozent ein generelles Online-Monitoring in Betrieb oder vorgesehen (44 Prozent Ja, 15 Prozent geplant; MAZ-Bernet-Studie Web 2.0-Studie von 2007). Die Studie mit weiteren Details und internationalen Vergleichen ist frei verfügbar auf www.bernet.ch/socialmediastudie. (Patrick Hediger)



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