Crypto-Affäre 30.11.2020, 07:01 Uhr

Zürcher Omnisec stand ebenfalls unter dem Einfluss ausländischer Geheimdienste

Nebst der Zuger Crypto AG verkaufte auch die Zürcher Omnisec manipulierte Chiffriergeräte. Geliefert wurden diese jedoch nicht nur ins Ausland, sondern auch an Schweizer Bundesstellen und Firmen. Das decken neue Recherchen rund um die Geheimdienstaffäre auf.
(Quelle: Chris Nguyen / Unsplash )
Die Spionage-Affäre rund um die Crypto AG hat im Frühjahr für viel Aufruhr gesorgt. Damals bestätigten sich die Gerüchte, dass die Zuger Security-Firma unter dem Einfluss der amerikanischen CIA und dem deutschen Bundesnachrichtendienst BND stand und für diese eine Hintertür in ihren Chiffriergeräten einbaute (Computerworld berichtete).
Weitere Recherchen der «WOZ» und der «Rundschau» decken nun auf, dass das auch auf die Zürcher Omnisec zutrifft – die direkte Konkurrentin der Crypto AG. Im Gegensatz zur Crypto AG, die dem Vernehmen nach ausschliesslich ins Ausland lieferte, versorgte man bei der Omnisec auch mehrere Schweizer Bundesstellen mit manipulierten Chiffriergeräten. Diese seien dort noch mindestens bis in die Nullerjahre eingesetzt worden, heisst in den Berichten. Alfred Heer, der Präsident der parlamentarischen Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel), sagte gegenüber der «WOZ», dass es keine Indizien dafür gebe, dass der Schweizer Nachrichtendienst von der Backdoor in Omnisec-Geräten profitiert habe – im Gegenteil. Manipuliertes Equipment stand gemäss der Recherche ausgerechnet beim strategischen Nachrichtendienst (SND) sowie beim Inlandnachrichtendienst (DAP) im Einsatz.
Laut der GPDel nutzten auch mehrere private Schweizer Firmen die Chiffriergeräte der Omnisec. Der «Rundschau» zufolge handelte es sich unter anderem um die UBS. Aufgedeckt worden seien die Manipulationen Mitte der 2000er-Jahre schliesslich durch Kryptologen der militärischen Führungsunterstützungsbasis.
Zur Angelegenheit wollten sich das Verteidigungsdepartement, der Nachrichtendienst des Bundes und der Bundesrat gemäss der «Rundschau» nicht äussern. Heer habe sich auch nicht dazu äussern wollen, ob die GPDel den Fall Omnisec unter die Lupe nehmen will. Dass dieser aufgerollt wird, fordert beispielsweise der Zürcher FDP-Nationalrat und langjährige Banker Hans-Peter Portmann. Im Bericht der «Rundschau» spricht er von einer «neuen Dimension in der Geheimdienstaffäre». Er fordert, dass aufgeklärt wird, welche Bundesstellen Bescheid gewusst haben, ob die Wirtschaft gewarnt wurde und welche Rolle der Bundesrat spielte.
Über die Besitzverhältnisse der Omnisec berichtete die «WOZ» übrigens bereits 2013 und zu Beginn dieses Jahres. Den Angaben zufolge flossen zwischen 1995 und 2000 von einer New Yorker Anwaltskanzlei aus verdeckt Millionenbeträge über eine Briefkastenfirma namens Torcross aus den niederländischen Antillen in das Unternehmen aus Dällikon. Zudem habe sich die CIA bereits ab den 70ern darum bemüht, die Gretag – die Vorgängerin der Omnisec – unter ihre Kontrolle zu bringen. Von einem Informanten der «Washington Post» habe man bei der «WOZ» erfahren, dass die CIA nach der Auflösung der Gretag mit Mitteln der Crypto AG eine weitere Firma übernommen und eine neue aufgebaut hat – wovon eine augenscheinlich die Omnisec war.


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