Aufklärung über Myopie 14.10.2019, 08:18 Uhr

Kurzsichtigkeit durch Smartphone, Computer & Co.

Studien zeigen, dass immer mehr Jugendliche von Myopie betroffen sind. Was genau ist das und wie könnte man Myopie vermeiden?
(Quelle: Pixabay.com © ales_kartal )
Das Auge stellt unser wichtigstes Sinnesorgan dar. Es ist das Fenster zur Welt und der Spiegel der Seele. Es hilft, um uns im täglichen Leben zurechtzufinden und Gefahren zu erkennen. Das Sehorgan war und ist Gegenstand ausführlicher Forschungen. Man kann es mit einer Hochleistungskamera vergleichen, an die keine technische Errungenschaft heranreicht. Der Aufbau und die Funktionsweise sind äusserst komplex – das Auge ist ein Wunder der Natur. Die Medizin hat im Laufe der Zeit grosse Fortschritte gemacht, denn ebenso wie andere Organe ist es von Krankheiten bedroht und Leistungsschwäche ist keine Seltenheit. Dazu gehören unter anderem:
  • Kurzsichtigkeit
  • Weitsichtigkeit
  • altersbedingte Makuladegeneration
  • grüner und grauer Star
  • diabetische Retinopathie
  • Retinopathia Pigmentosa
  • Netzhautablösung
  • Augenverletzungen
 
Was ist Myopie?
 
Kurzsichtigkeit, in der Fachsprache als Myopie bekannt, ist eine Fehlsichtigkeit des Auges. Sie kann sowohl angeboren sein als auch später erworben werden. Menschen sehen dabei nur weiter entfernte Gegenstände undeutlich, während nahe Objekte problemlos erkannt werden. Bei der Weitsichtigkeit ist es umgekehrt: Nahe Bilder sind unscharf, alles, was in der Ferne liegt, erscheint klarer. Ein Grund für die Kurzsichtigkeit liegt in der Achsen-Myopie: Der Augapfel ist in diesem Fall länger als bei Normalsichtigen, wodurch die Netzhaut weiter von Hornhaut und Linse entfernt ist.
Im Zeitalter der Technik, in dem die Nutzung von Computern, Smartphones und Co für die meisten Menschen zum Alltag gehört, taucht Myopie häufiger auf. Laut einer Umfrage unter Deutschschweizern sind 33 Prozent kurzsichtig, 20 Prozent kurz- und weitsichtig (Stand 2019). Die Zahlen sind steigend.
Um am Computer möglichst effektiv arbeiten zu können, passen sich Augen stark an die Naharbeit an
Quelle: Pixabay.com © janeb13
Was passiert mit den Augen vor einem Bildschirm?
 
Lange Zeit wurde in der Medizin davon ausgegangen, dass die Kurzsichtigkeit allein genetisch bedingt ist. Mittlerweile ist erwiesen, dass auch der Lebensstil die Sehschwäche beeinflussen kann. Die ständige Naharbeit, die von den Augen an den Bildschirmen eines Handys, Laptops, Tablets und weiteren technischen Geräten geleistet wird, führt zu einer Anpassung. Die Augen drehen sich nach innen ein, durch die Linse wird die Brechkraft des Lichtes verstärkt. Dies führt zu einer scharfen Sehkraft auf kurze Entfernung. Im Gegensatz dazu werden jedoch Objekte, die in weiter Ferne liegen, als unscharf wahrgenommen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine Kurzsichtigkeit durch häufige Tätigkeiten an Computern und Co entstehen kann.
 
Immer mehr junge Menschen sind von Kurzsichtigkeit betroffen
 
Immer mehr Jugendliche, für die das Smartphone ebenso essentiell ist wie ein PC oder eine Spielkonsole, sind von Kurzsichtigkeit betroffen. Die Natur hat es eingerichtet, dass Kinder zunächst mit einer leichten Weitsichtigkeit geboren werden. Allerdings entwickeln sich die Augenmuskeln bis zum 18. Lebensjahr, sodass es üblich ist, dass diese sich im Laufe des Heranwachsens verwächst. Genau in dieser Lebensphase entsteht bereits die Myopie, die durch die Beschäftigung am Bildschirm begünstigt wird. Zur Kurzsichtigkeit tragen ausserdem auch andere Naharbeiten bei, beispielsweise das Lesen von Büchern, sei es zu Lernzwecken oder privat.
 
Tatsache ist, dass viele Menschen den Tag im Nahsehmodus verbringen. In der Regel werden gleich nach dem Aufwachen die Mails auf dem PC oder dem Smartphone gecheckt. Schnell wird noch eine Antwort geschickt und sei es unterwegs auf dem Weg zur Arbeit oder in die Schule. Wer öffentliche Verkehrsmittel nutzt, hat nicht selten das Mobiltelefon in der Hand und verbringt die Fahrzeit mit dem Anschauen eines Videos. Im weiteren Verlauf wird die Nase in die Schulbücher gesteckt und natürlich auch geschrieben. Zahlreiche Jobs beinhalten Tätigkeiten am Computer, acht Stunden am Bildschirm sitzen stellt keine Seltenheit dar. Zuhause angekommen wird der Fernseher eingeschaltet oder die sozialen Netzwerke locken mit den News des Tages. Momente, um in die Ferne zu sehen, was einer Kurzsichtigkeit vorbeugen könnte, gibt es im Alltagsleben kaum noch.
 
Höchste Flexibilität des Sinnesorganes Auge
 
Letztendlich brauchen wir uns nicht zu wundern, denn unser Auge ist ein hochsensibles und anpassungsfähiges Sinnesorgan. Aufgrund der Tatsache, dass fast ausschliesslich Nahsehen gefordert ist, braucht es nur noch wenige energieaufwendige Muskelarbeit zu leisten. Gerade weil diese Anpassung so gut und konsequent funktioniert, gibt es immer mehr Menschen, die mit ihrer Kurzsichtigkeit leben müssen. Dass unsere Kinder heute durch die häufige Beschäftigung mit Smartphones und ähnlichen technischen Geräten besonders gefährdet sind, zeigen die Daten des European Eye Epidemiology Consortium:
  • Knapp 16 Prozent der 65- bis 69-Jährigen sind kurzsichtig.
  • Mindestens 0,75 Dioptrien (Masseinheit für die Brechkraft eines optischen Systems, beispielsweise einer Brille) haben fast 28 Prozent der 55- bis 59-jährigen Menschen.
  • Bereits über 47 Prozent sind es hingegen bei den 25- bis 29-Jährigen.
 
Verzicht auf technische Geräte? Mobiltelefone können Leben retten!
 
Ein vollständiger Verzicht auf Nahsicht-Tätigkeiten ist nicht nur unmöglich, sondern auch nicht notwendig, um Myopie zu verhindern. Gerade Mobiltelefone haben sich fest in unserem Leben etabliert und konnten schon Menschenleben retten. Beispielsweise bei Unfällen geht es oftmals um wenige Minuten. Wer ein Handy mit sich führt, kann sofortige Hilfe anfordern. Aus diesem Grund wurde der Notruf beispielsweise in Deutschland für alle Nutzer der Mobilfunknetze verbessert: Wird heute die Notrufnummer 112 gewählt, sendet das Smartphone automatisch die Position an die Rettungsleitstelle.
 
Weiterhin unterstützt Vodafone die vom Start-up Corevas herausgebrachte Notruf-Software EmergencyEye. Verschiedene Leitstellen lassen sich dabei per Videoanruf erreichen. Hilfesuchende finden Unterstützung am Unfallort, damit sie die richtigen Entscheidungen im Fall einer Notsituation treffen können. Damit kann das Mobiltelefon zum Lebensretter werden, was nur einer der Gründe ist, weshalb nicht generell auf Geräte mit Displays verzichtet werden sollte.
 
Wie kann man Myopie vorbeugen?
 
Nutzer von Computern und Co haben dennoch die Möglichkeit, einer Kurzsichtigkeit vorzubeugen. Hier hilft uns die Natur weiter, denn wer sich regelmässig im Freien aufhält, sieht automatisch in die Ferne. Dadurch werden die Augenmuskeln trainiert und verkümmern somit nicht. Wer zwischendurch an seinem Arbeitsplatz über keine Möglichkeit verfügt, diesen zu verlassen, sollte seinen Blick immer wieder vom Bildschirm lösen. Auch wenn man nur bis zu seinen Kollegen oder der Bürowand schaut, erholen sich die Augen von der strapaziösen Naharbeit. Zuhause kann es schon hilfreich sein, den Fernseher in einem Abstand von mindestens fünf Metern vom Sitzplatz entfernt aufzustellen. Dies fördert bereits das weitsichtige Sehen.


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